Im Zentrum von Sorrent
»Im Zentrum von Sorrent« ist ein Werk von Jakob Friedrich Peipers aus dem Jahr 1834, ausgeführt als Bleistift auf Papier und misst 18,7 x 25,9 cm (Papier).
Das malerische Städtchen Sorrent, am Golf von Neapel gelegen, war im 18. und 19. Jahrhundert eine beliebte Etappe auf der Grand Tour, der Kavaliersreise durch Europa. Auf den ersten Blick scheint die Zeichnung von Peipers lediglich Spiegel … weiterlesen ›
Das malerische Städtchen Sorrent, am Golf von Neapel gelegen, war im 18. und 19. Jahrhundert eine beliebte Etappe auf der Grand Tour, der Kavaliersreise durch Europa. Auf den ersten Blick scheint die Zeichnung von Peipers lediglich Spiegel des touristischen Interesses zu sein: Eine kleine Reisegesellschaft pausiert vor einer Ruine in der Stadt. Das Motiv ist mit \"Largo Castello Sorrentina\" benannt und das Reisedatum mit 19. Juli 1834 angegeben. Auch die Namen der Reisenden sind vermerkt: \"Frl: Guisin Frl: Selling. Carl. Götzlow.\" Die Tagesausflügler sind durch ihre leichte, aber elegante Bekleidung gekennzeichnet, kein hinderliches Gepäck wird mitgeführt. Bei dem dandyhaft mit einem Fächer posierenden Mann handelt es sich um den 1799 in Dresden geborenen Landschaftsmaler Carl Wilhelm Götzloff, der zu dieser Zeit bereits königlicher Hofmaler in Neapel war. Er ist hier sichtlich nicht \"im Dienst\", sondern führt die kleine Gruppe durch die Stadt. Sein stutzerhaftes Auftreten mag schon auf seinen weiteren Lebenswandel hindeuten: \"Er vergeudete sein schönes Talent mit Fabrikarbeit, die ihm zwar Vermögen einbrachte, ihn aber künstlerisch schädigte.\"26 Hauptmotiv der Bleistiftzeichnung ist die Ruine eines Palastes, der Teil der Stadtbefestigung war. Am linken Bildrand ist neben dem Wohnhaus ein Stück der Stadtmauer des späten 16. Jahrhunderts zu sehen, an das sich ein schmales Stadttor anschließt. Diese Lage trug dem kastellartigen Gebäude den Namen \"Sedile di Porta\" ein. Es wurde im Zuge der Befestigung der Stadt errichtet und diente bis ins 18. Jahrhundert hinein als Sitz der kommunalen Verwaltung. 1866 wurde es abgerissen, um Raum zu schaffen für die Vergrößerung des Platzes, der bis dahin \"Largo di Castello\" hieß. Er wurde später in \"Piazza di Tasso\" umbenannt, nach dem berühmtesten Sohn der Stadt, dem Dichter Torquato Tasso. Die Zeichnung ist wesentlich mehr als ein schnappschußartiges Erinnerungsbild. Peipers war ausgebildeter Architekt mit einer besonderen Begabung fürs Zeichnen. Sein Anliegen war es hier, die komplizierte Raumanlage des Gebäudes mit ihren Verschachtelungen, Durchblicken und Bögen für sich zeichnerisch zu klären und zu dokumentieren. Mit schnellem, aber sicherem Strich und variierender Stärke der Parallelschraffuren fängt Peipers die Komplexität der Gesamtanlage ein. Es entsteht ein Vexierspiel zwischen Innen und Außen, das an die bizarren Motive von Piranesis \"Carceri\" erinnert. (mb)
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Bleistift
- Ausführung
- Bleistift auf Papier
- Jahr
- 1834
- Signatur
- unten rechts datiert und bezeichnet: "19. July 34/Largo Castello Sorentino"; verso bezeichnet: "Frl: Guisin Frl: Selling. Carl. Götzlow"
- Werkverzeichnis
- Katalog "Landschaft im Auge des Architekten", Nr. 24
Maße
- Werk
- 18,7 x 25,9 cm (Papier)
Weitere Angaben
- Literatur
- Pfarr, Ulrich; H. W. Fichter Kunsthandel: Friedrich Jakob Peipers (1805-1878). Landschaft Im Auge Des Architekten; Frankfurt am Main 2015; Abb. Nr. 24. Werkverzeichnis Nr.:.
- Werkverzeichnis
- ,
Zustand
Sehr guter Zustand. Das Blatt ist altersbedingt geringfügig verfärbt und vereinzelt fleckig. Oben mittig befindet sich ein blasser Fleck.
Jakob Friedrich Peipers
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