Die Oppenheimer Rose
»Die Oppenheimer Rose« ist ein Werk von Georg Moller aus dem Jahr um 1821, ausgeführt als Aquarell und Tusche auf Velinpapier und misst 34,7 cm x 24,9 cm.
Als am 31. Mai 1689 auf Befehl Ludwigs XIV. die Stadt Oppenheim durch französische Truppen vollständig zerstört wurde, blieb auch die dortige Katharinenkirche von den Verwüstungen nicht verschont. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden n… weiterlesen ›
Als am 31. Mai 1689 auf Befehl Ludwigs XIV. die Stadt Oppenheim durch französische Truppen vollständig zerstört wurde, blieb auch die dortige Katharinenkirche von den Verwüstungen nicht verschont. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden nur allernotwendigste Restaurierungen bzw. Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, doch mit dem während der Befreiungskriege ausgebildeten Nationalbewusstsein hatte man die Bedeutung der mittelalterlichen Bauten als Denkmäler deutscher Geschichte erstmals wahrgenommen.
Auf dem Wiener Kongress war dem Großherzogtum Hessen, zu dem auch die romanischen Kaiserdome in Worms und Mainz gehörten, die Provinz Rheinhessen mit Oppenheim zugeschlagen worden. Großherzog Ludwig I. von Hessen setzte sich besonders für den Erhalt der mittelalterlichen Bauwerke ein, und bereits 1815 war auch die Katharinenkirche in den Fokus des Interesses geraten, als Carl Philipp Fohr dort bildmäßige Aquarelle von der Kirche und Detailstudien der Fensterrosen schuf. Mit ihm gekommen war der Darmstädter Oberbaudirektor Georg Moller, bei dem Fohr Unterricht im Fach Perspektive erhalten hatte. Moller hatte seit 1815 die Denkmäler der Deutschen Baukunst herausgegeben, in denen auch die Katharinenkirche mit höchst qualitätvollen und genauen Stichen vertreten war, u. a. mit einem eigenen Bild die hier vorgestellte Rose am südlichen Seitenschiff (Abb rechts), zu der er in seiner „Erklärung der Kupfertafeln“ anmerkte:
„Die große, hier abgebildete Fensterrose gehört zu den schönsten ihrer Art. Die reichste Mannigfaltigkeit ist in derselben mit der grössten Einheit verbunden, indem die zwanzig schmalen Blätter der Rose wieder in fünf Hauptblätter zusammengefasst werden. Die verschiedenen Glieder, aus denen die Verzierungen zusammengesetzt sind, haben, wie die Abbildung deutlich macht, eine nicht weniger richtig gedachte Anordnung, indem der stark vortretende Rundstab die Haupteintheilung des Fensters bildet; das etwas zurücktretende, vorne wie ein halbes Sechseck gebildete Glied, die innere Zeichnung der fünf grossen Blätter bestimmt, und das noch immer zurücktretende, fast spitz geformte Glied, die innere Verzierung der zwanzig schmalen Blätter der Rose bildet.“
Mollers Beschreibung entspricht das vorliegende Blatt, dass mit dem Stich seiner Publikation bis in die Beschriftung vollständig übereinstimmt, weshalb davon auszugehen ist, dass es sich um die von Moller geschaffene Vorlage handelt. Moller nennt zwar auf zahlreichen Tafeln des ersten Teils seiner Publikation die ausführenden Stecher, doch keine Zeichner – die Angabe im Titel „dargestellt von Georg Moller“ lässt jedoch vermuten, dass die Vorlagen von Moller selbst stammen. Tatsächlich hatte Moller in den Stichen auf eine aufwendige Ausführung „mit Licht und Schatten“ verzichtet und ließ seine Zeichnungen nur als Umrissstiche reproduzieren, weil das Werk „nicht zu theuer“ sein durfte. Den Aufwand, auf den Moller in seiner Publikation verzichtete, scheute er jedoch nicht in der Vorzeichnung – sie darf zum Besten gezählt werden, was die deutsche Architekturzeichnung nach 1800 hervorgebracht hat. Die farblich unterschiedliche, zarte Aquarellierung lässt die Rose vor dem dunklen, neutralen Grund im Licht haptisch in einer Weise hervortreten, die gleichermaßen überwältigend und suggestiv ist. Auf die Darstellung der Glasfenster hat Moller deshalb verzichtet, weil es ihm um die genaue Wiedergabe der filigranen Architektur ging: „Gründliche mit Auswahl gemachte Aufnahmen der merkwürdigsten Gebäude jener Zeit sind uns vor der Hand nötiger, als gewagte Theorien“, notierte er in seinen Bemerkungen zum Kölner Domriss, den er entdeckt hatte. Mollers Ziel war es, auf einem exakten Aufmaß beruhende Bauzeichnungen zu liefern, die eine genaue Vorstellung von den Bauten gaben und diese nachhaltig dokumentierten.
Mollers Beschäftigung mit der Katharinenkirche steht am Beginn einer ganzen Reihe ähnlicher Publikationen zur mittelalterlichen Baukunst in Deutschland – nicht zuletzt auch diejenigen von Sulpiz Boisserée, der Moller bereits 1810 kennengelernt hatte und in sein Tagebuch notierte: „Die neue Freude an Oppenheim und die Vorliebe von Moller für das eigentlich Deutsche überhaupt“ hätten in ihm den Gedanken geweckt, „ein allgemeines Werk teutscher [gotischer] Baukunst zu veranstalten.“ Und wenig später, zwischen 1823 und 1836, legte der Darmstädter Galeriedirektor Franz Hubert Müller in acht Lieferungen ein Mappenwerk vor, das den Bau der Katharinenkirche und ihre Ausstattung auf zahlreichen Tafeln nicht nur vorstellte und erläuterte, sondern auch den Auftakt einer Diskussion um den Wiederaufbau bildete, der allerdings erst 1879 in Angriff genommen wurde. (Text: Peter Prange)
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Georg Moller
- Technik
- Aquarell
- Ausführung
- Aquarell und Tusche auf Velinpapier
- Jahr
- um 1821
- Epoche
- Romantik
- Darstellung
- Architektur
- Signatur
- Unten mittig eigenhändig bezeichnet: "KIRCHE ZU OPPENHEIM. / Details eines Fensters.".
Maße
- Werk
- 34,7 cm x 24,9 cm
Zustand
Guter Zustand. Vor allem in den Ecken etwas befleckt, schwach gebräunt und insgesamt schwach fleckig und etwas berieben, ansonsten schön, entlang des linken Randes ein Streifen Papier hinterklebt. In der Mitte der Fensterrosette mit winzigem Zirkelloch
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