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Jakob Gehrigs Schweizer Herkunft und die in dieser Skizze festgehaltene regionaltypische Architektur lassen zwar vermuten, dass sie in der ihm wohl bekannten Alpenlandschaft entstand, doch ist es nicht die konkrete Lokalisierung, auf die der Künstler hier abzielt. Gehrig richtet seine Darstellungskunst vielmehr auf die zügige Notiz des flüchtigen Moments vor dem eigentlichen Geschehnis, gleichwie auf das dramatische Licht, das bereits davon kündet. Es ist die Gleichzeitigkeit zweier Zeitebenen, die hier auf faszinierende Weise vorgeführt wird.

 


Im relativ kleinen Bildformat – es kann tatsächlich vor Ort auf der Reise entstanden sein – zeigt Gehrig auf nuancierte Weise, wie die Lichtverhältnisse sich verschieben. Der höchste Punkt des Dorfes bildet mit dem von der Sonne noch für einen letzten Augenblick beschienenen Haus zugleich die Stelle größter Helligkeit im Bild und führt durch die Kontrastwirkung erst recht die Verdunkelung am Himmel vor Augen. Mit geraden, pastos aufgesetzten Strichen suggeriert der Künstler an dieser Stelle im Sonnenlicht aufleuchtende Architektur, während Gewachsenes, das mit Licht beschienen ist, vor allem in den feinen Abstufungen verschiedener Valeurs des Grünen oszilliert. Durch stellenweise sehr frei gesetztes Farbmaterial entstehen Lichtpunkte, die die Dramatik des Kontrasts generieren. Nicht grafisch also, sondern mit wunderbar malerischen Effekten und starken Kontrasten voll atmosphärischer Dichte zeigt Gehrig, wie der Himmel die Landschaft modelliert. Über die spezifisch sinnliche Erfahrung, welche die Malerei aufzurufen vermag, ist es hier einem Künstler gelungen, dem Betrachter eine Ahnung vom Duft des Regens zu vermitteln, der bald die Luft durchziehen wird.

 


Nicht selten interessierten sich Maler der Romantik für bedrohliche Stimmungen, um die Natur als Macht zu veranschaulichen, wie etwa in Ludwig Richters Ölgemälde Der kleine Teich im Riesengebirge (1839). Während dort jedoch ein schwer bepackter Mann dem aufziehenden Gewitter zu entfliehen versucht, ohne dass ein Zufluchtsort zu erkennen wäre, hat das Unwetter bei Gehrig nichts von einer aufwühlenden Katastrophe. Genauso wie sich das Dorf regelrecht in die Landschaft schmiegt, so schmiegt sich auch die kleine Genreszene in die Wiese ein. Durch diese Ausgewogenheit der Komposition verleiht Gehrig unserem Gemälde trotz des Wetterumschwungs ein Moment des Beschützten. Die Darstellung erzählt damit von Menschen, die daran gewöhnt sind, mit und in der Natur zu leben und ist Ausdruck für die Ruhe und Harmonie, die den Maler bei seiner Reise in diesem Bergdorf umfingen. Der Betrachter spürt, dass hinter Gehrigs Ölskizze etwas Gesehenes steht und kann die Intensität der Stille vor dem dräuenden Gewitter förmlich spüren.

 

|tw

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Jakob Gehrig
Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Karton
Epoche
Realismus
Darstellung
Landschaft
Signatur
unten links signiert: "J. Gehrig.", verso Stempel des Kartonlieferanten

Maße

Werk
17 x 27 cm (Darstellung)
Angabe
24 x 34,7 cm (Rahmengröße)

Zustand

Sehr guter Zustand.

Zu sehen in Finderglück 15

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