BLOG · AUS DEM BESTAND
Gebaute Welt.
Architektur und Stadtbild
Bauwerk als Bildgegenstand
Ein Gebäude zu zeichnen verlangt anderes als eine Landschaft: Fluchten, Proportionen, das Verhältnis von Mauer zu Öffnung. Viele Blätter unseres Bestandes sind deshalb halb Ansicht, halb Konstruktionsübung.
Ignace Duviviers Aquarelle um 1800 zeigen den Binger Mäuseturm mit Burg Ehrenfels, das Heidelberger Schloss und die Albrechtsburg in Meißen — Bauwerke, die schon damals Sehenswürdigkeiten waren. Giuseppe Moricci nahm um 1850 den Ponte Vecchio in Florenz mit Tusche auf.
Der Ort und seine Nutzung
Interessant wird es, wo Architektur nicht als Denkmal, sondern als benutzter Raum erscheint. Johann Paul Wallots Aquarell „In einem Hof von Olevano“, um 1858, zeigt keinen Prachtbau, sondern eine Hofsituation.
Gustav Seelos hielt 1864 den Bau der Brennerbahnlinie im Aquarell fest — Architektur im Entstehen, ein Bauplatz als Bildthema. Und ein unbekannter Zeichner nahm im 19. Jahrhundert die Ruinen auf dem Palatin in Rom auf, wo Bauwerk und Vegetation längst ineinander gewachsen waren.
Fotografie und der scharfe Blick
Um 1880 fotografierten die großen italienischen Ateliers dieselben Bauten, die Zeichner Jahrzehnte zuvor aufgenommen hatten. Der Albuminpapierabzug — ein Kontaktverfahren, bei dem das mit Eiweiß beschichtete Papier unter dem Glasnegativ am Tageslicht belichtet wird — gab dabei feine Details wieder.
Giovanni Battista Brusas Aufnahme der Galleria Vittorio Emanuele II. in Mailand, Alinaris Kolosseum und das Forum civile in Pompei stehen in unserer Auswahl neben gezeichneten Ansichten. Der Vergleich zeigt weniger einen Fortschritt als zwei verschiedene Arten von Genauigkeit.
Aus der Ausstellung