Figurenstudie, Musizierende Pifferari und Römerinnen
»Figurenstudie, Musizierende Pifferari und Römerinnen« ist ein Werk von Bartolomeo Pinelli, ausgeführt als Teils aquarellierte Bleistiftzeichnung auf Papier und misst 16,9 x 22,6 cm (Darstellung).
Antike wie auch neuzeitliche Literatur und schieres Alltagsleben, klassizistische Formprinzipien und pittoreske Motive bilden im Werk des besonders als Radierer und Aquarellist erfolgreichen Bartolomeo Pinelli (1781-1835) keine Gegensätze. … weiterlesen ›
Antike wie auch neuzeitliche Literatur und schieres Alltagsleben, klassizistische Formprinzipien und pittoreske Motive bilden im Werk des besonders als Radierer und Aquarellist erfolgreichen Bartolomeo Pinelli (1781-1835) keine Gegensätze. Mit großem Erfindungsreichtum schuf der Römer Szenen, die von der Genauigkeit seines ethnographischen Blicks auf die regionalen Besonderheiten in Tracht und Brauchtum seiner Landsleute zeugen. Zugleich erreichte er eine Klarheit der Linie, die sich in seinen Bearbeitungen klassischer Stoffe als ein dem Inhalt gemäßer linearer Stilmodus äußert.1 In seinen ethnographischen Radierfolgen hingegen kommt diese Qualität vor allem in der anschaulichen Horizontalordnung seiner Figurenkompositionen und der Ökonomie der zur plastischen Konkretion und dramatischen Belebung der Figuren eingesetzten Schattierungen zum Ausdruck. Wenige Akzente genügen ihm zur Evokation von Licht und Atmosphäre. Mit einer wiederkehrenden Thematik der volkskundlichen und topographischen Graphikfolgen ist unser mehrere porträthafte Einzelstudien versammelndes Blatt eng verbunden. Darüber hinaus berührt dieses Motiv die Imaginationen der europäischen Kunst, Literatur und Musik des 19. Jahrhunderts und wurde von zahlreichen Italienreisenden skizziert oder beschrieben.2
Die von Pinelli laut Bildunterschrift in Rom nach der Natur gezeichneten Pifferari waren Träger einer bis ins Mittelalter zurückreichenden, in der italienischen Kultur verwurzelten musikalischen und religiösen Tradition: Zu Weihnachten strömten Hirten aus den Abruzzen nach Rom, um mit ihren aus dem Altertum überlieferten und aus den natürlichen Ressourcen des Hirtenlebens konstruierbaren Instrumenten, zumeist der Flöte und dem Dudelsack oder der Schalmei, zu musizieren. In frommer Nachfolge der Weihnachtsgeschichte taten sie dies vor den zahlreichen Madonnenbildern der Stadt. Dass die im späteren 19. Jahrhundert als Wandermusiker auch nach Nordeuropa gelangten Hirten dabei auf den Obolus ihres Publikums hoffen mussten3, thematisiert Pinelli hier nicht, jedoch offenbart sein präziser Blick durchaus die in der charakteristischen Kleidung manifeste materielle Kargheit. So macht der angehobene Fuß des tanzenden Dudelsackspielers die Machart der Schuhe aus bloßen Lederstücken sichtbar, die mit bis über die Waden geführten Schnüren angebunden sind. Den Mänteln der musizierenden Zweiergruppe hat er beim Aquarellieren in der Bleistiftzeichnung noch nicht angelegte gezackte Konturen verliehen, welche an die pittoresk verschlissene Kleidung der in existenzieller Not gezeigten Bettler Jacques Callots erinnern. Gleichwohl rufen Pinellis Pifferari stets noch den Kontext des italienischen Katholizismus auf, den er in seinen Radierfolgen etwa mit Darstellungen der Caritas der Mönche verdeutlichte. Tatsächlich implizieren Haltung und Anordnung des aquarellierten Paars das Musizieren vor einem Madonnenbild. Zweigeteilt verlief die Rezeption der Pifferari: Ihre Melodien und Instrumente haben die Weihnachtsmusik von Meistern des 18. und 19. Jahrhunderts wie Bach, Händel, Gounod und Berlioz geprägt, ihre Bilder aber sind, auch durch die Radierungen Pinellis vermittelt, in die Ikonographie der Armut eingegangen.4
1?? Vgl. Olson 2001.
2?? Geller 1954.
3?? Vgl. Geller 1954, S. 14.
4?? Vgl. Mishory 1997.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Bartolomeo Pinelli
- Technik
- Aquarell
- Ausführung
- Teils aquarellierte Bleistiftzeichnung auf Papier
- Epoche
- Romantik
- Darstellung
- Genre
- Signatur
- Unterhalb der Darstellung bezeichnet: "d'apres nature à Rome Pifferari | d'apres Robert | d. P.", verso in Bleistift bezeichnet: "apres de Nature de Pinelli"
Maße
- Werk
- 16,9 x 22,6 cm (Darstellung)
Zustand
Guter Zustand. Entlang der Kanten leicht verfärbt. Ganzseitig geringfügig verschmutzt. Minimaler Randeinriss oben rechts.
Bartolomeo Pinelli
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