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Wie viele seiner Zeitgenossen war Wallis ein glühender Verehrer der klassisch-idealen Landschaften Gaspard Dughets. Besonders englische Reisende während der Grand Tour verspürten die Anziehungskraft der idealen Italienvision des Künstlers. Der Wunsch, einen Teil davon mit in die Heimat zu nehmen, führte zu einem sprunghaft ansteigenden Bedarf an solchen klassischen Landschaftsbildern, in denen Natur und vermeintlich antike Architektur eine heroische Symbiose eingehen. Wallis bekam seinen Zugang zu Dughet, aber auch Poussin und Lorrain, wohl maßgeblich durch Jakob Philipp Hackert vermittelt, der selbst nicht müde wurde, seine eigenen Gemälde mit Anleihen aus jener klassischen Landschaftsschule des 17. Jahrhunderts zu bestücken. Hierin folgten ihm Johann Christian Reinhart ebenso wie Joseph Anton Koch und viele weitere Künstler, die nicht zuletzt der vorherrschenden Mode Rechnung trugen, was auch Wallis zu großem Ansehen, besonders in seinem Heimatland, verhelfen sollte. Die vorliegende Zeichnung von Wallis reiht sich in diese Rezeption ein und dürfte daher auch während seiner Zeit in Italien entstanden sein, die erst nach achtzehn Jahren mit seiner Rückreise nach England 1806 endete. Bemerkenswert ist hierbei, dass Wallis nicht etwa eine ideale Landschaft zum Motiv wählt, sondern ein Detail einer solchen Landschaft in das Zentrum der Komposition rückt. Was sonst nur als Architekturstaffage den Hintergrund der großen Landschaftskompositionen belebt, erhält hier einen eigenständigen Charakter. Noch dazu wird das Aufeinandertreffen von Mensch und Natur in die Architektur selbst verlagert. Die Figuren finden in dem Arkadengang einen Schutzraum, von dem aus die Natur selbst wie ein Schauspiel betrachtet werden kann. Dadurch löst sie als Bühne jene Natur ab, in der sich der Mensch in den klassischen Landschaftsbildern sonst zu behaupten hatte. Das Gewichtverhältnis verschiebt sich und der Mensch wird vom Protagonisten zum selbstbewussten Zuschauer, der die Natur domestiziert hat. Was sonst also nur als fernes Zitat einer imaginierten Antike in den Bildern als idealisierte Verankerung in einer verlorenen Vergangenheit auftauchte, das belebt Wallis zwar als Typus nicht neu, transportiert es aber in eine gegenwärtige Realität. Denn es fehlt nicht viel und man kann das verschachtelte Gebäude auch als Landhaus erkennen, wie es in Italien um 1800 durchaus anzutreffen war. Dabei trägt auch sein Zeichenstil zu dieser belebenden Annäherung bei. Durch die charakteristische Struktur der Schraffierung und durch die breiten, teils wiederholten Umrisslinien erreicht er in der Monochromie eine gewisse Farbigkeit der verschiedenen Grautöne, was zur Belebung der Architektur beiträgt.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Bleistift
Ausführung
Bleistift auf Papier
Darstellung
Landschaft
Provenienz
Aus dem Nachlass des Künstlers

Maße

Werk
23 x 31,3 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter, altersgerechter Zustand mit leichten Altersspuren.

George Augustus Wallis

1761 – 1847·Großbritannien·18. Jahrhundert, 19. Jahrhundert
Das Werk des 1761 bei London geborenen George August Wallis steht am Wendepunkt von klassizistischer Landschaftsauffassung zur romantischen Sehnsucht nach Einheit von Kunst und Natur. Wie viele seiner Künstlerkollegen faszinierte ihn Italien, das, bis auf wenige Jahre der Reisen, zeitlebens seine Heimat werden sollte. Dort hielt er die Vergänglichkeit antiker Ruinen und der Natur in Form von verfallenen Bauwerken und maroden Bäumen fest. Die Vielschichtigkeit innerhalb seines künstlerischen Ausdrucks lässt sich nicht zuletzt auf den intensiven Austausch mit Künstlern und Schriftstellern unterschiedlichster Geistesströmungen zurückführen, denen er, zumeist in Rom, begegnete. Doch auch Wallis wirkte seinerseits auf seine Zeitgenossen ein. Gerade in Heidelberg, wo er von 1812 bis 1817 weilte, regte er durch seinen eigenen Zugang zur Landschaft in der Kunst eine ganze Generation junger Romantiker an, das traditionelle Verständnis von Kunst im Lichte der romantischen Entwicklungen neu zu denken. Er starb 1847 in Florenz.
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