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Der junge Rudolf Schadow wurde schon in früher Kindheit vom Vater, dem gefeierten preußischen Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1764-1850), zu akkuraten Zeichenübungen angehalten und offenbar mit großer Strenge künstlerisch erzogen. Kopien nach Antiken sowie Körperstudien gehörten gleichsam zum ehrgeizigen Programm des Vaters wie die unterstützende Mitarbeit bei dessen laufenden Projekten. Rudolf blieb eine der wichtigsten Stützen in der Werkstatt des Vaters und passte sich dem perfektionistischen und bärbeißigen Charakter des Seniors an. Im Jahr 1807 wurde der junge Schadow zu einem Studienaufenthalt nach Dresden entsandt und bis 1810 plante man eine Reise nach Italien, die Rudolf gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder, dem Maler Friedrich Wilhelm (1788-1862) im November antrat. Im Januar 1811 kamen die Brüder in Rom an. Schon im Herbst kehrte Rudolf, vermutlich von Melancholie geplagt, für einige Monate in die Heimat zurück und reiste erst im Januar 1812 zusammen mit Christian Daniel Rauch (1777-1857) wieder nach Rom. Bis zu seinem Tode verblieb er in der ewigen Stadt und suchte Preußen nur in verhältnismäßig kurzen Reisen auf.

 


Die Zeichnung des Heros Achilles mit der Amazonenkönigin Penthesilea zeigt eine herausragende Skulptur aus dem Spätwerk Schadows, die der Künstler nicht mehr selbst vollenden konnte. Auf den Wunsch des Vaters brachte der Neffe Emil Wolff (1802-1879) das Werk unter beratender Hilfe Bertel Thorvaldsens (1770-1844) zu Ende. Das aufwühlende Thema der Figurengruppe ist der Tod der Amazonenkönigin Penthesilea, die vor Troja im Zweikampf gegen Achilles gefallen ist. Bereits im Niedersinken der Gegnerin bewundert der Sieger Tapferkeit und Anmut Penthesileens und stellt sich abwehrend gegen das Heer der Griechen, das den Leib schänden will. Die pathetische Komposition der beiden Figuren orientiert sich an der hellenistischen Skulptur der Galliergruppe von Ludovisi, 1bei der der gallische Krieger das Schwert in die eigene Brust stößt nachdem er seine Frau getötet hatte, um den Händen der siegreichen römischen Armee zu entgehen.2

 

 

 

1??Galliergruppe Ludovisi, um 220 v.Chr., Marmor, Höhe: 211cm, Nationalmuseum Rom.

 

2??Vgl. Ebd., S. 109f.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Bleistift
Ausführung
Bleistiftzeichnung auf Papier, auf Papier aufgezogen
Darstellung
Mythologie

Maße

Werk
40,5 x 29,6 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter Zustand. Auf dem gesamten Blatt sind Stockflecken sichtbar.

Ludwig Buchhorn

1770 – 1856·Deutschland·18. Jahrhundert

Deutscher Zeichner, Graphiker und Maler, geboren in Halberstadt, gestorben in Berlin. Bis 1793 Schüler von Daniel Berger an der Berliner Akademie, 1797 bis 1803 als Zeichner und Stecher an der Chalcographischen Gesellschaft in Dessau. Ab 1806 in Berlin, 1814 Professor für Zeichnen und Kupferstecherkunst, 1824 Direktor der akademischen Kupferstecherschule. Geschätzt vor allem als Porträtist; er beherrschte Linien-, Punktier- und Crayonmanier ebenso wie Aquatinta und Lithographie.

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