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Hochgebildet und literarisch-historisch ambitioniert, zielte der in den 1820er Jahren als Exponent der Düsseldorfer Schule bekanntgewordene \"dichtende Maler\"1 Julius Hübner seit den fünfziger Jahren darauf, sich wissenschaftlich wie poetisch zu profilieren, wobei gelegentlich beides in eines floss. Nicht zuletzt gesellschaftliche Anlässe aller Art gaben ihm Gelegenheit, Proben seines Talents zu liefern, so dass es nach seiner Berufung an die Elbe \"bald kein Fest privater oder öffentlicher Art [gab], zu dessen Glanz er nicht durch Transparente, Entwürfe zu lebenden Bildern und später eben besonders durch seine stets bereite dichterische Begabung beigetragen hätte.\"2 Ihr ließ er auch mit der Allegorie auf die Allmacht der Liebe freien Lauf und verband wie selbstverständlich lyrische und bildende Künste, deren \"Gesetze\" er bösen Zungen zufolge schon im malerischen Schaffen \"[n]ie ganz deutlich [..] voneinander zu trennen\" wusste.3 Halb Sockelplastiken, halb lebenden Bildern ähnlich, besetzen die Parzen - rechts Lachesis, die den Lebensfaden bemisst, und die ihn unabänderlich zerschneidende Atropos im Zentrum - die Stufen eines monumentalen Kandelabers, auf dessen Spitze das Feuer ewiger Liebe brennt, während Klotho, die links am Postament lehnende Jüngste der den Weg des Menschen zwischen Wiege und Grab bestimmenden Schicksalsgöttinnen, mit Rocken und Spindel das Garn dreht und erstaunt die Attacke des geflügelten Liebesgottes auf das fatale Handeln ihrer ältesten Schwester betrachtet: Handstreichartig sich neben ihr niederlassend, fällt Amor der Vorsehung in den Arm, indem er der runzligen Atropos die Wange glättet, um der ob solcher Schmeichelei konsternierten Alten mit der Linken unversehens jene \"böse Schere\" (Schiller, 1782) zu entwinden, mit der sie entschlossen war, ein Leben zu besiegeln. Das Überraschungsmoment löst die von der sandsteinernen Farbigkeit unterstrichene Gebundenheit der Szene 'naturalistisch' auf. Wie der unerbittliche Ernst des im antiken Mythos gebannten, doch allgegenwärtigen Todesbildes durch die erotische Avance romantisch- scherzhaft in märchenhafte Utopie überführt ist, resultiert der malerische Effekt der statuarischen Komposition aus den Helldunkelwerten der sparsam gesetzten Schraffur, vor allem aber aus den fast fiebrig flimmernd hervorstechenden Weißhöhungen der michelangelesken Figuren und ihrer historistisch-neubarocken Sockelarchitektur. Wessen Hinscheiden Amor hier abzuwenden verstand, lässt die für Hübner typisch von schlankem Astwerk gerahmte Allegorie indes ebenso offen wie die im Hinblick auf die Doppeldatierung zwingende Frage, zu welchem Anlass die alles besiegende Liebe 1873 erneut Verwendung fand. |mp| 1 Gemäldeausstellung 1826, S. 597. Zum Künstler neuerdings: AKL, Bd. 75, 2012, S. 330. 2 Hübner 1931, S. 359. 3 Lasch 1926, S. 87.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Bleistift
Ausführung
Weiß gehöhter Bleistift und Aquarell auf Papier, montiert auf Karton
Jahr
um 1873
Signatur
innerhalb der Darstellung auf dreiteiliger Banderole bezeichnet: "Eros als Sie= ger über Alles, was da lebt und webt, bekannt, selber nimmt er hier die Scheere aus der Hand!"; auf dem Sockel bezeichnet: "zum 21t Aug. 1873 [darunter das getilgte Da

Maße

Werk
26,6 x 21,2 cm (Darstellung)
Angabe
Weitere Größen: 45,2 x 33,5 cm (Unterlage)

Zustand

Sehr guter Zustand

Zu sehen in Julius Hübner

Schlagworte

Julius Hübner

1806 – 1882·Deutschland·19. Jahrhundert
Julius Hübner kam 1806 in Oleśnica (seinerzeit Oels in Schlesien) zur Welt. Ab 1821 studierte er an der Kunstakademie zu Berlin und seit 1823 im Atelier Wilhelm von Schadows. Als dieser 1826 zum Direktor der Kunstakademie in Düsseldorf ernannt wurde, folgte der Freundeskreis um Hübner dem Ruf Schadows. Als geschlossene Künstlergruppe unter einem Lehrer und durch dessen intensive Bemühungen, die Düsseldorfer Akademie zu beleben, bildete sich das Kollektiv, das spätestens seit 1828 als Düsseldorfer Schule bezeichnet wurde. Diesem war eine idealisierende Darstellungsweise zu eigen sowie eine enge Orientierung an literarischen Motiven. Hübner reiste im Anschluss nach Italien, verbrachte Zeit in Berlin und Düsseldorf und ging 1839 schließlich an die Dresdner Kunstakademie. 1842 wurde er dort zum Professor ernannt und von 1871 bis 1882 als Nachfolger Schnorrs von Carolsfeld als Direktor der königlichen Gemäldegalerie eingesetzt. Hübner verstarb 1882 in Loschwitz bei Dresden.
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