Selbstbildnis
»Selbstbildnis« ist ein Werk von Traugott Leberecht Pochmann aus dem Jahr um 1785, ausgeführt als Bleistift auf Papier.
Als Traugott Leberecht Pochmann im Jahre 1815 zum Professor im Fach Malerei an der Dresdner Akademie ernannt wurde, genoss er bereits großes Ansehen und sein Name war durch seine vielgelobten mythologischen Kompositionen und Porträts eine f… weiterlesen ›
Als Traugott Leberecht Pochmann im Jahre 1815 zum Professor im Fach Malerei an der Dresdner Akademie ernannt wurde, genoss er bereits großes Ansehen und sein Name war durch seine vielgelobten mythologischen Kompositionen und Porträts eine feste Größe im Kunstleben der Stadt. Seine erste Ausbildung erhielt Pochmann in seiner Heimatstadt unter Anton Graff, bevor er sich durch die Vorlesungen Giovanni Battista Casanovas beeindrucken ließ, zu dessen engstem Schülerkreis er ab 1787 gehörte. Im Jahre 1800 beteiligte sich Pochmann mit der Zeichnung Hektors Abschied an Goethes Preisaufgabe in Weimar. Zwar erscheint die Prägung durch Casanova in seinen mythologischen Gemälden dominierend und dieser Einfluss sollte auch seine primäre künstlerische Basis bleiben, doch verlieh ihm der Unterricht Graffs in der Porträtmalerei ein allgemein anerkanntes Können, das ihm zu zahlreichen Aufträgen verhalf. In dem vorliegenden Blatt, das vermutlich um 1790 entstanden ist, zeigt Pochmann sich auf der Höhe seiner Zeichenkunst. Die einfühlsame und effektvolle Modellierung der Gesichtszüge und das virtuose, an Bildnisse Gottfried Schadows erinnernde Haar zeigen den Maler in nachdenklich kritischer Pose. Die leichte Schräglage des Kopfes, die sich auf verschiedenen Selbstbildnissen des Künstlers wiederfindet, sowie der forschend suchende Blick verweisen auf eine innere Unsicherheit. In anderen Bildnissen wird dies teilweise durch eine an das Kinn geführte Hand unterstützt. Diese Zurückhaltung spiegelt sich auch in den nervösen Strichen wider, aus denen er die Lebendigkeit des Porträts hervorholt. Der gewischte Hintergrund, der sich lediglich leicht um den Kopf herum aufhellt, trägt zur entrückten Atmosphäre des Blattes bei. Mit erstaunlicher Genauigkeit vermittelt der Künstler ein eindringliches und psychologisiertes Bild seiner Selbst, das ein ganzes Spektrum von Gefühlserlebnissen offenbart. In dem zwischen Sezieren und Suchen oszillierenden Blick steht das Blatt den Selbstbildnissen Caspar David Friedrichs nahe. Der latente Ausdruck innerer Verunsicherung wird durch eine von Wilhelm von Kügelgen überlieferte Begebenheit konkretisiert: \"Der gefürchtetste dieser Korrektoren, Professor Pochmann, ging sogar so weit, in Gipszeichnungen schwarze Augäpfel und dunkelhaarige Locken mit beleckter Naturkreide auf unauslöschliche Weise einzugraben, indem er es uns überließ, dergleichen malträtierte, aller weiteren Ausführungen unfähig gewordene Blätter wegzuwerfen.\" Diese nach Außen getragene Aggressivität deutet auf die Instabilität der eigenen Persönlichkeit hin, die sich in dieser intimen Selbstbefragung Ausdruck verschafft.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Bleistift
- Ausführung
- Bleistift auf Papier
- Jahr
- um 1785
- Epoche
- Romantik
- Darstellung
- Porträt
- Land
- Deutschland
- Werkverzeichnis
- Marx, Harald Traugott Leberecht Pochmann (1762-1830). Ein Dresdner Maler In Seiner Zeit. Gesammelte Aufsätze Und Bisher Unveröffentlichte Texte. Mit Werkverzeichnis; Königsbrück 2021; S. 251; Abb. Nr. S. 65. Werkverzeichnis Nr. [...]
Weitere Angaben
- Literatur
- Marx, Harald: Traugott Leberecht Pochmann (1762-1830). Ein Dresdner Maler In Seiner Zeit. Gesammelte Aufsätze Und Bisher Unveröffentlichte Texte. Mit Werkverzeichnis; Königsbrück 2021; S. 251; Abb. Nr. S. 65. Werkverzeichnis Nr.: I. 1.
- Werkverzeichnis
- , I. 1.
Zustand
Sehr guter Zustand. Nur vereinzelt minimal fleckig.
Schlagworte
Traugott Leberecht Pochmann
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