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Das malerische Städtchen Sorrent, am Golf von Neapel gelegen, war im 18. und 19. Jahrhundert eine beliebte Etappe auf der Grand Tour, der Kavaliersreise durch Europa. Auf den ersten Blick scheint die Zeichnung von Peipers lediglich Spiegel des touristischen Interesses zu sein: Eine kleine Reisegesellschaft pausiert vor einer Ruine in der Stadt. Das Motiv ist mit \"Largo Castello Sorrentina\" benannt und das Reisedatum mit 19. Juli 1834 angegeben. Auch die Namen der Reisenden sind vermerkt: \"Frl: Guisin Frl: Selling. Carl. Götzlow.\" Die Tagesausflügler sind durch ihre leichte, aber elegante Bekleidung gekennzeichnet, kein hinderliches Gepäck wird mitgeführt. Bei dem dandyhaft mit einem Fächer posierenden Mann handelt es sich um den 1799 in Dresden geborenen Landschaftsmaler Carl Wilhelm Götzloff, der zu dieser Zeit bereits königlicher Hofmaler in Neapel war. Er ist hier sichtlich nicht \"im Dienst\", sondern führt die kleine Gruppe durch die Stadt. Sein stutzerhaftes Auftreten mag schon auf seinen weiteren Lebenswandel hindeuten: \"Er vergeudete sein schönes Talent mit Fabrikarbeit, die ihm zwar Vermögen einbrachte, ihn aber künstlerisch schädigte.\"26 Hauptmotiv der Bleistiftzeichnung ist die Ruine eines Palastes, der Teil der Stadtbefestigung war. Am linken Bildrand ist neben dem Wohnhaus ein Stück der Stadtmauer des späten 16. Jahrhunderts zu sehen, an das sich ein schmales Stadttor anschließt. Diese Lage trug dem kastellartigen Gebäude den Namen \"Sedile di Porta\" ein. Es wurde im Zuge der Befestigung der Stadt errichtet und diente bis ins 18. Jahrhundert hinein als Sitz der kommunalen Verwaltung. 1866 wurde es abgerissen, um Raum zu schaffen für die Vergrößerung des Platzes, der bis dahin \"Largo di Castello\" hieß. Er wurde später in \"Piazza di Tasso\" umbenannt, nach dem berühmtesten Sohn der Stadt, dem Dichter Torquato Tasso. Die Zeichnung ist wesentlich mehr als ein schnappschußartiges Erinnerungsbild. Peipers war ausgebildeter Architekt mit einer besonderen Begabung fürs Zeichnen. Sein Anliegen war es hier, die komplizierte Raumanlage des Gebäudes mit ihren Verschachtelungen, Durchblicken und Bögen für sich zeichnerisch zu klären und zu dokumentieren. Mit schnellem, aber sicherem Strich und variierender Stärke der Parallelschraffuren fängt Peipers die Komplexität der Gesamtanlage ein. Es entsteht ein Vexierspiel zwischen Innen und Außen, das an die bizarren Motive von Piranesis \"Carceri\" erinnert. (mb)

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Bleistift
Ausführung
Bleistift auf Papier
Jahr
1834
Signatur
unten rechts datiert und bezeichnet: "19. July 34/Largo Castello Sorentino"; verso bezeichnet: "Frl: Guisin Frl: Selling. Carl. Götzlow"
Werkverzeichnis
Katalog "Landschaft im Auge des Architekten", Nr. 24

Maße

Werk
18,7 x 25,9 cm (Papier)

Weitere Angaben

Literatur
Pfarr, Ulrich; H. W. Fichter Kunsthandel: Friedrich Jakob Peipers (1805-1878). Landschaft Im Auge Des Architekten; Frankfurt am Main 2015; Abb. Nr. 24. Werkverzeichnis Nr.:.
Werkverzeichnis
,

Zustand

Sehr guter Zustand. Das Blatt ist altersbedingt geringfügig verfärbt und vereinzelt fleckig. Oben mittig befindet sich ein blasser Fleck.

Jakob Friedrich Peipers

1805 – 1878·Deutschland·19. Jahrhundert
Der 1805 in Elbersfeld geborene Peipers musste bereits in jungen Jahren den Tod beider Eltern verkraften. 1821 verließ er die Heimat um bis 1825 an der privaten Architekturschule Friedrich Weinbrenners in Karlsruhe zu studieren. Kurz darauf folgte die praktische Ausbildung bei Franz Christian Gau in Paris. Bis 1829 verblieb er in Frankreich und reiste von dort aus mehrfach nach Italien, eine Destination die ihn auch im weiteren Leben immer wieder anziehen sollte. Ein Jahr später ließ er sich in Frankfurt als Architekt nieder. Von 1840 bis 1844 führte er die heute lediglich im Skulpturenschmuck erhaltene alte Börse am Paulsplatz in Frankfurt aus und wurde indessen in die Britische Architektenkammer (RIBA) aufgenommen. Angesichts der Tatsache, dass ein selbstständiges architektonisches Werk Peipers‘ heute nicht mehr greifbar ist, erscheinen die zahlreichen in Italien entstandenen Zeichnungen umso wertvoller, denn gleichwohl sie nicht die Architektur zum primären Inhalt haben, begriff sich Peipers stets als Architekt, der stolz mit "Peipers, Architekt" signierte. Anerkennung für sein Werk erhielt er durch den mehrfachen Vorsitz der Frankfurter Künstlergesellschaft. Er verstarb 1878 in seiner Wahlheimat Frankfurt am Main.
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