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Der Blick in die Landschaft

BLOG · AUS DEM BESTAND

Der Blick in die Landschaft

Von der komponierten Ideallandschaft zur Studie vor der Natur — Landschaftsblätter aus rund hundert Jahren.

H. W. Fichter Kunsthandel·11.04.2025

Zwei Wege zur Landschaft

Karl Christian Sparmann: Mondscheinlandschaft, 1834
Karl Christian Sparmann: Mondscheinlandschaft, 1834
Carl Friedrich Grünwald: Parthie aus dem Loschwitzer Grund, um 1814
Carl Friedrich Grünwald: Parthie aus dem Loschwitzer Grund, um 1814
Karl Christian Sparmann: Kopfweiden im Wald, um 1840
Karl Christian Sparmann: Kopfweiden im Wald, um 1840

Landschaft ist im 19. Jahrhundert kein Nebenfach. Sie ist das Feld, auf dem sich zwei Auffassungen begegnen: die im Atelier komponierte Landschaft, die eine Stimmung baut, und die vor Ort entstandene Studie, die festhält, was zu sehen war.

Karl Christian Sparmanns Mondscheinlandschaft von 1834 gehört zur ersten Art — ein Bildgedanke, kein Ausschnitt. Seine Kopfweiden im Wald, um 1840 in Öl, stehen der zweiten näher. Carl Friedrich Grünwalds Blatt aus dem Loschwitzer Grund, um 1814 mit der Feder gezeichnet, benennt einen konkreten Ort bei Dresden.

Die Ferne im Gepäck

Eduard Hildebrandt: Weite Landschaft, wohl Ceylon, 19. Jahrhundert
Eduard Hildebrandt: Weite Landschaft, wohl Ceylon, 19. Jahrhundert
Eduard Hildebrandt: Am Nordkap, um 1840
Eduard Hildebrandt: Am Nordkap, um 1840
August Löffler: Küste am Toten Meer, 19. Jahrhundert
August Löffler: Küste am Toten Meer, 19. Jahrhundert

Einige Künstler unseres Bestandes reisten weit über die üblichen Wege hinaus. Von Eduard Hildebrandt liegen bei uns Blätter, die vom Nordkap bis nach Ceylon reichen: eine Ölstudie „Am Nordkap“ um 1840, ein Aquarell einer weiten Landschaft, wohl Ceylon.

August Löffler hielt die Küste am Toten Meer fest, Carl Robert Kummer arbeitete an der dalmatinischen Küste. Solche Blätter sind Reisedokumente und Bildstudien in einem — und sie zeigen, wie schnell sich der Horizont der Landschaftsmalerei im Laufe des Jahrhunderts weitete.

Was ein Studienblatt kann

Leo Primavesi: Römische Ruinen, 1895
Leo Primavesi: Römische Ruinen, 1895
Eduard Hildebrandt: Landschaft mit hochstehender Sonne, 19. Jahrhundert
Eduard Hildebrandt: Landschaft mit hochstehender Sonne, 19. Jahrhundert
Ludwig Richter: Blick auf Olevano vom Norden, um 1823
Ludwig Richter: Blick auf Olevano vom Norden, um 1823

Der Reiz dieser Blätter liegt in ihrer Unfertigkeit. Ein Bleistiftstrich, der nur die Kontur eines Bergrückens sucht; eine Ölstudie, in der die Sonne hoch steht und der Vordergrund offen bleibt; ein Blatt, auf dem eine zweite Notiz am Rand steht.

In der Online-Ausstellung sind fünfzig solche Blätter zusammengestellt — von der sorgfältig durchgeführten Ansicht bis zur schnellen Notiz. Wer sie durchsieht, bekommt ein Gefühl dafür, wie ein Landschaftsbild im 19. Jahrhundert entstand: nicht in einem Zug, sondern in Schichten.

Zur Online-Ausstellung: Der Blick in die Landschaft

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