BLOG · AUS DEM BESTAND
Italien in frühen Fotografien
Ein Verfahren für die Auflage
Der Albuminpapierabzug war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das übliche Verfahren für Fotografien auf Papier. Das Papier wird mit Eiweiß und Salz beschichtet, mit Silbernitrat lichtempfindlich gemacht und im Kontakt mit dem Glasnegativ am Tageslicht belichtet. Das Ergebnis ist ein glatter, warmtoniger Abzug mit feiner Zeichnung.
Weil jeder Abzug ein Kontaktabzug ist, entspricht sein Format dem Negativ. Die Ateliers arbeiteten mit großen Platten — deshalb wirken diese Aufnahmen bis heute so detailreich. Unsere Blätter sind um 1880 datiert.
Die Ateliers
Hinter den Aufnahmen stehen Firmen, nicht einzelne Künstler. Fratelli Alinari in Florenz, Giorgio Sommer in Neapel, Carlo Naya in Venedig, Giovanni Battista Brusa in Mailand, Roberto Rive, Paolo Salviati, Domenico Anderson — ihre Namen stehen auf den Abzügen und auf den Kartons.
Sie belieferten Reisende, Verlage und Institutionen, führten Bestandsnummern und boten Kataloge an. Ein Motiv wurde nicht einmal, sondern über Jahre verkauft. Das erklärt, warum dieselben Ansichten in vielen Sammlungen liegen — und warum die Zuordnung eines Abzugs zu einem Atelier oft mehr über den Vertrieb sagt als über den Fotografen am Apparat.
Was fotografiert wurde
Die Motive folgen der Reiseroute: Rom mit Kolosseum und Forum, Florenz, Venedig mit Canal Grande und Rialto, Mailand, Neapel und Pompei, der Vesuv, die Arena in Verona, die Inseln der oberitalienischen Seen.
In der Online-Ausstellung sind fünfzig dieser Aufnahmen zusammengestellt. Nebeneinander gesehen ergeben sie ein Bild davon, wie Italien um 1880 gezeigt wurde — und welche Orte man gesehen haben musste.
Aus der Ausstellung