Wolkenstudie
»Wolkenstudie« ist ein Werk eines unbekannten Künstlers aus dem Jahr um 1860, ausgeführt als Aquarell über Bleistift auf Papier und misst 13,3 cm x 21,7 cm.
Zwei farblich kaum merklich unterschiedene schmale, gräuliche Streifen am unteren Rand des aquarellierten Blattes deuten in sanften Linien einen leicht abfallenden Höhenzug am niedrigen Horizont an; offensichtlich geht der Blick über einen … weiterlesen ›
Zwei farblich kaum merklich unterschiedene schmale, gräuliche Streifen am unteren Rand des aquarellierten Blattes deuten in sanften Linien einen leicht abfallenden Höhenzug am niedrigen Horizont an; offensichtlich geht der Blick über einen See auf einen höhergelegenen Uferstreifen, denn am unteren Rand hat der Zeichner „Wasser“ notiert. Zwischen Wasser und Ufer ist stellenweise der helle Papiergrund sichtbar – gleichsam als Grenze von Wasser und Land, an dem dunkle Partien dem Höhenstreifen vorgelagerte Gehöfte, Besiedelungen oder auch Vegetation anzudeuten scheinen. Darüber ziehen mit zartem Bleistift konturierte graue Wolken auf, über denen blauer Himmel sichtbar ist. Über Land öffnen sich die Weiten und Tiefen des Himmels – dorthin, wo nah und fern nicht mehr zu unterscheiden sind.
Die ruhige Szene wird nur links gestört, wo sich Wolken zu einem über dem Landstreifen liegenden Dunkelgrau verdichtet haben, durch das nur an einzelnen Stellen hellere Wolken durchscheinen. Es handelt sich – wie der Zeichner unten rechts vermerkt hat – um ein abziehendes Gewitter über einem See. Die graue Regenwand ist links im Abzug begriffen und wird nach dem Gewitter durch das Blau des Himmels wieder langsam verdrängt. In zarten, auf Grau- und Blautöne beschränkten Farben hat der Zeichner das Wetterereignis des abziehenden Gewitters in allen Grauschattierungen erfasst, doch das Blatt später offensichtlich verworfen: Über der Bezeichnung „Farbenskizze abziehendes Gewitter“ hat der Zeichner nachträglich (?) mit etwas dünnerem Bleistift „Verunglückte“ notiert – augenscheinlich hielt der Zeichner das Blatt in der Rückschau für nicht besonders gelungen. Tatsächlich legt ein solches Blatt die möglichen Tücken des Aquarells offen – die Gefahr des Ineinanderlaufens der Farben wird an der Grenze zwischen Wasser und Land sichtbar. Dies dürfte den Zeichner veranlasst haben, das Blatt zu verwerfen. Was jener damals als „verunglückt“ ansah, erhält für unsere an der Moderne geschulten Augen jedoch einen abstrakten, zeitgenössischen Charakter, der den besonderen Reiz des Werkes ausmacht.
Trotzdem ist das Blatt ein charakteristisches Zeugnis der Freilichtmalerei bzw. des in der Natur aufgenommenen Aquarells und des Interesses an meteorologischen Phänomenen, wie es seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland verbreitet war. Der Beobachtung von Wolken und ihrer unterschiedlichen Formationen bis hin zur Schilderung von Gewittern und Unwettern galt das besondere Interesse der Freilichtmaler. Mit dem niedrigen Horizont, für den vor allem die norddeutsche Tiefebene bekannt ist, bezeugt der Maler unseres Blattes eine Weite des Himmels. Das Blatt ist der Datierung zufolge am 29. April in den 1860er Jahren – hinter der „6“ fehlt die genaue Jahresangabe – in Ellerbeck entstanden. Vermutlich ist damit der heute eingemeindete Weiler in der Umgebung von Osnabrück in Niedersachsen gemeint, der von zahlreichen Seen umgeben ist.
Leider lässt die Beschriftung auf dem Blatt die Frage nach dem Zeichner unbeantwortet – es gibt keine Signatur, die Hinweise auf seine Identität geben könnte. Wer der Zeichner des reizvollen Blattes ist, bleibt also bisher verborgen, doch hat er weitere Spuren hinterlassen: Im Mai 2017 wurden im Kunsthandel zwei Aquarelle angeboten, die auf der Rückseite mit „Ellerbeck 1860“ bezeichnet sind. Ihre nahezu übereinstimmenden Formate, aber auch dieselbe Farbigkeit – eine Palette von unterschiedlichsten Grauschattierungen kombiniert mit einem kräftigen Hellblau – und nicht zuletzt die gleiche Bildanlage mit dem niedrigen Horizont lassen keinen Zweifel, dass es sich um denselben um 1860 tätigen, bisher unbekannten Aquarellisten handelt. (Text: Peter Prange)
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Unbekannt
- Technik
- Aquarell
- Ausführung
- Aquarell über Bleistift auf Papier
- Jahr
- um 1860
- Epoche
- Romantik
- Darstellung
- Landschaft
- Signatur
- Unten rechts von fremder Hand bezeichnet: "Verunglückte Farbenskizze abziehendes Gewitter 29/4/6." und "Wasser". Links unten bezeichnet: "Ellerbeck".
Maße
- Werk
- 13,3 cm x 21,7 cm
Zustand
Guter Zustand. Insgesamt schwach gebräunt, sehr schwach fleckig im linken oberen Drittel. Links oben am Rand zwei minimale Fehlstellen. Passepartout vorhanden, noch nicht eingeklebt.
Unbekannt
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