Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Im 19. Jahrhundert wurde Florenz zu einem der großen Sehnsuchtsziele des internationalen Tourismus auf der Suche nach der verlorenen Zeit; von der Industrialisierung in Italien und ihren damit verbundenen Umbrüchen noch weitestgehend unberührt, war es für Fremde zu einer Art Refugium romantischer Träume geworden: In Florenz stand die Zeit still, es hatte etwas träumerisch Friedliches und lud ein zum Flanieren auf der Spur der Mythen der Renaissance. Einer der Künstler, die dieses Lebensgefühl bereits beobachteten, noch bevor Florenz von der Bewegung des Risorgimento ergriffen und 1864 für kurze Zeit Hauptstadt des Königreichs Italien wurde, war der aus Florenz stammende Giuseppe Moricci. Sein Blick aus der Loggia der von Cosimo I. de Medici im 16. Jahrhundert erbauten Uffizien auf den Ponte Vecchio gibt eine anschauliche Vorstellung von dem vielfältigen Treiben in der Stadt: Zahlreiche Personen sind auf der direkt am Ufer des Arno gelegenen Terrasse zusammen gekommen - teils in Betrachtung des Flusses und des Ponte Vecchio, teils im Gespräch verharrend oder auch nur zum Spielen. Andere wiederum haben sich unter die Loggia zurückgezogen oder passieren sie schnellen Schrittes - es ist das geschäftige Bild eines Kommen und Gehens von Touristen und Einheimischen, das Moricci geschickt als Augenblick zwischen innen und außen inszeniert. Der mächtige Pfeiler der Loggia suggeriert die Grenze nach draußen - wie aus einem Fenster, das sich zum Arno öffnet, geht die Aussicht auf das gegenüberliegende Ufer, an dem verschiedene mittelalterliche Bauten malerisch gruppiert sind. Am rechten Bildrand fällt der Blick dagegen in den langgestreckten Lungarno Archibusieri mit dem Corridoio Vasariano, jenem ehemals geheimen, von Vasari erbauten Gang, der über den Ponte Vecchio die Uffizien mit dem Palazzo Pitti verbindet. Die heute freigestellten Loggien des Lungarno Archibusieri beherbergten zur Zeit Moriccis kleine Geschäfte unterschiedlichster Händler wie sie noch heute auf der Ponte Vecchio existieren. Zahlreiche aufgespannte Schirme deuten auf einen regnerischen Tag, der sich in den Fassaden spiegelt - der Boden ist so feucht und rutschig, dass Mancher aus dem Gleichgewicht gerät. Mit großem zeichnerischen Gespür geht Moricci der feuchten Witterung nach - immer wieder ist es der Wechsel zwischen dem frei gelassenen Papiergrund und der zarten, fein abgestuften Lavierung, die den Eindruck nasser Fassaden erwecken und darin die Kenntnis der venezianischen Zeichenkunst des 18. Jahrhunderts offenbart. Flächige, kubisch vereinfacht umrissene Gestalten kommen und gehen, um den Eindruck des flüchtig Momentanen zu steigern. Der heute weitgehend unbekannte Moricci gehörte um 1850 zu den leidenschaftlichsten Chronisten Florentiner Daseins, der mit seinen dem Leben abgeschauten Szenen von Märkten und Festen auch kommerziell erfolgreich war; ob das vorliegende Blatt als Vorzeichnung für ein Gemälde diente, ist unbekannt, da ein entsprechendes Gemälde bisher fehlt; die Quadrierung dürfte jedoch für ein solches Vorhaben sprechen. (Text: Peter Prange)

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Tusche
Ausführung
Tusche über Bleistift auf Papier
Jahr
um 1850
Epoche
Realismus
Darstellung
Architektur
Land
Italien
Verso
Architekturskizze in Bleistift

Maße

Werk
21,3 cm x 32,5 cm, Rahmen: 37,0 cm x 50,0 cm
Rahmen
37,0 cm x 50,0 cm

Weitere Angaben

Rückseite
Architekturskizze in Bleistift

Zustand

Guter Zustand. Papier vom Künstler aus mehreren Teilen zusammengesetzt. Recto unauffällige vertikale Mittelfalte. Schwach gebräunt und schwach fleckig, schwach wellig und fleckig entlang der Ränder.

Giuseppe Moricci

1806 – 1879·Deutschland·19. Jahrhundert
Als Maler von Veduten und Genrebildern vermittelt uns der gebürtige Florentiner Giuseppe Moricci ein lebendiges Bild von Florenz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Viele der Orte, die er mit großer Genauigkeit und Hingabe für seine Heimatstadt abzeichnete, wurden im späteren Jahrhundert zerstört und stadtplanerisch überformt. So zeigen uns seine Werke oftmals die noch engen Gassen und Straßenzüge der historischen Stadt, belebt durch ihre Bewohner. Diese stellte Moricci stets so lebendig dar, als habe er zu jedem eine gute Bekanntschaft oder gar persönliche Beziehung unterhalten. Aber auch die bis heute unveränderten Stadtteile und Gebäude, die seit der Renaissance nichts von ihrer Anziehungskraft auf Reisende verloren haben, stellte er genauestens dar. Seine ersten Studien erfuhr er am Collegio degli Scolopi, 1828 wurde eine seiner Zeichnugnen bei der Triennale der Akademie (Accademia de Belle Arte die Firenze) prämiert. Zur Mitte des Jahrhunderts gehörte er zum engen Kreis der Künstler und Literaten, die sich im historischen Caffè Michelangiolo trafen. Während des Risorgimento wurde das Caffè zu einem Anlaufpunkt für Intellektuelle, Patrioten und politisch Verfolgte. Wie viele seiner dortigen Künstlerfreunde beschäftigte auch Moricci sich weiterhin mit dem Zeichnen von Karikaturen. Ab 1870 wurde er wegen seiner vielseitigen und virtuosen Zeichnungskunst zum Lehrer für Zeichnung an die Accademia de Belle Arte berufen. Er starb im Januar 1879 in Florenz.
Alle Werke von Giuseppe Moricci ansehen ›

Aus derselben Ausstellung

Ähnliche Werke

Höchste Qualität
Bei uns erwerben Sie nur Originale aus der
angegebenen Zeit, keine Kopien oder
Reproduktionen!
Besonderer Schutz
Alle Kunstwerke auf Papier sind durch ein
spezielles Klapp-Passepartout aus Karton nach
Museumsstandard geschützt!
Ein Monat Rückgaberecht
Alle Ihre Einkäufe können Sie innerhalb eines
Monats kostenlos zurückgeben!
Schneller Versand
Alle unsere Kunstwerke und Bücher sind vorrätig und werden innerhalb von einem Tag nach Ihrer Bestellung verschickt!
Höchste Qualität
Bei uns erwerben Sie nur Originale aus der angegebenen Zeit, keine Kopien oder Reproduktionen.
Besonderer Schutz
Alle Kunstwerke auf Papier sind durch ein spezielles Klapp-Passepartout aus Karton nach Museumsstandard geschützt.
Ein Monat Rückgaberecht
Alle Ihre Einkäufe können Sie innerhalb eines Monats kostenlos zurückgeben.
Schneller Versand
Alle unsere Kunstwerke und Bücher sind vorrätig und werden innerhalb von einem Tag nach Ihrer Bestellung verschickt.