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Das vorliegende Aquarell kann als paradigmatisch für Ernst Hasses Kunst gelten. Es vereint in sich die prägenden Elemente seines Lehrers Ludwig Richter und verweist bereits auf seinen späteren künstlerischen Schwerpunkt, die Tiermalerei. Das romantische Stimmungsbild, das Hasse hier evoziert, wird durch die harmonische Eintracht von Mensch, Tier und Natur getragen. Diese ergibt sich durch eine regelrechte Bildkette, die die verschiedenen Gruppen untereinander verbindet. Links im Vordergrund lagert eine kleine Schafherde, weitestgehend für sich und sich selbst genügend. Das weiter rechts stehende Schaf allerdings durchbricht die Isolation und leitet durch seine Kopfwendung den Blick hinüber zu der durch einen Fluss getrennten Personengruppe. Auch diese bleibt in ihrem eigenen Bereich im Zwiegespräch vertieft. Lediglich das Kleinkind, das eine Ziege füttert, offenbart die Zugehörigkeit zum gleichen Lebensraum. Der Blick des Betrachters folgt schließlich dem kleinen Weg den Hügel hinauf und findet dort den einsamen Hirten mit seiner Kuhherde, vertieft in den träumerischen Fernblick auf die weite Landschaft. Auf diese Weise schließt sich der Kreis von den in der Natur lagernden Tieren, hin zu den Menschen und ihrer Teilhabe an dieser Umgebung. Somit wird hier stärker als in vielen anderen Blättern der romantische Lebenszusammenhang deutlich. Hier grenzt sich Hasse auch von seinem Lehrer ab, denn wo Richter den Menschen und seine Einnistung in der Natur und seine Suche nach einem Lebensraum zum Thema wählt, da richtet Hasse den Fokus bereits deutlich auf die Tierwelt. Doch auch Hasses Arbeitsweise lässt sich in diesem wichtigen Aquarell vortrefflich studieren. Für ihn war die Linie das bestimmende Gestaltungselement seiner Kunst. Die farbige Überarbeitung diente mehr der Akzentuierung und so scheint in allen Partien der Strich der Feder markant durch die dünn aufgetragene Aquarellierung hindurch. Auch hierin unterscheidet sich Hasse von Richter, denn der Ältere hat zwar auch die Aquarellfarbe sanft und in Verbindung mit der Linie aufgetragen. Doch bei Hasse wird die Federlinie selbst zu einem Tonwert, wie besonders in der Wasseroberfläche auf unserem Blatt zu erkennen ist. Durch diese Betonung erhält das Aquarell eine bestechende Klarheit. Dass Hasse aber auch das subtile Farbspiel mit der reinen Aquarellfarbe meisterhaft beherrschte, präsentiert er in den duftigen Partien im Himmel und im Hintergrund. |af|

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Ernst Hasse
Technik
Aquarell
Ausführung
Aquarell über Federzeichnung auf Papier
Jahr
1847
Epoche
Romantik
Darstellung
Trachten
Signatur
unten rechts signiert

Maße

Werk
Papier: 19,2 cm x 28,8 cm

Zustand

Guter Zustand. Altersgerecht erhalten mit minimalen Gebrauchsspuren.

Zu sehen in Ludwig Richter

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