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Als „Randzone[n] des begehbaren Raumes“ gilt – neben dem Meer – das Hochgebirge. Eduard Stanislaus von Kalckreuth, der von 1846 bis 1853 in der Landschaftsklasse von Johann Wilhelm Schirmer in Düsseldorf studierte, kannte die Hochgebirgsgegenden der Alpen und Pyrenäen gut. Ab 1848 hat er sie auf zahlreichen Reisen selbst bewandert und seine Skizzen, die hier entstanden, nach dem Vorbild Schirmers im Atelier zu klassischen Bildkompositionen verarbeitet. Bezeichnenderweise belässt er die vorliegende Ölskizze allerdings menschenleer. Eine Felsnase, die durch die Komposition nur einen Abgrund kennt, scheint an den Rändern bedenklich aufgeweicht, als drohe das aufsteigende Gewölk ihr die Festigkeit streitig zu machen. Das undurchsichtige, entmaterialisierte Dunkelzentrum des Bildes lässt den Abgrund zudem noch tiefer erscheinen als er vielleicht tatsächlich ist.

 


Gegen diese Abwehr des Eindringens steht der attraktive Anblick einer äußerst preziösen Sonneneinstrahlung, mit der sich im Bild ein Spannungsfeld von Angezogen- und Zurückgeworfensein eröffnet. Kalckreuth zeigt ein Phänomen, wie es nur im Gebirge zu beobachten ist und dem, der sich in solche Höhen vorwagt, unvergessen bleibt. Bei schönem Wetter wird der abendliche Abschied der Sonne von einem farbenprächtigen Lichtspektakel begleitet. Das Licht der extrem tiefstehenden Sonne färbt dann die Felshänge und Schneeflächen der Gipfel in allen Rottönen und selbst nach ihrem Untergang leuchtet das Abendrot noch lange weiter. Manchmal wird das Alpenglühen durch den Purpursaum der Gegendämmerung sogar noch verstärkt. Zum Thema macht Kalckreuth damit das Temporäre, einen Moment der Spannung: wie eben erst aus den Wolken aufgetaucht, erschließen sich die rosa erstrahlenden Berggipfel dem Auge plötzlich: hoch aufragend und majestätisch berühren sie beinahe die oberen Bildränder und muten über der darunterliegenden Extremsituation einer Randzone an wie ein Aufatmen.

 

|tw

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Eduard Stanislaus von Kalckreuth
Technik
Gouache
Ausführung
Gouache auf Papier
Epoche
Realismus
Darstellung
Landschaft
Signatur
verso von fremder Hand bezeichnet sowie mit Sammlungsstempel "G+W D" der Sammlung Denzel in München
Provenienz
Gesammelte Graphik von Dr. F.W. Denzel, München

Maße

Werk
19,4 x 12,7 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter Zustand. Minimaler Randeinriss rechts oben.

Zu sehen in Finderglück 15

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