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Der Nürnberger Johann Adam Klein genoß Zeichenunterricht bei Georg Christoph
von Bemmel, bevor er sich 1805 in Lehre bei dem Kupferstecher Ambrosius Gabler
begab. Dort wurde er nicht nur künstlerisch geprägt, auch die lebenslange
Freundschaft zu Johann Christoph Erhard fand hier ihren Ursprung. Im Sommer
1818 unternahm der Freundeskreis um Klein und Erhard jene ebenso bekannte wie
kunsthistorisch folgenreiche Reise durch das Salzburger und Berchtesgadener Land,
während der Kleins berühmte Bildnisse der Künstlerfreunde auf Wanderschaft
entstanden.
Das vorliegende Blatt dieser Art hat Klein nach Erhards Freitod 1822 als
Titelvignette zu dessen Nachlaß entwickelt. Als Vorlage wählte Klein sein
Doppelportrait von Erhard und Ernst Welker. Das Aquarell ist während besagter
Reise entstanden und zeigt die Freunde auf der Kanzel in Aigen, versunken in ihre
Studien.1
Das luftig angelegte Doppelportrait verwandelt Klein nun in eine Konzentration auf
Erhard. Die spontane Geste in der Landschaft, die die Freunde beim Studium
derselben festhält, tritt in den Hintergrund. Das vorliegende Blatt ist zur intensiven
Personenstudie geworden.
Das ursprüngliche Doppelportrait, unmittelbares Zeugnis für Freundschaft und
Wegbegleitung auf Wanderschaft, geht durch die konstruierte Fokussierung auf
Erhard und dessen Attributierung mit allerlei einschlägigen Utensilien - Wanderaxt,
wasserdichter Reisebeutel der Maler etc. - nun in der toposhaften Bildformel des
Zeichners in der Landschaft auf. Seit dem 16. Jahrhundert soll sie in der
Vedutenmalerei den Wahrheitsgehalt des Landschaftsbildes bezeugen. Sowohl diese
Bildformel als auch die Konstruktion solcher Motive findet sich bei Klein
wiederholt.2
Vorliegendes Blatt ist also ein aus dem Freundschaftsbild heraus entwickelter Beleg
dafür, daß Erhard ein Maler „nach dem Leben“ war; es ist als grundlegende,
einleitende Bemerkung zu den Werken Erhards im Nachlaß zu verstehen. Kleins
Personenstudie ist mithin subtil gewähltes Motiv, um den Nachlaß eines
Landschaftsmalers zu eröffnen.
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1 Abb. in Ausst. Kat. Nürnberg 2006, Kat 40 und S. 184.
2 So ist die berühmte Radierung „Die Maler auf der Reise“, 1819 eine Kompilation aus
mindestens zwei unterschiedlichen Zeichnungen; „Der Landschaftsmaler auf Reise“ von 1814
zeigt Johann Jakob Kirchner und ist ein weiteres Beispiel für diese Bildformel. Sie steht in
Verbindung mit einer Mappe von Landschaftszeichnungen Kirchners (Abb. Ausst. Kat.
Nürnberg 2006, Kat. 42; ebd. S. 26, Abb. 13).

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Radierung
Ausführung
Radierung auf aufgewalztem Chinapapier
Jahr
1822
Epoche
Romantik
Darstellung
Porträt
Signatur
unten bezeichnet, datiert und signiert: „J. C. Erhard, geb: in Nürnberg d. 21 Februar 1795, gest. zu Rom, am 18 Jan: 1822. geätzt, von seinem Freunde J. A Klein, 1822, als Titelvignete zu dessen Nachlass.“
Werkverzeichnis
Jahn 255, II/II

Maße

Werk
15,2 x 11,5 cm (Darstellung)
Angabe
Weitere Größen: 29,7 x 23,2 cm (Papier)

Zustand

Insgesamt guter Zustand,

Zu sehen in Johann Adam Klein

Johann Adam Klein

1792 – 1875·Deutschland·19. Jahrhundert
Geboren in die Familie eines Nürnberger Weinhändlers, wurde Johann Adam Klein der Zugang zur Kunst nicht gerade in die Wiege gelegt. Der verständisvolle Vater jedoch förderte die schöngeistige Neigung seines Sohnes und ermöglichte ihm, den Weg des Künstlers zu beschreiten. Klein fühlte sich dem unmittelbaren Naturstudium hingezogen und verließ häufig die noch traditionellen Pfade der seinerzeit üblichen Kunstausbildung. Er unternahm Spaziergänge, Wanderungen und schließlich lange Reisen in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie Italien, bei denen er alle Eindrücke gewissenhaft auf Papier festhielt. Einen Großteil seines umfangreichen Œuvres machen Zeichnungen und Radierungen von Tieren aus, sowie genrehafte Darstellungen der Menschen in ihren typischen Trachten, denen er bei seinen Ausflügen begegnete. Nicht zuletzt schlug sich in Kleins Motiven auch die unstete Zeit der Napoleonischen Kriege nieder, indem er Feldlager und uniformierte Soldaten verschiedenster Herkunft zeichnete. Er verstarb 1875 in München.

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