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Eduard Wilhelm Pose kam bereits früh mit der Malerei in Berührung, denn sowohl Vater Ludwig als auch Onkel Friedrich Wilhelm waren Landschafts- und Dekorationsmaler. Nach der Unterweisung durch den Vater besuchte er mit Unterbrechung von 1829 bis 1836 die Düsseldorfer Kunstakademie und war ab 1832 Schüler in der Landschaftsklasse von Johann Wilhelm Schirmer.1 Neben dem Kopieren nach Vorbildern standen auch Exkursionen in die Umgebung auf dem Lehrplan, was dem jungen Pose Gelegenheiten bot, in der freien Natur zu arbeiten. 1836 verließ er jedoch die Akademie und ging zusammen mit Andreas Achenbach nach München.2 Dort wirkte er an den Fresken zu Carl Rottmanns Griechenlandzyklus in den Hofgartenarkaden mit, die Ludwig I. von Bayern anlässlich der Inthronisation seines Sohnes Otto als König von Griechenland in Auftrag gegeben hatte. Dass jene Arbeit durchaus Einfluss auf das Schaffen Poses hatte, entging auch den Zeitgenossen nicht: "Indes muss man keineswegs glauben, Pose ahme Rottmann bloss nach. Aber es liegt in des Letztern Richtung Manches, für das auch Pose subjektive Neigung und Anlage hat, was ihm erst durch Rottmann zum klaren Bewusstsein scheint gekommen zu sein."3 Als Beispiel gibt der Autor hierfür unter anderem ein späteres Gemälde Poses vom Hintersee in Tirol an, "das durch ganz eigenthümliche Auffassung, Anordnung und Beleuchtung sich charakterisirt, [und damit] in der Motivirung wieder mehrfach mit Rottmann zusammenzutreffen [scheint]."4 Ferner machten die "vielen trefflich hingeworfenen Studien [...] den Eindruck, dass er mit ungeheurer Fertigkeit die Natur auffasse und gleich auch mit der Farbe den rechten Nerv berühre, ohne sich lange besinnen zu müssen."5
Das vorliegende Bergpanorama mit Blick auf den Hohen Göll von 1837 gehört zu diesen "trefflich hingeworfenen Studien" und stammt von Poses Reise über die Berchtesgadener Alpen nach Tirol. Hier schlägt sich auch jenes "Subjektive" nieder, jenes besondere Fluidum, das wir nicht nur aus den griechischen Landschaften Rottmanns kennen. Schon dessen frühen Werken wie etwa die Ansicht des Eibsees bei Partenkirchen von 18256 waren davon durchwirkt.
Mit außerordentlicher Präzision bildet Pose in seiner Ansicht des Gölls den Gebirgszug unter dem leicht bewölkten Himmel ab, so dass die Identifizierung des Berges nicht schwerfällt. Der Blick ertastet jede einzelne Furche, Spalte und Kuppe, das die Hänge hinankriechende Grün, die dunkle Kühle der Schatten, das Gleißen der Reste von Schnee und Eis des letzten Winters in den Mulden auf den Gipfeln. Dabei legt der "Stimmungsmaler mit zurücktretendem Naturalismus"7 großen Wert auf den Moment der Naturaufnahme:Die Luft ist klar, das satte Grün der Wälder und Wiesen schimmert bläulich auf den fernen Hängen, der Gipfel leuchtet hell im mittäglichen Sonnenschein. Die Studie durchweht gleichsam die Helligkeit und linde Frische eines Sommertages in den Bergen.

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1 Bahns 1998, S. 102ff.
2 Ebd., S. 104 und Baumgärtel 2011, S. 35.
3 Füssli 1843, S. 645.
4 Ebd.
5 Ebd., S. 646
6 Carl Rottmann: Der Eibsee bei Partenkirchen, 1825, München, Neue Pinakothek, Inv. Nr. WAF 847.
7 Baumgärtel 2011, S. 44 und ebd. S. 49, Fn. 98.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Eduard Wilhelm Pose
Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Leinwand, auf Holz
Jahr
1837
Epoche
Romantik
Darstellung
Landschaft
Signatur
unten links monogrammiert und datiert: "EWP 1837"

Maße

Werk
16,2 x 31,4 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter Zustand. Vereinzelt kleine Retuschen.

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