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Nur wenige Kilometer landeinwärts an der südwestlichen Mittelmeerküste Kampaniens liegen die Überreste einer alten griechischen Kolonie, Poseidonia, heute Paestum. Um 600 v. Chr. gegründet, sollte hier mehr als nur ein Warenumschlagplatz an der Küste entstehen. Schnell blühte die Kolonie zu großem Wohlstand auf und es wurde ein großer Tempelbezirk geplant. Bis etwa zur Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. entstanden drei dorische Tempel, deren massive Säulen bis heute beeindrucken. Der sogenannte Poseidontempel ist der größte der erhaltenen Bauten und ist als dorischer Peripteros errichtet. Charakteristisch für die Bauform des Peripteros ist die umlaufende Säulenkolonnade, die eine geschlossene Cella umgibt. Der Poseidontempel von Paestum hebt die Massivität dieses enzyklopädisch geworde
nen Bautypus auf, indem die Cellamauern zumindest an den Stirnseiten durch weitere Kolonnaden gebildet werden. Der freie Durchblick steigert sich in den virtuos übereinander gestaffelten Kolonnaden im Innenraum der Cella. Säulen, die den Hauptsäulen des Tempels in verkleinertem Maßstabe gleichen, stehen hier in einer übereinander gestaffelten Reihe und bieten nicht zuletzt im heutigen, ruinösen Zustand einen nahezu Schwindel erregenden Durchblick mit atemberaubender Tiefe.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Ausführung
Korkmodell, Maßstab 1:100
Jahr
2018
Darstellung
Architektur
Signatur
Auf der auf der Unterseite der Trägerplatte signiert

Maße

Werk
21 x 70 x 35 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter Zustand, in originaler Holzkiste

Zu sehen in Korkmodelle

Dieter Cöllen

1953 – 2024·Deutschland·20. Jahrhundert
Der gebürtige Kölner ist ausgebildeter Bauzeichner und hat in verschiedenen Architekturbüros Erfahrungen gesammelt, bis er 1985 ein eigenes Atelier für Architekturmodellbau gründete. Bald beschäftigte ihn die fast vergessene Kunst des Korkmodellbaus. Die Phelloplastik kam erstmals im 18. Jahrhundert in Italien auf und hatte von Beginn an die Ausformung detailgetreuer Nachbildungen von meist antiken Architekturen zum Inhalt. Die aufwendigen Korkmodelle galten bis ins 19. Jahrhundert als Statussymbole des höfischen Adels. Gerne wurden sie auch aus Reisen nach Italien mitgebracht und sowohl zu Studienzwecken als auch als Kunstobjekte geschätzt. Cöllen eignete sich diese komplexe Technik an und galt bis zu seinem Tod im Jahr 2024 als einziger praktizierender Künstler dieser Disziplin in Europa. Zahlreiche seiner Korkmodelle finden sich in internationalen Museumssammlungen, die er darüber hinaus in konservatorischen Fragen beriet.
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