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In den idealen Landschaften von Poussin, Lorrain und Dughet werden die gegensätzlichen Bausteine der römischen Campagna - Ebene und Gebirge, Landschaft und Architektur, nackter Fels und frische Vegetation - als harmonische, kontinuierliche Bildräume komponiert, die sich ohne ostentative Barrieren zum Betrachter hin öffnen. Wenn unser Maler einen steinigen Pfad in den Bildraum hineinlegt, der gewunden auf ein verfallendes Herrschaftsgebäude zuläuft, hat er Anderes im Sinn. In der Bauernfamilie, die sich dem Gebäude nähert, sind nicht allein Stellvertreter der Betrachter zu erkennen, sondern diese Figuren thematisieren zugleich mit unserem Blick auch die Wanderschaft, die den Maler physisch an diese Stätte geführt hat. Dabei kann die auf einem Felsen oberhalb einer wohl renaissancezeitlichen Brücke oder eines Aquäduktes errichtete Villa, die als klassisches Zitat fungieren könnte, in ihrer morbiden Verfassung nur Etappenziel sein. Die bis hierher sichtlich beschwerliche Wanderung wird noch weiter in die sonnendurchflutete Ebene führen. Freilich bleibt die Landschaft zweigeteilt, denn noch bildet die in effektvolles Gegenlicht getauchte Fels- und Architekturformation ein räumliches und ästhetisches Hindernis, das der nordalpinen Burgenromantik verhaftet bleibt. Den Weg nach Italien absolvierte der Rottmann-Schüler August Seidel 1845, und in der Tat gelang es ihm später, die hier noch als Verheißung erscheinende klassische Welt in süddeutsche Landschaften hineinzutragen.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Leinwand
Signatur
rechts unten signiert: "A. Seidel"

Maße

Werk
55 x 75 cm (Darstellung)
Angabe
68 x 87,5 cm (Rahmengröße)

Zustand

Tadelloser Zustand. Vereinzelt punkutelle Retuschen.

August Seidel

1820 – 1904·Deutschland·19. Jahrhundert
August Seidel wurde am 5. Oktober 1820 in München geboren. Wie zuvor sein älterer Bruder Franz Seidel (1818–1903) entschied er sich für eine Laufbahn als Landschaftsmaler. Auf das Studium an der königlichen Akademie der Künste in München folgte die Ausbildung bei Carl Rottmann. Anschließend avancierte er zu einem äußerst gefragten Münchner Maler. 1845 reiste er mit Friedrich Voltz nach Italien und malte dort, und später noch unter diesem bleibenden Eindruck, eine Vielzahl italienischer Landschaften. Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt verbesserte sich nochmals die Auftragslage und das Ansehen des Malers zu seinen Gunsten. 1863 hielt er sich in Paris auf. Im Verlauf seines weiteren Schaffens lässt sich eine deutliche Hinwendung zu impressionistischen Bildern barbizonischer Prägung beoachten. August Seidel verstarb am 2. September 1904 in München.
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