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Drei junge Damen mit großen Strohhüten liegen schlafend im Freien – sie haben sich während eines Ausfluges nach einem Picknick zu einem Nickerchen niedergelassen. Ungezwungen liegen sie dicht beieinander, haben sich dem Reich ihrer Träume anvertraut und fühlen sich unbeobachtet – für den Zeichner die Gelegenheit, sie jetzt zu beobachten. Behutsam, fast tastend erfasst Daniel Chodowiecki, der große Schilderer von Sitten- und Alltagsszenen seiner Zeit, die drei schlafenden Damen, ihre fließenden Gewänder schmiegen sich an ihre Körper und man meint, den ruhigen Atem ihres erholsamen Schlafes zu spüren.
Chodowiecki liebte solche Gelegenheiten, er zeichnete – und darin durchaus Adolph Menzel vergleichbar – alles und immer. Wie Menzel war er ein Beobachter, der zeichnete, wenn sich sein Gegenüber unbeobachtet fühlte, und hielt für jeden Augenblick Bleistift und Skizzenbuch bereit:
„Ich zeichnete nebenher. War ich in Gesellschaft, so setzte ich mich so, daß ich die Gesellschaft, oder eine Gruppe aus derselben, oder auch nur eine einzige Figur übersehen konnte, und zeichnete sie so geschwind, oder auch mit so vielem Fleiß, als es die Zeit oder die Stätigkeit der Personen erlaubte. Bat niemals um Erlaubnis, sondern suchte es so verstohlen wie möglich zu machen; denn wenn ein Frauenzimmer (und auch zuweilen Mannespersonen) weiß, daß man’s zeichnen will, so will es sich angenehm stellen und verdirbt alles, die Zeichnung wird gezwungen“
notierte der Künstler in seiner 1780 erschienen Autobiographie, und fuhr fort:
„Auch des Abends bei Licht habe ich das oft gethan kein besseres Studium, um große Partien, Licht und Schatten hervorzubringen: Ich habe stehend, gehend, reitend gezeichnet ich habe Mädchen im Bette in allerliebsten, sich selbst überlassenen Stellungen durchs Schlüsselloch gezeichnet.“
Wiederholt hat Chodowiecki solche Szenen voller Intimität und Privatheit gezeichnet – den am Tisch eingeschlafenen Jungen, ein im Bett schlafendes Mädchen oder auch seine am Boden auf Kissen schlafenden Kinder. Eine ähnliche Situation zeigt unser Blatt, das auf einen Ausflug nach Pankow zurückgeht, wohin Chodowiecki mit seiner Familie und Freunden häufiger ging.  Es ist die Vorstudie zu einem voll ausgeführten, grafisch durchgearbeiteten Blatt in Coburg, das Chodowiecki signiert und mit „Pankow den 18. Juny 1786“ datiert hat. Eine weitere Variante zu den drei schlafenden Damen, bei denen es sich wohl um drei seiner Töchter handeln dürfte, befand sich ehemals im Kunsthandel.
Betrachtet man alle drei Varianten zusammen, so eröffnet sich dem modern geschulten Auge eine Bewegungsabfolge: die einzig konstant schlafende Person ist die Liegende rechts. Die beiden anderen Ruhenden bewegen sich im Schlaf und verändern ihre Position. (Text: Peter Prange)

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Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Bleistift
Ausführung
Bleistift auf Papier
Jahr
um 1786
Darstellung
Personen
Signatur
Verso von fremder Hand bezeichnet: "Lautre mois.".
Werkverzeichnis
Vergleiche für eine weitere Version: F.A.C. Prestel: Handzeichnungen von Daniel Chodowiecki, Peter von Cornelius, Moritz von Schwind aus den Nachlässen dieser Künstler. Versteigerung 29. Mai 1925; Frankfurt am Main 1925; S. 11; Abb. Nr. 6; Kat. Nr. 8

Maße

Werk
9,6 cm x 15,9 cm, Weitere Maße: 9,6 x 15,9 cm

Zustand

Guter Zustand. Geglätteter vertikaler Mittelknick (nur rückseitig sichtbar), minimal fleckig.

Zu sehen in Gezeichnete Kunst 21

Daniel Nikolaus Chodowiecki

1726 – 1801·Deutschland·18. Jahrhundert
Daniel Nikolaus Chodowiecki gehörte in der Zeit zwischen 1760 und 1800 zu den wichtigsten und einflussreichsten Künstlern, Illustratoren und Druckgraphikern in Europa. Seine in die Tausende gehenden Bilderfindungen für Bücher und Almanache prägten die Kunst seiner Zeit maßgeblich.
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