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Erst in den letzten 10 bis 15 Jahren hat sich die kunsthistorische Forschung verstärkt dem Thema "Reproduktionsgraphik" angenommen. Lange Zeit wurde dieser Kunstgattung kein eigenständiger Kunstwert zugemessen, da man in diesen Graphiken lediglich geistlose Vervielfältigungen großer Kunstwerke ohne eigenen Kunstwert sah. Tragischerweise hat einer der größten Reproduktionsgraphiker, Adam von Bartsch, zu Beginn des 19. Jahrhunderts diese Abwertung durch sein Lexikon Le Peintre Graveur selbst massiv vorangetrieben, in dem besonders die eigenständigen Künstlergraphiken thematisiert werden. Aber auch die Romantik hat mit ihrem Genie-Kult dem Nachstich empfindliche Treffer verpasst. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass jahrhundertelang viele Künstler nur durch die Reproduktionsstiche Kenntnis von den Werken anderer Meister hatten und schon daher diese abwertende Klassifizierung gar nicht vorgenommen wurde. Man denke nur an Marcantonio Raimondi, der durch seine hoch qualitätsvollen Nachstiche nach Raffael einen beträchtlichen Anteil an dem europaweiten Ruhm seines Zeitgenossen hatte.

Die beiden vorliegenden, großformatigen Farbstiche, zusätzlich von Hand aquarelliert, verdeutlichen den hohen Anspruch, den die Reproduktionsgraphik gegen Ende des 18. Jahrhunderts noch hatte. Mit der Entwicklung neuer graphischer Techniken von Crayonmanier über Mezzotinto bis hin zur Lithographie wollte man die künstlerischen Vorlagen, etwa François Bouchers Rötelzeichnungen, immer genauer nachempfinden und sah hierin nicht etwa seelenlose Kopien, sondern kongeniale Umsetzungen. Nicht umsonst tauschte man im England des späten 18. Jahrhunderts gerne mal Rembrandt-Stiche gegen Crayonmanieren nach französischen Meistern.

Unsere Blätter lassen durch ihre etwas schematische und routinierte Überarbeitung mit Aquarellfarben zwar durchaus den Massenmarkt erkennen, für den diese Blätter geschaffen wurden. Aber es wird auch klar, dass es hier nicht um die bloße Wiedergabe einer Komposition des gefeierten Marinemalers Claude Joseph Vernet geht, sondern dass man dem Medium die Vermittlung von Stimmung und Emotion ebenso zutraut wie dem Original. Bemerkenswert ist dabei, dass die Graphiken durch ihre technischen Bedingungen eine ganz eigene Ästhetik der Kontraste und Farben entwickeln. Leider sind Blätter wie diese die letzten Zeugen einer intensiv betriebenen und qualitätsvollen Kunstgattung, die im 19. Jahrhundert zwischen schlechter Massenkopie und genialer eigenständiger Künstlergraphik ihren Platz nicht behaupten konnte. |af

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
William Dickinson
Technik
Radierung
Ausführung
Handkolorierte Schabkunst-Radierung (Mezzotinto) auf Papier
Jahr
1806
Darstellung
Landschaft
Signatur
Unterhalb der Darstellung in der Druckplatte signiert, bezeichnet und datiert: "J. Vernet pinxit. | Publié le 1er. Mai 1806. | Le Clair de Lune, | Gravé par Dickinson, d'après le Tableau peint par J. Vernet, faisant partie du Muséum de Napoléon 1.er

Maße

Werk
46 x 66,3 cm (Darstellung)
Angabe
Weitere Größen: Papier: 53 x 70,8 cm

Zustand

Sehr guter Zustand

Zu sehen in Finderglück 16 Sublime

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