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Der Tempel des Bel in der Ruinenstadt Palmyra lag am Scheidepunkt zwischen westlicher und östlicher Kulturtradition. Als religiöses Bauwerk an einem der wichtigsten Umschlag- und Rastplätze auf der Handelsroute zwischen dem Römischen Reich und dem fernen Orient, kulminierte in diesem Tempel der Austausch zwischen griechisch-römischer und orientalischer Baukunst. Während der Grundriss der längsrechteckigen Cella mit umstehenden Kolonnaden sich deutlich auf die Tradition des hellenistischen Tempels bezog, wiesen Zierelemente, Zinnenkranz sowie die Ausrichtung des Hauptzuganges zur Längsseite auf die Tradition des Orients. Bis zur Sprengung durch den sogenannten Islamischen Staat im August 2015 bildete er das zentrale Heiligtum der Ruinenstadt, in dem seit seiner Errichtung im 1. Jahr
hundert nach Christus Reisende und Händler verschiedener Herkunft ihrem Kult nachgingen. Nachfolgend sollte der Tempel im 6. und 7. Jahrhundert auch Christen als Gotteshaus und ab dem 9. Jahrhundert als Moschee für die muslimische Bevölkerung dienen. Den Einfluss der jahrhundertelangen Nutzung konnte man an architektonischen Formen und Wandmalereien nachvollziehen und bewundern. Durch die Zerstörung ging ein wichtiges Kulturdenkmal verloren, das auch an den friedlichen kulturellen Austausch am Standort einer antiken Handelsstadt erinnerte. Das genau vermessene Modell Dieter Cöllens zeigt den Tempel des Bel in seiner Gestalt vor der Zerstörung und lässt einen Eindruck der einstigen Größe dieser geschändeten Anlage entstehen.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Ausführung
Korkmodell, Maßstab 1:100
Jahr
2017
Darstellung
Architektur
Signatur
Auf der auf der Unterseite der Trägerplatte signiert

Maße

Werk
28,5 x 73,5 x 69 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter Zustand, in originaler Holzkiste

Zu sehen in Korkmodelle

Dieter Cöllen

1953 – 2024·Deutschland·20. Jahrhundert
Der gebürtige Kölner ist ausgebildeter Bauzeichner und hat in verschiedenen Architekturbüros Erfahrungen gesammelt, bis er 1985 ein eigenes Atelier für Architekturmodellbau gründete. Bald beschäftigte ihn die fast vergessene Kunst des Korkmodellbaus. Die Phelloplastik kam erstmals im 18. Jahrhundert in Italien auf und hatte von Beginn an die Ausformung detailgetreuer Nachbildungen von meist antiken Architekturen zum Inhalt. Die aufwendigen Korkmodelle galten bis ins 19. Jahrhundert als Statussymbole des höfischen Adels. Gerne wurden sie auch aus Reisen nach Italien mitgebracht und sowohl zu Studienzwecken als auch als Kunstobjekte geschätzt. Cöllen eignete sich diese komplexe Technik an und galt bis zu seinem Tod im Jahr 2024 als einziger praktizierender Künstler dieser Disziplin in Europa. Zahlreiche seiner Korkmodelle finden sich in internationalen Museumssammlungen, die er darüber hinaus in konservatorischen Fragen beriet.
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