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„Im Faltenwurf einer Decke / Klagt ein Gesicht, / Wenn du es siehst“, dichtet Joachim Ringelnatz und auch der Künstler unseres Vexierbildes plagt — Lateinisch „vexare“: plagen, heftig bewegen, hin- und herzerren — mit seiner Bildunterschrift, noch einmal hinzuschauen: Sozusagen auf offener Bühne wurde ein Bild in ein anderes hineinverrätselt. H. W. Janson nannte solche Entdeckungen in Teilen der Natur, wie etwa Wolken und Felsen, „chance images“, Zufallsbilder, die sich als feststehendes Sprachbild auch in den „Schäfchenwolken“ manifestieren. Weniger flüchtig als Wolken, reizen in diesem Vexierbild, dessen versteckten Kopf es zu entdecken gilt, die Gebirgsformationen zur Gestaltausdeutung. Laubbäume formen Stirn und Nase, eine buschige Augenbraue ist der Rauch, der aus dem Kamin eines Häuschens aufsteigt, das Kinn ist gleichzeitig ein Fels und so wird schließlich einer Landschaft ein menschliches Gesicht gegeben. Der Bildtypus geht zurück bis ins frühe 16. Jahrhundert. Man denkt an Albrecht Dürers (1471–1528) Felsgesichter und seine Ansicht von Arco, in der er ein menschliches Antlitz versteckte oder die Gemälde mit menschenköpfigen Berghäuptern von Joos de Momper II., welche an die allegorischen Porträts des Manieristen Arcimboldo erinnern; Mit Matthäus Merian dem Älteren (1593–1650), Wenzel Hollar (1607–1677) und Athanasius Kircher (1602–1680) begann schließlich eine Serie von Nachahmungen eines Prototyps. Merian wurde mit Radierungen wie Campus Anthropomorphus ikonographisches Vorbild für viele Nachfolger bis ins 18. Jahrhundert. „Umspringende“ Vexierbilder, worin man etwa abwechselnd einen Totenkopf oder eine schöne Frau vor dem Spiegel sieht, sind weitere typische Vertreter der Gattung, dessen Prinzip in dem Gemälde Sklavenmarkt mit der verschwindenden Büste Voltaires (1940) mit Salvador Dalí (1904–1989) auch in der Moderne aufgegriffen wurde. |tw

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Unbekannter Künstler
Technik
Radierung
Ausführung
Radierung auf Papier
Jahr
um 1800
Epoche
Romantik
Darstellung
Landschaft
Signatur
Auf dem Blattrand in der Druckplatte bezeichnet: "Eine Gegend aus dem Mond. | in dieser Landschaft ist ein Gesicht, Wer nicht gut sieht, der find't es nicht. | Frankfurt bei Döring."

Maße

Werk
8,8 x 13,9 cm (Darstellung)
Platte
11 x 15,4 cm (Plattenmaß)
Angabe
Weitere Größen: Papier: 17,5 x 21,3 cm . 11 x 15,4 cm (Plattenmaß)

Zustand

Insgesamt guter Zustand, am Rand minimal gebräunt, kleiner Knick je oben rechts und oben links in der Ecke außerhalb der Darstellung.

Zu sehen in Finderglück 16

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