Ansicht des Tempels der Vesta in Tivoli
»Ansicht des Tempels der Vesta in Tivoli« ist ein Werk von Abraham Bloemaert aus dem Jahr um 1600, ausgeführt als Tusche und Pinselzeichnung auf Papier und misst 32,5 cm x 25,1 cm.
Über den mächtigen Wasserfällen des Anio erhebt sich in Tivoli auf der ehemaligen Akropolis der Tempel der Vesta, jener aus dem Ende des vorchristlichen zweiten Jahrhunderts stammende römische Rundtempel, der seine Überlieferung bis in die … weiterlesen ›
Über den mächtigen Wasserfällen des Anio erhebt sich in Tivoli auf der ehemaligen Akropolis der Tempel der Vesta, jener aus dem Ende des vorchristlichen zweiten Jahrhunderts stammende römische Rundtempel, der seine Überlieferung bis in die heutige Zeit seiner Umwandlung in die Kirche Santa Maria Rotonda verdankt. Seiner pittoresken Lage über dem Anio wegen geschätzt, gehörte seine Darstellung seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zum festen Repertoire des reisenden Künstlers. Um 1800 besuchten Scharen von Malern Tivoli, um sich von dem erhabenen Naturschauspiel der Wasserfälle und von dem malerischen Ausblick auf den Vestatempel verzaubern zu lassen.Zu den frühesten Entdeckern dieses reizvollen Fleckens gehörte Jan Brueghel der Ältere, der während seines Aufenthalts in Italien auch zu Beginn der 1590er Jahre in Tivoli zeichnete. Von ihm existiert eine Ansicht des Vestatempels, die vor Ort am 6. Juli 1593 entstanden ist, und wiederholt hat er den Vestatempel in die Silhouette seiner Fantasielandschaften aufgenommen. Gleichzeitig hat auch der aus Antwerpen stammende Paul Bril Tivoli aufgesucht – Bril war 1582 nach Rom gekommen und war dort mit seinen Landschaftsgemälden sehr erfolgreich. Von ihm existieren kleinformatige Fantasielandschaften mit der Ansicht des Vestatempels in Tivoli, und verschiedene Zeichnungen bezeugen seinen Aufenthalt in dem Städtchen östlich von Rom. Unser Blatt galt in den Sammlungen Bagelaar, Ellinckhuysen und Lempertz ebenfalls als Zeichnung Brils, doch besteht zu den für ihn gesicherten Zeichnungen über das Motiv hinaus keine nähere Verbindung. Brils Textur aus sich verdichtenden, teilweise sich überlagernden Parallel- und Kreuzschraffuren, die sich bis in die Spitzen des Blattwerks fortsetzen, ist hier einem fedrig schwingenden Blattwerk gewichen, das zu einer summarisch-ornamentalen Stilisierung tendiert, die sich zunehmend vom Naturvorbild löst. Dem Zeichner unseres Blattes ist in der Darstellung des Baumschlags, aber auch in der Verwendung der Parallel- und Kreuzschraffuren eine gewisse Manieriertheit eigen, die eher an Zeichnungen Abraham Bloemaerts und seines Kreises erinnert. Eine genauere Einordnung ist für den Moment nicht möglich, weshalb die Frage nach dem Autor des Blattes fürs Erste offenbleiben muss. (Text: Peter Prange)
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Abraham Bloemaert
- Technik
- Federzeichnung
- Ausführung
- Tusche und Pinselzeichnung auf Papier
- Jahr
- um 1600
- Epoche
- Barock
- Darstellung
- Architektur
- Signatur
- Verso von fremder Hand bezeichnet: "Coll. Bagelaaar Ellinckhuysen". Allgemeine Informationen: Verso Zuschreibung an Paul Bril.
- Werkverzeichnis
- Frederik Muller & Co und C. M. van Gogh: Versteigerungskatalog 16.-.17. April 1879; Amsterdam 1879; Kat. Nr. 49. J. M. Heberle: Versteigerungskatalog 17. 10. 1905; Köln 1905; Kat. Nr. 91. Dort mit dem Vermerk: Aus der Sammlung Ellinckhuysen.
- Provenienz
- Ernst Wilhelm Jan Bagelaar (1775 Eindhoven - 1837 Son) Ignatius Franciscus Ellinckhuysen (1814 Rotterdam - 1897 ) Heinrich Kaspar Lempertz d.Ä. (1816 Köln - 1898 Köln)
Maße
- Werk
- 32,5 cm x 25,1 cm
Zustand
Auf der Vorderseite leicht durchscheinende horizontale Knickfalte, am rechten Rand mit kleinem hinterlegten Einriss. Am linken Rand mit kleineren Einrissen. Oben links leicht knittrig. Leicht fleckig.
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