Der mißlungene Schuß
»Der mißlungene Schuß« ist ein Werk von Franz Krüger aus dem Jahr um 1825, ausgeführt als auf und misst 15 x 20,5 cm (Darstellung: Hetzjagd); 17,5 x 20,5 cm (Darstellung: Schuß).
Ist es wirklich die reine \"Berlinische Nüchternheit\", mit der Franz Krüger seine eigenhändigen Lithographien entwirft und auf den Stein zeichnet? Oder lassen gerade unsere beiden Drucke mit Jagdszenen noch eine andere Seite dieses Künstle… weiterlesen ›
Ist es wirklich die reine \"Berlinische Nüchternheit\", mit der Franz Krüger seine eigenhändigen Lithographien entwirft und auf den Stein zeichnet? Oder lassen gerade unsere beiden Drucke mit Jagdszenen noch eine andere Seite dieses Künstlers erkennen? Die linke Hälfte des ehemals zusammengehörigen Blattes zeigt drei rastende Jagdhunde neben ihrer gerade erlegten Beute. Der elegante Reiter mit Zylinderhut und wehendem Rock nähert sich von links und bringt die Erinnerung an die wilde Hasenhatz mit sich, während im Vordergrund Erschöpfung und durch das Jagdglück verdiente Ruhe vorherrschen. Die Leidenschaft des berühmten Porträt- und Tiermalers Franz Krüger für die Zeichnung von Pferden und Hunden springt ebenso ins Auge wie die gewitzte Erzeugung einer Spannung zwischen Vorder- und Hintergrund. Jagd und Jagderfolg, Hatz und Erschöpfung sind gleichzeitig zu sehen, und doch verleiten die geduldig wartenden Hunde in ihrer begrüßenden Haltung sogar zu einer beinahe ironischen Betrachtung der Szene. Fast wirkt der Reiter wie ein Nachzügler, der nur mit Not der Avantgarde der Hunde zu folgen vermag. Etwas ganz anderes erzählt die zweite Hälfte des Blattes, in der wir den Jägersmann in ruhiger Wartehaltung vorfinden und dessen vierbeiniger Gefährte die Rolle des Hastigen spielt. Offenbar den Flintenschuss als Startsignal wahrnehmend, prescht der Jagdhund voran und vertreibt auch die verbliebenen Rebhühner, die noch nicht vom fehlgegangenen Schuss des Jägers verschreckt worden sind. Die Ratlosigkeit des sich am Kopf kratzenden Mannes mit dem halb offenen Mund reizt zum Schmunzeln. Weniger Nüchtern als vielmehr mit einem gewissen Witz versehen, offenbaren die beiden Lithographien die Erfahrung diverser Jagdausflüge, aufmerksamer Beobachtung und einer schalkhaften Ausdeutung grundsätzlich ernsthafter Szenen. Tatsächlich stechen unsere Lithographien im druckgraphischen Werk Krügers hervor, das sich im Gros aus eher nüchternen, wenngleich nicht weniger präzise beobachteten Porträts berühmter Zeitgenossen sowie Tier- und Militärdarstellungen zusammensetzt. Doch verrät nicht zuletzt die Mitarbeit Franz Krügers an den \"Berliner Witzblättern\" der Gebrüder Gropius um 1830, dass sich hinter der Nüchternheit ein Künstler mit Humor verbirgt - wenngleich er die Blätter, vielleicht aus Verlegenheit, nicht signierte. Auch wenn unsere jetzt getrennten Blätter einst einen gemeinsamen Papierbogen bildeten, sind sie doch eigenständige Darstellungen, die sich, Antipoden gleich, gegenseitig ergänzen. Als Einzelblätter wie auch in der bemerkenswerten Kombination beider Drucke vom selben Originalbogen, stellen unsere Lithographien eine ebenso reizvolle wie seltene Collage dar. |bo
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Franz Krüger (1797 Großbadegast - 1857 Berlin)
- Ausführung
- auf
- Jahr
- um 1825
- Werkverzeichnis
- Ausst.-Kat. Berlin 2007, Kat. Nr. 75/76
Maße
- Werk
- 15 x 20,5 cm (Darstellung: Hetzjagd); 17,5 x 20,5 cm (Darstellung: Schuß)
- Angabe
- Weitere Größen: Papier: 26 x 22,3 cm (26 x 44,5 cm zusammengesetzt)
Weitere Angaben
- Literatur
- Bartoschek, Gerd; Krüger, Franz: Der Maler Franz Krüger, 1797-1857. Preußisch korrekt, berlinisch gewitzt; München 2007; Kat. Nr. 75/76. Werkverzeichnis Nr.:.
- Werkverzeichnis
- ,
Zustand
Guter Zustand, etwas fleckig und schwach gebräunt, links unten an der Ecke kleiner Riss, verso Reste alter Montierung.
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