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In erster Linie ist uns Friedrich Voltz für seine harmonischen Viehstücke bekannt, die das Arkadische in das Hier und Jetzt der bäuerlichen Welt transponieren. Mensch und Tier in Einklang und Eintracht in und mit der Natur sind maßgebliche Elemente jener Art von Malerei in seinem Œuvre. Auch wenn sich in mancher Szene ein Unwetter zusammenbraut, so wie in seinem Gemälde Gewitter im Gebirge1 von 1852, einer Gebirgslandschaft mit Kühen, bietet der Künstler immer einen Ausweg, etwa einen im Sonnenlicht erhellten Ort, an dem Bäuerin und Stall ein Gefühl von Sicherheit und Schutz vor den Naturgewalten gewähren. In seinen Ölstudien jedoch zeigt sich nur zu oft eine ganz andere künstlerische Auffassung der Natur. Hier konfrontiert er uns mit der elementaren, zuweilen auch unentrinnbaren Seite der Schöpfung. Ganz im Gegensatz zu jenen auf Harmonie bedachten, friedvollen Tierdarstellungen erlebt der Betrachter auch in unserer Ölskizze die Natur ohne jene Möglichkeit einer rettenden Zuflucht. Der Maler befördert uns hiermit gedanklich ebenfalls in eine reichlich prekäre Lage. Und sicherlich hat auch der Maler selbst etliche solche Unwetter am eigenen Leibe erfahren, galt Friedrich Voltz doch als \"ungemein fleißiger Maler\", der Zeit seines Lebens täglich früh morgens mit Mal- und Zeichenmaterialien zum Arbeiten aufbrach.2 Bei seinen Streifzügen durch die freie Natur, sei es die heimische um Nördlingen und München oder jene auf seinen Reisen in die Alpen, Oberitalien oder auch die flachen Landschaften der Niederlande, sammelte er seine der Natur abgeschauten Stimmungsbilder.3 In dieser Landschaft mit nahendem Gewitter zeigt Voltz eine reine Naturszene von höchster Dramatik, die trotz der großen inneren Spannung nicht prätentiös erscheint. Es ist der Moment vor dem eigentlichen Geschehnis, dem Unwetter - der Augenblick, in dem der Wanderer die eigene ungünstige Situation begreift. Der Maler bildet eine Konstellation nach, wie sie jeder Mensch in den Bergen erleben kann: Das Wetter wandelt sich von einem Moment zum anderen und ehe man es sich versieht, türmen sich dunkel die Wolken des dräuenden Gewitters hinter der nächsten Anhöhe auf. In unserem Gemälde schweift der Blick über die Kuppe hinweg zum Licht, den hellen Wolkentürmen am blauen Himmel über der unerreichbar erscheinenden Ebene. Darüber hinaus erweist sich die Landschaft bei genauer Betrachtung als menschenleer, ja ohne jegliches Zeichen menschlicher Zivilisation. Voltz liefert den Betrachter der Natur damit gleichsam aus. Und so wie sich der Künstler unterwegs der Natur anheimgeben, sich ihren Gewalten aussetzen muss, um an das Gewünschte zu gelangen, die wahre, die getreue Wiedergabe der Schöpfung, so muss sich auch der Betrachter jener Situation stellen, um den Moment jenes Naturgefühls nachvollziehen können. --- 1?? Abb. in A.-Kat. Prien 1986, Nr 25. 2?? Hamberger 1986, S. 7. 3?? Eine detaillierte Auflistung der einzelnen Reiseziele und -daten bietet Hamberger. Siehe ebd. S. 9.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Leinwand, aufgezogen auf Karton
Jahr
um 1850
Epoche
Romantik
Darstellung
Landschaft
Land
Deutschland
Signatur
Unten rechts monogrammiert: "FV". Allgemeine Informationen: Verso mit altem Nummernaufkleber: "766" und Stempel: "Aus dem Nachlasse des F. Voltz".
Provenienz
Aus dem Nachlass des Künstlers

Maße

Werk
30,5 x 40,5 cm (Darstellung)
Angabe
38 x 48 cm (Rahmengröße)

Weitere Angaben

Stempel
Nachlassstempel, Friedrich Voltz. München. 19. Jahrhundert
Provenienz
Aus dem Nachlass des Künstlers.

Zustand

Sehr guter Zustand. Punktuelle Retuschen. Restauriert.

Friedrich Voltz

1817 – 1886·Deutschland·19. Jahrhundert
Friedrich Voltz wurde am 31. Oktober 1817 in Nördlingen als Sohn des Malers Johann Michael Voltz geboren. 1834 trat er in die Münchner Akademie ein und reiste noch im selben Jahr nach Italien. 1836 folgten weitere Reisen in die Niederlande und nach Belgien, wo ihn die niederländische Stimmungsmalerei stark prägte. Im Anschluss erwarb er sich als Landschafts- und Tiermaler einen Namen. 1852 erhielt er den Auftrag der Königlichen Württembergischen Zentralstelle für Landwirtschaft in Cannstadt Radierungen sämtlicher mitteleuropäischer Rinderrassen anzufertigen. Bereits zuvor hatte Voltz Freundschaft mit Carl Spitzweg und Eduard Schleich d.Ä. geschlossen, die in gemeinsamen Arbeiten und Reisen ihren Ausdruck fand. 1867 erklärte ihn Ludwig II. zum königlichen Professor. Zwei Jahre später fand die Ernennung zum wirklichen Mitglied der Akademie in Berlin und kurz darauf auch in Wien statt. Mit seinem Kollegen Schleich fuhr er 1871 letztmalig nach Oberitalien. Friedrich Voltz starb am 25. Juni 1886 in München.
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