BLOG · AUS DEM BESTAND
Der Blick in die Landschaft
Zwei Wege zur Landschaft
Landschaft ist im 19. Jahrhundert kein Nebenfach. Sie ist das Feld, auf dem sich zwei Auffassungen begegnen: die im Atelier komponierte Landschaft, die eine Stimmung baut, und die vor Ort entstandene Studie, die festhält, was zu sehen war.
Karl Christian Sparmanns Mondscheinlandschaft von 1834 gehört zur ersten Art — ein Bildgedanke, kein Ausschnitt. Seine Kopfweiden im Wald, um 1840 in Öl, stehen der zweiten näher. Carl Friedrich Grünwalds Blatt aus dem Loschwitzer Grund, um 1814 mit der Feder gezeichnet, benennt einen konkreten Ort bei Dresden.
Die Ferne im Gepäck
Einige Künstler unseres Bestandes reisten weit über die üblichen Wege hinaus. Von Eduard Hildebrandt liegen bei uns Blätter, die vom Nordkap bis nach Ceylon reichen: eine Ölstudie „Am Nordkap“ um 1840, ein Aquarell einer weiten Landschaft, wohl Ceylon.
August Löffler hielt die Küste am Toten Meer fest, Carl Robert Kummer arbeitete an der dalmatinischen Küste. Solche Blätter sind Reisedokumente und Bildstudien in einem — und sie zeigen, wie schnell sich der Horizont der Landschaftsmalerei im Laufe des Jahrhunderts weitete.
Was ein Studienblatt kann
Der Reiz dieser Blätter liegt in ihrer Unfertigkeit. Ein Bleistiftstrich, der nur die Kontur eines Bergrückens sucht; eine Ölstudie, in der die Sonne hoch steht und der Vordergrund offen bleibt; ein Blatt, auf dem eine zweite Notiz am Rand steht.
In der Online-Ausstellung sind fünfzig solche Blätter zusammengestellt — von der sorgfältig durchgeführten Ansicht bis zur schnellen Notiz. Wer sie durchsieht, bekommt ein Gefühl dafür, wie ein Landschaftsbild im 19. Jahrhundert entstand: nicht in einem Zug, sondern in Schichten.
Aus der Ausstellung