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Während der schrittweisen Freilegung des verschütteten Pompeji seit der Mitte des 18. Jahrhunderts und der planmäßigen Erfassung der Funde ab der Zeit der französischen Besatzung Neapels von 1806 bis 1815 rückten besonders auch die exzellent erhaltenen Wandmalereien ins Bewusstsein.

 


Nachdem Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) die weiße Farbe der Bauten und Skulpturen der Antike als bewusstes Schönheitsideal gelobt und dabei Alter und Witterung als Auslöser dieser Erscheinung ausgeblendet hatte, war im 19. Jahrhundert ein wissenschaftlicher Streit über die Frage nach der farbigen Gestaltung der antiken Werke entbrannt. Nach Johann Martin von Wagner (1777-1858) griff maßgeblich auch Gottfried Semper (1803-1879) in die Debatte ein und bemühte sich, die Vorstellung der alten Kunst in den Köpfen der Zeitgenossen dahingehend zu sensibilisieren.1 Zuvor dominierte Farblosigkeit die Fassaden der klassizistischen Bauwerke und lediglich die Innenräume wichen, etwa im Stil des Empire während des napoleonischen Kaiserreiches, von diesem Konzept ab. Die Entdeckung der pompejanischen Wandmalereien und die kolorierte(!) Publikation derselben durch Wilhelm Zahn sorgten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts daher für eine ausgesprochene Beliebtheit farbiger Wandgestaltungen, wie dieser Entwurf einer farbig gefassten Apsidialnische eindrücklich unter Beweis stellt.2 Als in der Mittelachse geteilte Konzeptzeichnung beinhaltet die Darstellung gleich zwei Entwürfe für die mögliche Gestaltung einer oder mehrerer Nischen und vereint die klassizistische Strenge der Architektur mit einer frischen Farbigkeit.3

 


 


1??Semper 1834.

 

2??Zahn 1828/29.

 

3??Vgl. Nerdinger 1987, S. 50 und S. 82.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Unbekannter Künstler
Technik
Gouache
Ausführung
Gouachemalerei auf Papier
Darstellung
Architektur

Maße

Werk
26 x 20,3 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter Zustand. Das Blatt ist altersbedingt verfärbt. Die untere Darstellung weist Flecken auf. In den Blattecken sind helle Verfärbungen eines rückseitigen Flüssigklebers sichtbar. Die Farbigkeit ist frisch erhalten.

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