Entwurf eines Reliefmedaillons, Hebe gibt Amor zu trinken, nach Rudolf Schadow
»Entwurf eines Reliefmedaillons, Hebe gibt Amor zu trinken, nach Rudolf Schadow« ist ein Werk eines unbekannten Künstlers, ausgeführt als Bleistiftzeichnung auf Papier und misst 20 x 18,9 cm (Darstellung).
Der junge Rudolf Schadow wurde schon in früher Kindheit vom Vater, dem gefeierten preußischen Bildhauer Johann Gottfried Schadow (1764-1850), zu akkuraten Zeichenübungen angehalten und offenbar mit großer Strenge künstlerisch erzogen. Kopie… weiterlesen ›
Im Jahre 1814 sandte Rudolf einige, bald nach seiner Rückkehr nach Rom entstandene, Entwürfe an den Kronprinzen Ludwig nach München, um, hoffend auf höfische Aufträge, Eifer und Arbeitsbereitschaft zu zeigen. Aus einem Brief vom 15. Februar 1814 geht hervor, dass er unter anderem ein Relief einer sitzenden Hebe die einem Amor eine Erfrischung reicht, ersonnen hatte. Das schon durch seine Form als Tondo gefällig wirkende Relief zeigt mit idealisierten antikischen Zügen die beiden mythologischen Gestalten in einem Moment des Innehaltens. Die in Cupido personifizierte Liebe lässt sich durch den göttlichen Nektar Ambrosia erquicken und von der Göttin der Jugend beleben. Der Entwurf dieser vielsagenden mythologischen Szene hat das Stadium des Modells wohl nie überschritten und wurde vermutlich nicht ausgeführt.1
Die Zeichnung des Heros Achilles mit der Amazonenkönigin Penthesilea zeigt eine herausragende Skulptur aus dem Spätwerk Schadows, die der Künstler nicht mehr selbst vollenden konnte. Auf den Wunsch des Vaters brachte der Neffe Emil Wolff (1802-1879) das Werk unter beratender Hilfe Bertel Thorvaldsens (1770-1844) zu Ende. Das aufwühlende Thema der Figurengruppe ist der Tod der Amazonenkönigin Penthesilea, die vor Troja im Zweikampf gegen Achilles gefallen ist. Bereits im Niedersinken der Gegnerin bewundert der Sieger Tapferkeit und Anmut Penthesileens und stellt sich abwehrend gegen das Heer der Griechen, das den Leib schänden will. Die pathetische Komposition der beiden Figuren orientiert sich an der hellenistischen Skulptur der Galliergruppe von Ludovisi, 2bei der der gallische Krieger das Schwert in die eigene Brust stößt nachdem er seine Frau getötet hatte, um den Händen der siegreichen römischen Armee zu entgehen.3
Beide Zeichnungen teilen das Schicksal, dass sie Skulpturen Schadows zeigen, die uns heute verloren gegangen sind. Die letzte wurde an Ihrem Aufstellungsort im Berliner Stadtschloss während des Zweiten Weltkrieges zerstört, das Relief Hebe mit Amor vielleicht niemals ausgeführt. Als feine Zeichnungen von geübter, wenn auch unbekannter, Hand erlauben beide Blätter nichtsdestoweniger einen verträumten Blick in das vielseitige Werk Rudolf Schadows.
1??Vgl. Eckardt 2000, S. 79f.
2??Galliergruppe Ludovisi, um 220 v.Chr., Marmor, Höhe: 211cm, Nationalmuseum Rom.
3??Vgl. Ebd., S. 109f.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Unbekannter Künstler
- Technik
- Bleistift
- Ausführung
- Bleistiftzeichnung auf Papier
- Epoche
- Klassizismus
- Darstellung
- Mythologie
Maße
- Werk
- 20 x 18,9 cm (Darstellung)
Zustand
Guter Zustand. Leicht stockfleckig und blass verfärbt. In den Ecken dunkle Verfärbungen eines rückseitigen Flüssigklebers. Die linke obere Blattecke weist einen restaurierten Randeinriss auf.
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