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Einst wollte Kaiser Franz Joseph I. seiner Geliebten Katharina Schratt ein besonderes Geschenk machen. Es sollte nicht schon wieder teurer Schmuck und dergleichen Firlefanz sein. Da empfahl der berühmte Wiener Sammler Dr. Albert Figdor (1843-1927) Wiener Glückwunschbillets: "Natürlich weiß ich, was der Gnädigen Frau eine Freude machen würde! Wann immer ich die Ehre habe, die Gnädige Frau bei mir zu sehen, möchte sie den Inhalt dieser Schachtel sehen. Sie enthält die schönsten der Wiener Kunstbilletts, also kunstvoll gearbeitete Glückwunschkarten der Biedermeierzeit. Es sind hervorragende Beispiele der größten Meister auf diesem Gebiet darunter. Ich würde es mir als ganz besondere Ehre anrechnen, seiner Majestät die Sammlung zu Füßen legen zu dürfen." Noch immer begeistern die kunstvoll gearbeiteten Billets, jener leider längst vergessenen Tradition der eleganten Überbringung der Zuneigungswünsche. Es ist die gelungene Kombination von Schrift und Bild auf engstem Raum, die Verschmelzung von Kunsthandwerk und Kunstwerk, die Interaktion von Objekt und Betrachter, der oft genug zum Benutzer wird, die uns auch heute noch in ihren Bann schlägt. Dazu gesellt sich stets eine mehr oder weniger starke Brise Witz, die im emotionalen Aktionsgeflecht des Rezeptionsrahmens eine starke Bindung herstellt. Wie aktuell all dies ist, zeigt ein Blick auf heutige Tendenzen der Kunst, die ihre Legitimation oft genug aus handwerklicher Brillanz, humoresker Sättigung oder der Grenzauflösung zwischen Es und Ich zieht.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Collage
Ausführung
Reliefplastische Collage aus koloriertem Papierprägedruck auf Gaze, Rahmen aus geprägtem Messing.
Jahr
19. Jahrhundert
Darstellung
Tiere
Signatur
unten rechts monogrammiert: "J. E.", unten bezeichnet: "Schön und glänzend sey Ihr Glück. Zart und rein des Lebens Freude, Nur an schönen Blüthen weide, Unumwölket sich Ihr Blick."

Maße

Werk
8,1 x 9,7 cm

Zustand

Sehr guter Zustand.

Johann Joseph Endletsberger

1779 – 1856·Österreich·19. Jahrhundert
Mit dem Begriff des Kunstbillets wird vorallem der Name des Wiener Münzgraveurs Joseph Endletsberger, dessen Initialen viele der aufwendigsten Exemplare schmücken, in Verbindung gebracht. Geboren 1779 in St. Pölten in Niederösterreich, verdingte er sich anfangs als Graveur in Wien und Prag. Von ihm gingen vermutlich die ersten, anonymen Inserate für Kunstbillets aus. Bereits in dieser Zeit muss er erste Glückwunschbillets gestaltet haben. Ab 1820 gab sich „J. E.“ ausdrücklich als deren „Erfinder und Verfertiger“ zu erkennen. Dass er seine Kunstbillets signierte, zeigt nicht nur sein Selbstbewusstsein, sondern auch das seinerzeit hohe Ansehen dieser Kunstgattung, was sich auch in zahlreichen Fälschungen seiner Werke ausdrückte. Mit der Signatur reagierte er vermutlich nicht einzig auf Plagiate, sondern auch auf die Tatsache, dass mit den Initialen „J. R.“ für Joseph Riedl ein fast ebenbürtiger Konkurrent auf den Plan getreten war. Johann Joseph Endletsberger verstarb 1856 in Wien.
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