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Mit einem kraftvollen Pinselzug Erinnerung, Sehnsucht und Gefühle des Betrachters wecken; dies gelingt dem Dresdner Künstler Hugo König in seinem Gedanken-Notat des kurz Gesehenen. Ohne einmal abzusetzen, mit extremer Reduktion und gestischer Kraft, öffnet er zum rechten Bildrand hin ein unbestimmtes Gewässer – und mit ihm die Fantasie des Betrachters. Die Ruhe eines Nachmittages am offenen Meer oder der Beginn eines Arbeitstages von Fischern am Fluss – unterschiedliche Erscheinungsweisen des Wassers sind in aller Unverbindlichkeit aufgerufen durch eine Spur auf der Leinwand, die zunächst nur das ist: rohe Farbe, die unvermittelt als breiter Pinselstrich stehen bleibt. Konkreter Raum und benennbare Tageszeit verlieren an Relevanz angesichts der ruhigen Atmosphäre von Königs Ölskizze.

 


Auf dem matt-lilafarbenen Wasser ruht längsgestreckt ein breiter, schwerer Körper, der kunstvoll auf das betonte Querformat des Blattes antwortet. Direkt auf den Betrachter ausgerichtet ist hingegen der farblich betonte Bug des Bootes, der dafür sogar perspektivisch verzerrt wurde. Unverschliffen lässt der Maler die verschiedenen Bildschichten flächig neben einander stehen. Spannung entsteht auf subtile Weise, wenn sich mit dem abgebrochenen Mast des Fischerbootes ein einziges Element der betont horizontalen Ausrichtung entgegenstellt. Erinnerungen an das extrem lange und schmale Format und den frei belassenen Hintergrund der Wolkenskizzen Carl Blechens werden wach, die im Zusammenhang seines Italienerlebnisses entstanden. In diesen entfernte er sich vom Versuch der exakten Nachahmung, bis er die Wolke schließlich ganz zu einem Pinselstrich abstrahierte, der sich genauso gut auch als Ebene einer flachen Landschaft interpretieren ließe. In diesen Skizzen – wie in vorliegender – „gleicht sich die Differenz zwischen der flüchtigen Natur und dem fixen Bild am deutlichsten aus. Die Skizze offenbart sich als reflektierte Kunstform einer durch diverse Stofflichkeiten, subjektive Wahrnehmung und künstlerische Medien bedingten Unschärfe.“

 


Selbst zum Thema, zum tragenden Bildelement, werden jene Stellen des Papiers, die von Farbe gänzlich unberührt bleiben. Die delikate Farbigkeit der Skizze wird durch ihre Offenheit in keiner Weise gestört, vielmehr klingt das Papier selbst als Farbe und vermag sowohl Himmel als auch Ufer zu suggerieren. Es ist die Art, wie der Künstler mit Leere und Reduktion spielt, die den besonderen Reiz unserer Skizze in Öl ausmacht. Die unmittelbare Beziehung zur Inspirationsquelle wird für den Betrachter ausgelöscht, König schenkt ihm etwas anderes: das Destillat eines Augenblicks am Wasser.

 

|tw

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Hugo König
Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Papier
Epoche
Realismus
Darstellung
Genre
Signatur
verso bezeichnet: "Hugo König Dresden" sowie mit zwei Sammlungsstempeln versehen

Maße

Werk
7,5 x 14,6 cm (Darstellung)
Angabe
22,5 x 27,5 cm (Rahmengröße)

Zustand

Sehr guter, restaurierter Zustand.

Zu sehen in Finderglück 15

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