Jesus und die Sünderin
»Jesus und die Sünderin« ist ein Werk von Julius Schnorr von Carolsfeld aus dem Jahr 1857, ausgeführt als Federzeichnung über Bleistift auf Papier und misst Papier: 21.7 cm x 25.9 cm, Weitere Maße: 21,7 x 25,9 cm.
\"Der beste deutsche Zeichner des 19. Jahrhunderts\" wie Ludwig Richter ihn in seinen Lebenserinnerungen nannte, erhielt seine erste Ausbildung von seinem Vater bevor er ab 1811 in Wien studierte, wo er Joseph Anton Koch und Ferdinand Olivi… weiterlesen ›
\"Der beste deutsche Zeichner des 19. Jahrhunderts\" wie Ludwig Richter ihn in seinen Lebenserinnerungen nannte, erhielt seine erste Ausbildung von seinem Vater bevor er ab 1811 in Wien studierte, wo er Joseph Anton Koch und Ferdinand Olivier kennen lernte. Angezogen von den Ideen der Nazarener ging er nach Rom, wo er von 1818 bis 1827 als Kopf des protestantischen Flügels der Nazarener lebte und arbeitete. 1825 wurde er von König Ludwig I. an die Münchner Akademie berufen und mit der Ausmalung der Münchner Residenz beauftragt. Durch nahezu sein gesamtes Schaffen ziehen sich die Arbeiten für die Bilderbibel. Schnorr greift damit eine Idee auf, die Overbeck bereits entwickelt hatte. Er wollte in klaren und eindringlichen Bildern die Botschaften der Bibel dem einfachen Volk näher bringen. Ohne Auftraggeber oder Verleger verfolgte Schnorr dieses Ziel bis die Bibel schließlich mit 240 Holzschnitten versehen zwischen 1852 und 1860 zum ersten Mal veröffentlicht und bis weit ins 20.Jh. hinein immer wieder neu aufgelegt wurde. Diese Bibelillustration prägte entscheidend das Bild von der nazarenischen Zeichenkunst. Mit Blick auf die Bibelausgabe zeichnete Schnorr alle Blätter im selben Format (22 x 26 cm). Bereits 1818 entstehen erste Zeichnungen für dieses umfassende Lebenswerk, Schnorr von Carolsfeld entwickelte einen äußerst präzisen und feinen Strich, der auch in diesem Blatt heraussticht. Die Zeichnung des bekannten Themas \"Jesus und die Sünderin\" ist mit ihren klaren sauberen Linien und den lebendigen Hell-dunkel Kontrasten bereits für die Umsetzung in den Holzschnitt angelegt. Vor einer schlichten Architektur sitzen im Freien fünf Personen, die sich in zwei Gruppen teilen lassen: links im Vordergrund Jesus, der segnend seine Hände über die kniende Sünderin hält und rechts drei bärtige Männer an einem Tisch, die die Szenen nachdenklich beobachten. Schnorr hält sich recht genau an die Bibelstelle, indem er die Szene im Haus des Pharisäers spielen läßt und sogar den Topf mit Salböl, den die Frau mitbringt, darstellt. Schnorr von Carolsfelds Leistungen für die Zeichenkunst im Bereich Landschaft, Portrait, Akt und Illustration sind kaum zu überschätzen.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Federzeichnung
- Ausführung
- Federzeichnung über Bleistift auf Papier
- Jahr
- 1857
- Signatur
- unten rechts monogrammiert, datiert und bezeichnet: "18 JS 57. d. 18 September."
Maße
- Gesamt
- Papier: 21.7 cm x 25.9 cm, Weitere Maße: 21,7 x 25,9 cm
Weitere Angaben
- Provenienz
- Sammlung Johann Georg Von Sachsen. Auktion Gerd Rosen Nr. 32 (1959), Los Nr. 828
Schlagworte
Julius Schnorr von Carolsfeld
Geboren am 26. März 1794 in Leipzig, seit 1803 Gehilfe des Vaters, des Künstlers Veit Hans Schnorr von Carolsfeld, der an der Leipziger Kunstakademie lehrte, seit 1806 Beteiligung an der jährlichen Kunstausstellung der Dresdner Akademie, 1811 Unterricht bei Heinrich Füger in Wien, 1813 Bekanntschaft mit Ferdinand Olivier, 1817 Reise nach Salzburg und gegen Ende des Jahres Aufbruch nach Italien, Beitritt zum Lukas-Bund, 1818 Auftrag zur Freskierung eines Saales im Casino Massimo, 1821 Gründung eines Komponiervereins, 1827 Reise nach München, um als Professor zu arbeiten und die Münchner Residenz mit Fresken zum Nibelungenlied zu schmücken, 1835 Auftrag zur Ausmalung der Kaisersäle in der Münchner Residenz, 1843 Veröffentlichung des Nibelungenlieds im Verlag Cotta, 1845 Ruf als Professor an die Dresdner Akademie, den Schnorr aber ausschlägt, um in München zu bleiben, auch wenn die Unterstützung durch Ludwig I. nicht mehr gegeben ist, 1846 erneuter Ruf nach Dresden, dem Schnorr auch folgt, nachdem Ludwig I. ihn aus seinen Diensten entlassen hat, Schnorr wird Direktor der Akademie und der Gemäldegalerie, 1848 durch Grauen Star erblindet sein linkes Auge, 1851 Reise nach England auf Einladung Karl Josias von Bunsens, 1852-1860 erscheint im Verlag Georg Wigand in Leipzig Schnorrs Bilderbibel in Einzellieferung, 1862-1868 Arbeit an sieben Entwürfen für die Chorfenster von St. Paul’s in London, 1866 letzter Besuch in München, verstorben am 24. Mai 1872 in Dresden.
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