Der Bruder Emil Hendschel, in einer Hängematte liegend
»Der Bruder Emil Hendschel, in einer Hängematte liegend« ist ein Werk von Albert Hendschel, ausgeführt als Öl auf Papier, auf Karton und misst 23,2 x 34,5 cm (Darstellung).
Parallel zur Industrialisierung vollzog sich in der Kunst des 19. Jahrhunderts die Entdeckung der Freizeit. Damit öffnete sich ein Freiraum, der Darstellungen von Schlaf und Müdigkeit von der Tradition der Faulheitsallegorien entlastete.1 E… weiterlesen ›
Parallel zur Industrialisierung vollzog sich in der Kunst des 19. Jahrhunderts die Entdeckung der Freizeit. Damit öffnete sich ein Freiraum, der Darstellungen von Schlaf und Müdigkeit von der Tradition der Faulheitsallegorien entlastete.1 Ein Utensil des Ruhens im Freien freilich, die Hängematte, rückte selten ohne Pikanterie ins Bild, denke man nur an Courbets Gemälde von 1844 oder expressionistische Beispiele.2 Ganz anders stellt sich der Schlummer bei Hendschel dar, dem Schöpfer empfindsamer Kinderbilder, aber auch der Karikaturen Frankfurter Originale in Friedrich Stoltzes politisch-satirischer Wochenschrift Frankfurter Latern. Das Gesicht seines Bruders Emil erfasst er als untersichtiges Profil in perspektivischer Verzerrung, jedoch ohne Überzeichnung. Aus leichter Distanz erkennt man, dass die Schattenidylle von einem sonnendurchstrahlten Wiesengrund hinterfangen wird. Gut lässt sich über diese Rahmung das Befinden des Ruhenden nachvollziehen, denn als Stellvertreter ruft er die ganzheitliche Wahrnehmung der wohltuenden Kühle schattiger Bäume und der nachmittäglichen Müdigkeit an einem Hitzetag in Erinnerung. Das Netz der Hängematte hat der Maler, anstatt zu lasieren, mit feinsten Pinselstrichen gebildet; auch die Präzision pflanzlicher Details zeigt, dass er eine sorgfältige Miniatur schaffen wollte. Sein Motiv beobachtete er wohl in Alzenau-Michelbach, denn dorthin hatte sich Emil 1867 mit Emilie Domer verheiratet, "der lustige Albert" war in den Sommermonaten ständiger Gast.3
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1 Vgl. Pfarr 2017.
2 Man kann auch an Hans Thomas 1876 entstandenes Ölgemälde In der Hängematte denken (Frankfurt, Städel Museum, Inv. Nr. SG22). Hier hat Thoma das laszive Element in eine familiäre Idylle umgewandelt.
3 Breitkreuz 2013.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Albert Hendschel
- Technik
- Öl
- Ausführung
- Öl auf Papier, auf Karton
- Epoche
- Biedermeier
- Darstellung
- Figuren
- Signatur
- verso von fremder Hand bezeichnet
- Provenienz
- Aus dem Nachlass des Künstlers; Kunsthandlung Fach Frankfurt am Main
Maße
- Werk
- 23,2 x 34,5 cm (Darstellung)
- Angabe
- 36 x 47 cm (Rahmengröße)
Zustand
Kleinere restaurierte Einrisse am Rand.
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