Blick über die Dächer von Salzburg
»Blick über die Dächer von Salzburg« ist ein Werk von Carl Graeb aus dem Jahr um 1839, ausgeführt als Aquarell über Bleistift auf Papier und misst 21,3 cm x 14,9 cm.
Der Berliner Carl Graeb rückte erst vor Kurzem wieder in das Bewusstsein einer kunstinteressierten Öffentlichkeit, als 2020 bei den Vorbereitungen zu einer Ausstellung über das Wirken von Prinz Friedrich der Niederlande in Bad Muskau zwei M… weiterlesen ›
Der Berliner Carl Graeb rückte erst vor Kurzem wieder in das Bewusstsein einer kunstinteressierten Öffentlichkeit, als 2020 bei den Vorbereitungen zu einer Ausstellung über das Wirken von Prinz Friedrich der Niederlande in Bad Muskau zwei Mappen mit insgesamt 74 Aquarellen aus dem Muskauer Schlosspark von Graeb in Privatbesitz entdeckt wurden. Nie zuvor war der Muskauer Schlosspark – heute UNESCO-Weltkulturerbe – in einer derart ausführlichen Weise künstlerisch dokumentiert worden – die Aquarelle ermöglichen einen Rundgang durch den gesamten Park, der zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach den Vorstellungen des damaligen Besitzers, Hermann Graf von Pückler-Muskau, als englischer Garten angelegt worden war.
Als die Aquarelle in der zweiten Hälfte der 1850er Jahre entstanden, war Graeb bereits zum bedeutendsten Architektur- und Landschaftsmaler in Berlin aufgestiegen, der besonders von König Wilhelm IV. und seiner Familie protegiert wurde. 1851 zum Hofmaler ernannt, hatte Graeb seit dem Regierungsantritt des Königs 1848 der Potsdamer Schlosslandschaft in zahlreichen Aquarellen zu jener künstlerischen Geltung verholfen, die noch heute unsere Vorstellung von den Schlössern in Potsdam und Umgebung prägt. Graeb stand damals im Ruf, „jeden Gegenstand nach seiner Eigenthümlichkeit wahr und wirkungsvoll zu verbildlichen; im Besitz einer auf strengem Studium beruhenden Kenntnis der Luft- und Linearperspektive, weiss er durch zweckentsprechende Anwendung dieser kraftvoll wirkenden Mittel dem anscheinend weniger Bedeutendem in der Natur eine wahrhaft künstlerische Bedeutsamkeit zu verleihen“.
Dem unscheinbaren Motiv „eine wahrhaft künstlerische Bedeutsamkeit“ zu geben – dafür ist unser Aquarell ein großartiges Beispiel. Graebs Blick über einen Innenhof auf die Dachlandschaft einer Stadt, in deren Hintergrund sich Türme und Kuppel einer Kirche schemenhaft in blass-bläulicher Farbigkeit erheben, wirkt in seiner Ausschnitthaftigkeit unmittelbar, wie ein spontaner Schnappschuss, ist jedoch Ergebnis einer ausgeklügelten Bildregie: Der Blick fällt zunächst gleichsam in das ‚Loch‘ eines Innenhofs mit seitlich perspektivisch exakt fluchtenden Brandmauern; hinter dem Hof sind die Kamine, Giebel und Türmchen auf den Dächern so zu einer pittoresken Gruppe angeordnet, dass die dahinter im Dunst erscheinende Kuppel von ihnen genau eingefasst wird. Die zarte, malerische Aquarellierung tritt mit unberührten, den Grundton des Papiers offen stehen lassenden Partien in Austausch, und schafft so das stimmungsvolle Bild eines trüben Tages. Hierin noch in der Tradition der Spätromantik stehend, gemahnt das Blatt in dem aus dem Fenster aufgenommenen engen Ausschnitt bereits an ähnliche Blätter Adolph Menzels.
Eine überzeugende Lokalisierung des Blattes ist bisher nicht gelungen, doch könnte es sich um einen Blick über die Dächer Salzburgs handeln, in deren Hintergrund sich die mächtige Kuppel der Kollegienkirche mit ihren beiden Türmen erhebt. Nach Graebs Tod 1892 wurde auf der von der Alten Nationalgalerie in Berlin ein Jahr später ihm zu Ehren veranstalteten Ausstellung ein Aquarell mit dem Titel Hof in Salzburg präsentiert – möglicherweise handelte es sich dabei um unser Blatt. Graeb hatte auf seinen zahlreichen Reisen Salzburg mehrmals besucht – bereits von 1839 stammt ein Blick auf Salzburg vom Kapuzinerberg und 1853 reiste Graeb erneut ins Salzkammergut, doch dürfte die reduzierte Farbigkeit des Aquarells eher auf eine frühere Entstehung um 1839 deuten. (Text: Peter Prange)
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Carl Graeb
- Technik
- Aquarell
- Ausführung
- Aquarell über Bleistift auf Papier
- Jahr
- um 1839
- Epoche
- Realismus
- Darstellung
- Architektur
- Signatur
- Unten rechts signiert: "Carl Graeb". Oben links nummeriert: "1.".
Maße
- Werk
- 21,3 cm x 14,9 cm
Zustand
Guter Zustand. Geringfügige Knickspur in der rechten oberen Blattecke. Papier minimal gebräunt.
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