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Es war zunächst die Kategorie der Erhabenheit, welche die einst als Hindernis auf dem Weg ins liebliche Italien ästhetisch ungenießbaren Alpen bildwürdig werden ließ. Vielleicht zu wenig anerkannt wird heute die Leistung Münchner Künstler des 19. Jahrhunderts, die bayerischen Alpen als Kulturlandschaft auch in ihrer Selbstverständlichkeit sichtbar werden zu lassen. Bei strahlendem Wetter erfasst Millner eine undramatische und unübersehbar menschlich geprägte Bergwelt. Doch zu prägnant sind die Fels- und Geröllformationen erfasst, die von den kargen Bedingungen für die bäuerlichen Bergbewohner künden, als dass diese Darstellung zum weißblauen Heimatklischee erstarren könnte. Durch das Fehlen von Staffage und die von der lockeren Malweise zum unteren Bildrand hin bewirkte Auflösung des Vordergrundes wird die Perspektivität des besonnten Berghangs stark zurückgenommen. Auf diese Weise erscheint dieses die Bildfläche dominierende Element in seiner Gesamtheit greifbar nah, während die gegenüberliegende Talseite und der dahinter liegende Hochgebirgszug luftperspektivisch abgesetzt werden. Dieser Kontrast von Nähe und Ferne wirkt nicht gesucht, sondern gibt die Bedingungen bei tiefstehender, wohl vormittäglicher Sonne unaufgeregt wieder. Schroffer stellt Millner den gleichwohl begehbaren und domestizierten, von Einheimischen und Kühen belebten Vordergrund in Morgen auf der Kampenwand (1859)1 dar; dort weitet er den Fernblick zu einer das Alpenvorland einbeziehenden Weltlandschaft. In unserem Bild aber bleibt der Lebensraum begrenzt und begreifbar. Aus diesem Gegensatz von Entgrenzung und Partikularität gewinnt es seinen Reiz. --- 1?? Öl/Lw, 57 x 86 cm. A.-Kat. Beuron 2008, Kat. Nr. 40, S. 45.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Papier, doubliert auf Leinwand
Jahr
um 1860
Epoche
Romantik
Darstellung
Landschaft
Land
Deutschland
Signatur
Unten rechts signiert: "CMillner".

Maße

Werk
40 x 50 cm (Darstellung)
Angabe
50,5 x 60,5 cm (Rahmengröße)

Zustand

Guter Zustand. Frisch erhaltener Gesamteindruck, minimale punktuelle Retuschen.

Carl Millner

1825 – 1895·Deutschland·19. Jahrhundert
Carl Millner kam am 25. März 1825 in Mindelheim auf die Welt. Im Jahre 1841 begann er an der königlichen Akademie in München zu studieren. Mit dem Weggang des Peter von Cornelius im selben Jahr wurde ihm die Studienerlaubnis wieder aberkannt, nach einer Prüfung konnte er jedoch das Studium an der Akademie wieder aufnehmen. Dabei wurde er stark von Eduard Schleich und Carl Rottmann beeinflusst. Er etablierte sich in der Folge als gefragter Landschaftsmaler. 1858 folgten weitere Studien bei Julius Lange. Auf vielfachen Studienreisen nach Tirol, Niederbayern, die Schweiz, und in die Umgebung Merans perfektionierte er seine Darstellung alpenländischer Landschaften. 1853 bis 54 bezog er eine gemeinsame Wohnung mit dem Landschafts- und Architekturmaler Wilhelm Gail. Zwei Jahre später ließ sich Millner endgültig in München nieder und gründete ein eigenes Atelier. Er verstarb am 19. Mai 1895 in München.
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