Vor dem ersten Kauf
Fragen zum Kunstkauf
Originale Kunst zu kaufen ist ungewohnt, wenn man es zum ersten Mal tut. Hier stehen die Fragen, die uns dabei am häufigsten gestellt werden. Fragen zu Zahlung, Versand, Verpackung und Rückgabe beantwortet unser Lexikon.
Preis und Wert
Warum kostet eine Zeichnung 800 Euro und eine andere 8.000?
Weil beim Preis eines Originals mehrere Dinge zusammenkommen, und keines davon ist der Preis pro Quadratzentimeter. Wir orientieren uns an diesen Punkten:
Der Künstler und seine Stellung. Wie gesichert ist die Zuschreibung, wie gut ist das Werk erforscht, wie oft kommen Arbeiten überhaupt auf den Markt.
Die Qualität dieses Blattes. Zwei Zeichnungen derselben Hand können weit auseinanderliegen: eine flüchtige Notiz ist etwas anderes als eine durchgearbeitete Studie.
Technik und Format. Ein Aquarell oder eine Ölskizze verlangt anderen Aufwand als ein Druck, der in Auflage erschienen ist.
Motiv und Seltenheit. Manche Themen sind in einem Werk häufig, andere kommen ein einziges Mal vor.
Zustand. Altersspuren sind bei alten Papierarbeiten normal; ein beschnittenes, stark gebräuntes oder ergänztes Blatt ist dennoch etwas anderes als ein frisches.
Provenienz und Belege. Eine nachvollziehbare Herkunft, ein Sammlerstempel, ein Eintrag im Werkverzeichnis oder eine Ausstellungsteilnahme sind Teil des Werks.
Was dabei auf ein bestimmtes Blatt zutrifft, steht in seiner Objektbeschreibung. Wenn Sie wissen möchten, warum genau dieses Werk diesen Preis hat, fragen Sie uns — das erklären wir gern am konkreten Fall.
Ist ein wenig bekannter Künstler eine schlechte Wahl?
Nein. „Wenig bekannt“ und „wenig gut“ sind zwei verschiedene Dinge. Viele Künstler des 18. und 19. Jahrhunderts sind aus Gründen aus dem Blick geraten, die mit der Qualität ihrer Arbeiten nichts zu tun haben: ein früher Tod, ein zerstörter Nachlass, eine Karriere abseits der großen Akademien, ein Werk, das in Privatbesitz verschwand und nie ausgestellt wurde.
Für Sie als Käufer heißt das vor allem: Sehen Sie sich das Blatt an, nicht den Namen. Ist die Zeichnung sicher gesetzt? Trägt das Motiv? Ist der Zustand in Ordnung, ist die Herkunft nachvollziehbar? Ein gutes Blatt eines kaum bekannten Zeichners ist einer schwachen Arbeit eines berühmten Namens in der Regel vorzuziehen — und es ist meist auch das Werk, mit dem eine Sammlung anfängt.
Aussagen darüber, wie sich der Wert eines Werks künftig entwickelt, machen wir nicht.
Muss Kunst eine Wertanlage sein?
Wir verkaufen Kunst nicht als Geldanlage und geben keine Prognosen zur Wertentwicklung ab. Wer Kunst vor allem als Kapitalanlage betrachtet, ist bei einer Bank oder einem Anlageberater besser beraten als bei uns.
Was ein Original leistet, ist etwas anderes: Es ist ein einzelnes, von Hand gemachtes Blatt, das es so nur einmal gibt, und es hängt bei Ihnen an der Wand, nicht in einem Depot. Der brauchbarste Maßstab beim ersten Kauf ist deshalb aus unserer Sicht die Frage, ob Sie das Werk in zehn Jahren noch ansehen möchten.
Ein Werk beurteilen
Was bedeutet „zugeschrieben an“?
Es ist eine Angabe darüber, wie sicher die Urheberschaft ist. Der Kunsthandel benutzt dafür eine Abstufung, und wir geben sie bei jedem Werk an:
eigenhändig — von der genannten Person selbst. zugeschrieben — mit guten Gründen dieser Person gegeben, aber nicht abschließend gesichert. Werkstatt — im Umfeld und unter Aufsicht entstanden. Umkreis — im näheren künstlerischen Zusammenhang. Nachfolge — später, in Anlehnung an das Vorbild.
Diese Angabe ist kein Kleingedrucktes, sondern preisbildend. Wo eine Zuschreibung nicht gesichert ist, sagen wir das in der Werkbeschreibung ausdrücklich. Weitere Begriffe erklärt unser Lexikon.
Wie erkenne ich den Zustand einer Zeichnung?
Bei alten Papierarbeiten gehören Altersspuren dazu — kleine Flecken, eine leichte Bräunung, Randeinrisse sind normal und kein Mangel. Entscheidend ist, ob die Darstellung selbst unversehrt ist und ob am Blatt eingegriffen wurde.
Der Zustand jedes Werks steht in seiner Objektbeschreibung, Erhaltungsmängel benennen wir dort ausdrücklich. Wenn Sie unsicher sind, wie eine Angabe zu lesen ist, fragen Sie nach; und sehen Sie sich das Blatt im Zweifel im Original an. Zu Rahmung, Licht und Lagerung finden Sie ausführliche Hinweise im Lexikon.
Kann ich ein Werk vor dem Kauf ansehen?
Gern, nach Vereinbarung. Rufen Sie an oder schreiben Sie uns, dann legen wir die gewünschten Blätter bereit und Sie können sie in unseren Frankfurter Räumen im Original betrachten. Gerade beim ersten Kauf ist das der schnellste Weg zu einem eigenen Urteil: Papier, Strich und Format wirken im Original anders als auf dem Bildschirm.
Kann ein Werk für mich zurückgehalten werden?
Ja. Wenn Sie überlegen oder erst noch vorbeikommen möchten, halten wir ein Werk auf Wunsch für Sie zurück. Schreiben Sie uns dazu einfach mit der Artikelnummer des Blattes.
Anfangen
Kann ich mich beraten lassen, wenn ich noch nicht weiß, was ich suche?
Ja, und das ist der häufigste Fall. Sie müssen weder einen Künstler noch eine Epoche nennen können. Es genügt, wenn Sie ungefähr beschreiben, was Sie anzieht — eine Landschaft, ein Gesicht, italienische Motive, ruhige oder bewegte Blätter — und in welchem Rahmen Sie sich umsehen möchten.
Wir suchen dann aus dem Bestand heraus, was dazu passt, und sagen auch, wenn wir gerade nichts Passendes haben. Zur Beratungsanfrage.
Mir gefällt vieles. Wie fange ich an?
Mit einem einzigen Blatt, nicht mit einem Konzept. Fast alle Sammlungen, die wir kennen, sind so entstanden: Ein Werk gefällt, es kommt an die Wand, und die Frage, was dazugehört, stellt sich erst danach — und beantwortet sich dann fast von selbst.
Wenn Sie einen Anhaltspunkt möchten: Sehen Sie sich unter Neu eingetroffen durch, was zuletzt hereinkam, und achten Sie darauf, bei welchen Blättern Sie hängenbleiben. Häufig zeigt sich dabei schneller ein Muster, als man erwartet — eine Technik, eine Landschaft, eine Zeit.
Ihre Frage ist nicht dabei?
Dann schreiben oder rufen Sie uns an. Fragen zu einem bestimmten Blatt beantworten wir am liebsten am konkreten Fall — nennen Sie dazu einfach die Artikelnummer.