Produktinformationen "Porträt des Künstlers Christian Siedentopf"
Es braucht ein paar Augenblicke bis diese Radierung Angilbert Göbels sich in ihrer Darstellung überhaupt erschließt. Ein Mensch? Ja, aber eher wie ein Gebirge, in sich zusammengefaltet, zum Schutz zurückgezogen. Und dann die Dampfwolken. Sind es Tabakswolken oder Zeichen eines arbeitenden Vulkans? Es ist eine selten anzutreffende Intensität, die Göbel durch die wenigen Striche der Radiernadel heraufbeschwört. Das ist kein repräsentatives Porträt. Es ist kein Maler, der sich zeigt. Vielmehr beobachten wir den Prozess der Verschmelzung von Künstler und Kunst. Hingegeben, hingedrückt, kommt Siedentopf seiner Kupferplatte fast schon schmerzhaft nahe. Der ausgeblasene Rauch lässt die Hand gleichsam körperlos erscheinen. Der übersteigert krumme Buckel scheint ein Aufrichten unmöglich zu machen. Zwischen Künstler und Kunstwerk ist kein Platz mehr, hier ist alles absolute Konfrontation, Konzentration. Göbel hat dieses Ideal der künstlerischen Hingabe, die ins Absolute strebt, nicht nur in diesem Kupferstich verbildlicht. Auch ein Gemälde seines weiteren Freundes Johannes Eissenhardt zeigt ihn eingepfercht und fokussiert auf die vor ihm liegende Kupferplatte. Es ist ein interessantes Ideal des Künstlertums, das hier heraufbeschworen wird und dem Göbel mit dieser Darstellungsform zu huldigen scheint. Denn der Künstler ist ganz in sich. Die Umwelt hat hier keinen Einfluss, ja, sie wird durch die Rauchschwaden noch zusätzlich verdrängt. Aber es ist auch nicht die Kontemplation, die Kunst gebiert. Denn nicht denkend, sondern handelnd werden die Künstler gezeigt. Das extreme Zusammenrücken erscheint so, als solle auf dem Weg vom Hirn übers Auge hin zur Hand der Weg absolut verkürzt werden, um ja nichts zu verlieren. Für Künstler, die gemeinhin in die Linien der "Realisten" eingereiht werden, ist diese Negation der Realität beachtlich. So entsteht ein außergewöhnliches Freundschaftsbild, das in seiner Intensität wenige Vergleiche kennt.