Die Wallfahrt nach Französisch Buchholz
»Die Wallfahrt nach Französisch Buchholz« ist ein Werk von Daniel Nikolaus Chodowiecki aus dem Jahr 1775, ausgeführt als Radierung auf Papier und misst Papier: 14.2 cm x 19.0 cm, Druckplatte: 12.6 cm x 17.7 cm, Darstellung: 10.5 cm x 17.6 cm.
„Eine Frau trägt nach links an einer über die Schulter gelegten Heugabel fünf Würste und eine große Brezel und am linken Arm einen Korb mit Brot. Ihr folgt ein Esel, auf welchem zwei Kinder in Körben sitzen; ein größerer Knabe sitzt vorne m… weiterlesen ›
„Eine Frau trägt nach links an einer über die Schulter gelegten Heugabel fünf Würste und eine große Brezel und am linken Arm einen Korb mit Brot. Ihr folgt ein Esel, auf welchem zwei Kinder in Körben sitzen; ein größerer Knabe sitzt vorne mit der Peitsche und den Zügeln, ein zweiter auf dem Hinterteil des Esels und hält sich an dem Korbe. Dahinter folgen zwei Mädchen, wovon die eine einen Kuchen auf einem Teller, die andere am linken Arm einen Korb mit drei Flaschen trägt; zuletzt folgt ein auf einer Violine spielender Mann.“ (Engelmann 337). Die humorvolle Szene gehört zu den bekanntesten autobiographischen Darstellungen Chodowieckis. Der Künstler schuf sie als scherzhafte „Entschädigung“ für einen missglückten Familienausflug: Geplant war eine Fahrt nach Französisch Buchholz, einer hugenottischen Kolonie nördlich von Berlin. Aufgrund schlechten Wetters und eines ausbleibenden Wagens konnte der Ausflug jedoch nicht stattfinden. Als Ausgleich fertigte Chodowiecki für seine Kinder zunächst eine Zeichnung, die er später in diese Radierung umsetzte. Mehrere Mitglieder seiner Familie integrierte er direkt in die Darstellung: Von links nach rechts erscheinen seine Kinder Susette (später verheiratet mit Prediger Henry), Wilhelm (der spätere Kupferstecher), Heinrich (später Prediger in Potsdam), in den Körben Tochter Henriette (später verehelichte Lecoq) und der Neffe des Künstlers Daniel, dahinter Tochter Jeannette mit Flaschenkorb sowie die Schwester des Künstlers Nanette mit Napfkuchen, während der Geiger Vetter Kolbe, ein Freund der Familie, den Zug begleitet. Die prozessionsartige Anordnung der Figuren lässt die Szene wie eine Wallfahrt erscheinen; zugleich unterlaufen die profanen Attribute – Lebensmittel, Picknickkörbe und der Esel – diese religiöse Form und verleihen der Darstellung einen humoristisch-satirischen Charakter. Die ironische Pointe liegt darin, dass fast alle Figuren begierig auf Würste und Brezel blicken, während einzig der Esel scheinbar unbeteiligt bleibt und so die „Wallfahrt“ kommentiert.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Radierung
- Ausführung
- Radierung auf Papier
- Jahr
- 1775
- Epoche
- Klassizismus
- Darstellung
- Genre
- Land
- Deutschland
- Signatur
- Unten rechts im Druck signiert: "gezeichnet von D: Chodowiecki in Berlin 1775.". Unten mittig im Druck bezeichnet: "Wallfahrt nach Frantzösch Bucholz".
Maße
- Gesamt
- Papier: 14.2 cm x 19.0 cm, Druckplatte: 12.6 cm x 17.7 cm, Darstellung: 10.5 cm x 17.6 cm
Weitere Angaben
- Druckqualität
- Der Druck macht einen satten, frischen Eindruck. Die Linien erscheinen scharf und kontrastreich. Der Plattenrand ist vollständig erhalten.
- Provenienz
- Sammlung Gretschel
- Literatur
- Engelmann, Wilhelm: Daniel Chodowiecki's Sämmtliche Kupferstiche; Leipzig 1857. Werkverzeichnis Nr.: 337.
- Werkverzeichnis
- Engelmann, 337
Zustand
Akzeptabler Zustand. Altersbedingt leicht verfärbt und mit Stockflecken über das Papier verteilt. Verso Klebereste an den Blattecken; diese haben am unteren Blattrand Verfärbungen auf der Ansichtsseite verursacht.
Schlagworte
Daniel Nikolaus Chodowiecki
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