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\"Rest\"? Ist mit dem kurzen aber nichtsdestoweniger aussagekräftigen Titel dieses großformatigen Holzschnittes etwa das englische Wort für Rast oder Ruhe gemeint? Oder bezeichnet es vielmehr das Überbleibsel eines früheren Zustandes. Tatsächlich lassen sich beide Interpretationen sehr gut auf dieses Werk von Tobias Gellscheid anwenden. Kenner der Druckgraphiken Albrecht Dürers erkennen im formalen Aufbau und der Gestaltung der Landschaft in dieser Darstellung sogleich die enge Verwandtschaft zu den Illustrationen der biblischen \"Offenbarung des Johannes\", auch genannt: \"Apokalypse\". Genauer handelt es sich um eine anspruchsvolle Adaption der dritten Darstellung der Serie, \"Die vier apokalyptischen Reiter\". Eines der bekanntesten Werke Albrecht Dürers, das durch die Dynamik der Szenerie und die detailreiche Ausführung der Figuren begeistert. Getreu der hier interpretierten Ruhe, zeigt Tobias Gellscheid aber das \"Nachher\" dieser Szene. Die erschrecklichen Reiter der Apokalypse - bekannt als Symbole für Sieg, Tod, Hunger, Krankheit und vieles mehr - sind verschwunden. Zurück bleibt ein bewölkter Himmel und ein durch Strahlen gebildeter Erdboden. Unten links zeugt lediglich eine zurückgelassene Krone - bei Dürer sitzt diese noch auf dem Kopf eines gefallenen Königs - von dem Spektakel der Figuren. Mit lupenreiner Präzision hat Gellscheid die Linien des Himmels und die langgezogenen Strahlen des Erdreiches ins Holz geschnitten. Es entsteht eine entrückende Klarheit und die Ausstrahlung friedlicher Ruhe, als wäre der Zustand der Erlösung bereits eingetreten.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Holzstich
Ausführung
Holzstich auf Chinapapier
Jahr
2018
Darstellung
Religiös
Land
Deutschland
Signatur
unten mittig im Druckstock bezeichnet: "Rest", unten links in Bleistift nummeriert: "11/11", unten rechts vom Künstler signiert und datiert: "T. Ge 2018"

Maße

Werk
98 x 66 cm (Darstellung)
Angabe
Weitere Größen: Darstellung: ca. 82 x 59,5 cm

Zustand

Tadelloser Zustand.

Tobias Gellscheid

1983·Deutschland·21. Jahrhundert
Wie zeitgemäß die altvorderen Drucktechniken sein können, beweist Tobias Gellscheid. Geboren 1983 in Pößeck erlernte er von 2000 bis 2003 das Handwerk des Holzbildhauers in Flensburg. Fünf Jahre lang lebte er in Südtirol als freischaffender Bildhauer, um nach einem Jahr als Restaurator eines Thüringer Schlosses an der Kunsthochschule in Halle zu studieren. Seit 2011 ist Gellscheid künstlerischer Mitarbeiter des dortigen Landesamts für Denkmalpflege & Archäologie. Seine Werke offenbaren das Herz eines Handwerkers und intellektuellen Künstlers gleichermaßen. Die Holzstiche, Holzschnitte und Lithographien betrachten die Tradition der Druckgraphik der Altmeister wie Dürer mit einem Augenzwinkern und spielen mit gesellschaftskritischen Elementen. Gellscheid entlehnt Figuren aus der Popkultur und fügt sie in mittelalterliche Bildkompositionen ein. Viele Graphiken zeugen auch von intensiver Dynamik und dionysischen Emotionen, die der Künstler in handwerklicher Perfektion momenthaft auf Papier bannt.
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