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Ludwig Emil Grimm hatte sich im Schatten seiner Brüder, der Märchensammler Jacob und Wilhelm, bereits früh als Radierer einen Namen gemacht. Als nach seiner Rückkehr nach Kassel 1818 unser Aquarell mit einer Jagdgesellschaft in einer Landschaft unweit von Kassel entstand, konnte er schon auf ein umfangreiches graphisches Werk zurückblicken und hatte auch als Landschaftszeichner erste Erfahrungen gesammelt: „Mit den Landschaftsstudien war er, was mich sehr wunderte, auch lobend; ich hatte wenig Übung und gar nicht, was die Landschaftsmaler eine Manier nennen. Ich habe Bäume, Baumstämme, Wurzeln, Blätter, Pflanzen ohne irgendeine Manier nachgezeichnet, aber man sah, es war Natur in den Zeichnungen, und das mochte er wohl lobend hervorheben. Auch mit der Auffassung ganzer Gegenden war er zufrieden“, fasste Grimm im August 1815 seinen ersten Besuch bei Goethe in Frankfurt zusammen. Er musste sich in seiner Verwunderung über Goethes lobende Anerkennung allerdings bestätigt sehen, als dieser einige Jahre später Grimms „Fertigkeit“ im Landschaftsfach in Zweifel zog. Tatsächlich war Goethes normative, am idealen Klassizismus geschulte Landschaftsästhetik nicht mit dem unruhigen Temperament Grimms vereinbar, der auf seiner Italienreise 1816 anlässlich einer Begegnung mit dem Berliner Samuel Rösel sein Naturverständnis nochmals klar definiert hatte: „Seine Zeichnungen gaben jedes Mal ein schönes Bildchen, [… aber] es war kein Charakter in den Zeichnungen. […] Solche Naturzeichnungen kommen mir vor wie Lügen – ich verlange alles treu nach der Natur ohne eignen Zusatz, ohne alle Manier. Das ist der Weg, um die herrliche Natur kennenzulernen.“ Grimm vertritt eine neue, aus der Beobachtung gewonnene Landschaftsauffassung oh­ne jede „Manier“, in der allein die Natur sein Lehrer in einer Weise sein sollte, wie sie um 1800 die Münchner Landschaftskunst vertrat. Grimm war dort 1809 mit dem Ziel in die Akademie eingetreten, bei dem Kupferstecher Carl Ernst Christoph Heß zu studieren, doch spielte auch das Zeichnen in der freien Natur eine große Rolle. Gemeinsam mit Freunden unternahm er Exkursionen in die Umgebung von München, wo eine unakademische, anspruchslose Naturschilderung gepflegt wurde, die von dem Eindruck der vorgefundenen Landschaft ausging. Johann Georg von Dillis hatte in München dieses Naturverständnis propagiert und ihm dürfte Grimm nicht nur die Kunst des Aquarells, sondern auch die Verbindung von Landschafts- und Genredarstellung verdanken. Grimm berichtet in seinen Erinnerungen, dass seine zahlreichen Landschaftsskizzen als Gelegenheitsarbeiten auf Reisen und Wanderungen entstanden sind. Auf unserem, aus einem Skizzenbuch stammenden Blatt bildet die Hügellandschaft „hinter Wilhelmshöhe“ bei Kassel die Kulisse für die persönliche Reminiszenz an einen Jagdausflug am 12. November 1818. Die Teilnehmer der Jagd stehen wie beiläufig in Gruppen zusammen, sprechen miteinander, einer hat sich hingesetzt, um seinen Hund zu herzen, ein anderer, offenbar älterer Herr kommt erst noch hinzu. Nichts wirkt an dieser Szene gestellt, nichts ist an dieser Landschaft „komponiert“, nichts ist an der Zeichenweise „akademisch“ – vielmehr ist das Aquarell Ausdruck eines unruhigen Temperaments, das allein der Naturbeobachtung verpflichtet ist und darin einen höchst eigenwilligen, unorthodoxen Charakter offenbart. (Text: Peter Prange)

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Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Ludwig Emil Grimm
Technik
Aquarell
Ausführung
Aquarell über Bleistift auf Papier, montiert auf Pappe
Jahr
1818
Epoche
Romantik
Darstellung
Jagen
Signatur
Verso monogrammiert (ligiert): "LEG". Unten links eigenhändig bezeichnet: "„Unsere Jabd bey Hof. hinter Wilhelmshöhe 3 Stunden von Cassel Mittwoch d 12en Nov. 1818". Allgemeine Informationen: Auf der Unterlage bezeichnet, datiert und monogrammiert: „
Provenienz
Adolf Stoll (1850 Hadamar - 1928 Kassel)

Maße

Werk
18,9 cm x 23,6 cm

Zustand

Guter Zustand. Letzte Seite eines Skizzenbuches, noch am Rückdeckel des Skizzenbuches befestigt. Papier leicht gebräunt und leicht fleckig, zwei kleine Papierbeschädigungen im mittigen Bereich (restauriert). Papier leicht knittrig.

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