Porträt der Caroline Leede
»Porträt der Caroline Leede« ist ein Werk von Johann Gottfried Schadow aus dem Jahr 1803, ausgeführt als Bleistift auf Papier, aufgezogen auf Pappe und misst 22,3 cm x 16,8 cm.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trugen Goethe und der Berliner Bildhauer Johann Gottfried Schadow öffentlich einen bemerkenswerten kunsttheoretischen Streit aus, der nach dem Stellenwert von Ideal und Wirklichkeit in der Kunst fragte. Schado… weiterlesen ›
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts trugen Goethe und der Berliner Bildhauer Johann Gottfried Schadow öffentlich einen bemerkenswerten kunsttheoretischen Streit aus, der nach dem Stellenwert von Ideal und Wirklichkeit in der Kunst fragte. Schadows genaue Naturbeobachtung und lebendige Wiedergabe der Wirklichkeit hatten Goethes Argwohn auf sich gezogen, der eine Idealisierung im Sinne der Antike forderte. In dieser Zeit – 1803 – entstand unser Bildnis der in der Beschriftung genannten Caroline Leede, die Schadow als Bruststück im Dreiviertelprofil zeigt. Ihr Kopf wendet sich nach links, während ihr Oberkörper frontal ausgerichtet ist – ein Motiv, das ihr Würde und Idealität verleiht, wozu nicht zuletzt auch der Rückgriff auf die Form der antikischen Büste mit dem weit ausgeschnittenen Gewand, das Hals und Brustansatz zeigt, beiträgt. Ihr wacher, konzentriert in die Ferne gerichteter Blick aus dem ebenmäßigen, mit ausgeprägtem Sinn für das Plastische geformten Gesicht verleiht dem Bildnis gleichermaßen Lebendigkeit und klassische Idealität; ihr Blick wirkt nahezu entrückt, verhalten, auch ein wenig distanziert, und bestätigt anschaulich Schadows schon früh geäußerte Bemerkung, wonach das Gesicht derjenige Teil des Menschen sei, „durch welchen man so zu sagen in der Seele lesen kann“. Trotzdem wird ein solches Bildnis nur bedingt Goethes Zustimmung gefunden haben: Ihre Haartracht – eine von hinten hochgesteckte, über dem Scheitel mit einer Spange gebundenen Frisur, bei der sich das gescheitelte Haar in einzelnen Strähnen auf der Stirn kräuselt – entsprach zwar der Mode um 1800, doch nicht Goethes Ideal der Antike. Ihre Haartracht verleiht dem gleichmäßig aus zarten Kreideschraffuren gebildeten Gesicht jene Lebensfrische, die Schadows Bildnisse der Zeit auszeichnen. Das bisher unbekannte Porträt reiht sich ein in diese Folge der kurz nach 1800 entstandenen Bildnisse, in denen Schadow nicht nur Charakteristisches mit Idealtypischem zu vereinen versucht, sondern auch die Unterschiede zwischen bürgerlichem und höfischem Bildnis aufhebt. Diese Porträts zeigen häufig Personen aus Schadows persönlichem Umfeld wie Freunde und Bekannte; ob dies auch auf unser Bildnis zutrifft, muss offenbleiben – zu wenig ist über die Dargestellte bekannt. Sie scheint identisch zu sein mit jener Caroline Leede, geborene Kanow, die im September 1844 und noch einmal im Januar 1845 vom königlichen Kammergericht in Berlin zur Zwangsversteigerung eines Grundstückes in der Rosengasse am 2. April 1845 öffentlich vorgeladen wird, da ihr Aufenthaltsort unbekannt ist. Zu diesem Zeitpunkt war sie mit dem Stadtrichter Leede verheiratet, der wahrscheinlich mit dem Freimaurer Friedrich Moritz Leede identisch ist. Leede war wohl zunächst Referent in Berlin, 1805 Bürgermeister in Beelitz und danach dort Stadtrichter – hier verliert sich die Spur. Schadow war wie Leede Freimaurer, doch ob über diese Verbindung das Bildnis von Leedes Frau entstand, kann bisher nur vermutet werden. (Text: Peter Prange)
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Johann Gottfried Schadow
- Technik
- Bleistift
- Ausführung
- Bleistift auf Papier, aufgezogen auf Pappe
- Jahr
- 1803
- Epoche
- Klassizismus
- Darstellung
- Porträt
- Signatur
- Unten links signiert: "GSchadow". Unten links datiert: "dez 1803". Oben rechts von fremder Hand bezeichnet: "Frau Carol. Leede geb. Kanow Berlin von deren Enkelin in Schw. Gmünd [.?] Fr Minna Reber erhalten 1886 (30 III)".
- Werkverzeichnis
- Vergleiche für eine ähnliche Zeichnung aus dem selben Jahr Badstübner-Gröger, Sibylle; Schadow, Johann Gottfried; Czok, Claudia; Simson, Jutta von: Johann Gottfried Schadow. Die Zeichnungen; Berlin 2006; Bd. 1; S. 273; Kat. Nr. 721. Werkverzeichnis N
Maße
- Werk
- 22,3 cm x 16,8 cm
Zustand
Guter Zustand. Restauriert, leichter Lichtrand.
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