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Der Nemisee, ein Kratersee in den Albaner Bergen etwa 30 Kilometer südöstlich von Rom, war seit Beginn des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Motiv für Italien bereisende Maler und wurde auch von Fotografen immer wieder aufgesucht. Das Naturstück zeigt einen von Ästen, Gräsern und Blättern verhangenen Blick auf das Gewässer. Der begrenzte Ausschnitt ist ungewöhnlich für die Landschaftsfotografie, die zumeist Naturpanoramen zeigt. Da sich aufgrund der langen Belichtungszeit Himmelsphänomene oder Wellenbewegungen nicht erfassen lassen, ist die Oberfläche des Sees glatt und der Himmel wolkenlos. In der Ferne liegt das gegenüberliegende steile Ufer, das sich im Wasser spiegelt. Die Kamera hat ein Spiel der Kontraste eingefangen. Während die Felsen im Hintergrund blass erscheinen, heben sich die feinen, im Schatten liegenden Blätter und Gräser im Vordergrund scharf und deutlich ab. Ihre geschwungenen Silhouetten spiegeln sich im Wasser, sodass abgebildete Realität und Spiegelbild nur schwer zu unterscheiden sind, dafür aber an ästhetischem Wert gewinnen. Ein schönes Spiel geschwungener Linien. Original-Fotografie mit hoher Detailschärfe. Ein frühes Zeugnis der Reisefotografie. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts reisten immer mehr Touristen aus bürgerlichen Kreisen nach Italien. Fotografien konnten damals nur mit hohem zeitlichem Aufwand und einer teuren, unhandlichen Apparatur entstehen. Umso dankbarer griffen viele Touristen auf die Arbeiten der professionellen Fotografenateliers vor Ort zurück, um den Zuhausegebliebenen ein Souvenir aus der Ferne mitzubringen oder sie als Erinnerungsstücke zu sammeln. Berühmt gewordene Fotografen wie Carlo Naya, Giorgio Sommer oder die Gebrüder Alinari lichteten die bekanntesten Sehenswürdigkeiten ihrer Heimatstädte ab und begaben sich selbst auf Reisen, um die beliebtesten Ziele ihrer Kunden zu fotografieren und als Albuminabzug anzubieten. Auch antike Kunstschätze wurden fotografisch aufgenommen und den Reisenden angeboten. Die hochwertigen Fotografien der Skulpturen und Fresken leisteten weiterhin einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation der Kunstschätze und der Zugänglichkeit für Wissenschaftler aus ganz Europa, die zuvor auf Nachzeichnungen oder Stiche angewiesen waren, wenn sie nicht das Original selbst betrachten konnten.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Ausführung
Albuminpapierabzug, aufgezogen auf Karton
Jahr
um 1880
Darstellung
Natur
Land
Italien
Signatur
Unten mittig auf der Unterlage bezeichnet: "In Nemi [..]".

Maße

Werk
Karton: 24,8 cm x 33,2 cm, Darstellung: 19,6 cm x 25,8 cm

Zustand

Guter Zustand. Unterlage und Fotografie leicht fleckig. Altersbedingte Verfärbungen um die Ränder der Unterlage.

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