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Das Grabmal des Prätors und hochrangigen Priesters Caius Cestius (+ vor 12 v. Chr.) an der Via Ostiense von Rom nach Ostia ruft beim Betrachter Verwunderung hervor. Den ägyptischen Pyramiden auf der Hochebene von Gizeh gleichend, erhebt sich ein monumentales Bauwerk neben der römischen Ausfallstraße. 36,4 m hoch und mit einer Seitenlänge von etwa 29,5 m wirkt sie leicht überhöht und lässt dennoch die Vorbilder am Nil deutlich erkennen. In der frühen ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts errichtet, lässt sie sich als eines der frühesten Beispiele eines historisch inspirierten Bauens - um nicht den viel später geprägten Begriff des Historismus zu verwenden  verstehen, rekurriert sie doch eindeutig auf die ägyptischen Altertümer, die schon zu diesem Zeitpunkt über 2500 Jahre alt gewesen sind. Zwar nicht das einzige römische Grabmal dieser Art, jedoch das einzig erhaltene, verbildlicht die Ces
tius-Pyramide eine von Ägypten ausgehende Orientbegeisterung, die in Rom seit der Eroberung des Nillandes durch Kaiser Augustus zu verzeichnen war. Als Mitglied der Septemviri epulonum, gehörte Caius Cestius zu den einflussreichsten Priestern Roms. Offenbar beeindruckt von der altägyptischen Bestattungs- und Erinnerungskultur der ebenfalls mit göttlichen Weihen gesegneten Pharaonen, ließ er sich ein Grabdenkmal nach Vorbild der Cheops-Pyramide errichten. Die Cestius-Pyramide stellt demnach ein anschauliches Beispiel für die Tradition und Übernahme einer architektonischen Form dar, die im verkleinerten Korkmodell, wiederum etwa 1750 Jahre nach dem "gedanklichen Transport" von der Hochebene von Gizeh an die Ausfallstraße von Rom, abermals, in wieder verkleinertem Maßstabe, kopiert wurde.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Ausführung
Korkmodell, Maßstab 1:200
Jahr
2017
Darstellung
Architektur
Signatur
auf der Unterseite signiert, bezeichnet und datiert

Maße

Werk
18,5 x 27 x 27 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter Zustand, in originaler Holzkiste

Zu sehen in Korkmodelle

Dieter Cöllen

1953 – 2024·Deutschland·20. Jahrhundert
Der gebürtige Kölner ist ausgebildeter Bauzeichner und hat in verschiedenen Architekturbüros Erfahrungen gesammelt, bis er 1985 ein eigenes Atelier für Architekturmodellbau gründete. Bald beschäftigte ihn die fast vergessene Kunst des Korkmodellbaus. Die Phelloplastik kam erstmals im 18. Jahrhundert in Italien auf und hatte von Beginn an die Ausformung detailgetreuer Nachbildungen von meist antiken Architekturen zum Inhalt. Die aufwendigen Korkmodelle galten bis ins 19. Jahrhundert als Statussymbole des höfischen Adels. Gerne wurden sie auch aus Reisen nach Italien mitgebracht und sowohl zu Studienzwecken als auch als Kunstobjekte geschätzt. Cöllen eignete sich diese komplexe Technik an und galt bis zu seinem Tod im Jahr 2024 als einziger praktizierender Künstler dieser Disziplin in Europa. Zahlreiche seiner Korkmodelle finden sich in internationalen Museumssammlungen, die er darüber hinaus in konservatorischen Fragen beriet.
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