Georg Friedrich von Wurmb
»Georg Friedrich von Wurmb« ist ein Werk von Daniel Nikolaus Chodowiecki aus dem Jahr 1777, ausgeführt als Bleistift auf Papier und misst Papier: 26.4 cm x 16.5 cm, Darstellung: 23.2 cm x 15.2 cm.
Seit Anfang der 1770er Jahre beschäftigte sich Daniel Nikolaus Chodowiecki zunehmend mit Porträtzeichnungen. Dem Anspruch eines sich immer stärker emanzipierenden Bürgertums entsprechend, lieferte er zahlreiche Konterfeis, die den selbstbew… weiterlesen ›
Seit Anfang der 1770er Jahre beschäftigte sich Daniel Nikolaus Chodowiecki zunehmend mit Porträtzeichnungen. Dem Anspruch eines sich immer stärker emanzipierenden Bürgertums entsprechend, lieferte er zahlreiche Konterfeis, die den selbstbewussten Status bildlich legitimieren sollten. Entgegen den psychologisch durchdringenden und den Betrachter durch \"Blickmagie\" fesselnden Bildnissen seines Zeitgenossen Anton Graff, konzentrierte sich Chodowiecki meist ausschließlich auf das Profil. In dem scharf gezogenen Umriss sollte sich der individuelle Charakter des Dargestellten ebenso deutlich präsentieren. Mit seiner Klarheit entsprach diese Darstellungsweise eher dem wissenschaftlichen und vergleichenden Anspruch von Johann Caspar Lavaters Physiognomie, zu der Chodowiecki maßgeblich beitrug und die sich zu jener Zeit in aller Munde befand und kontrovers diskutiert wurde.1 Die Reinheit der Profillinie mag gegenüber manch bewegter und emotional aufgeladener Porträtzeichnung kühl und reduziert wirken, doch liegt gerade hierin ein moralischer Anspruch, den sowohl Chodowiecki als auch seine Auftraggeber geschätzt haben werden. Besonders deutlich zeigt sich dies an seiner berühmten Radierfolge der Natürlichen und affectirten Handlungen des Lebens2. Hier wird ein natürlicher Urzustand des Menschen einem gekünstelten und falschen gegenüber gestellt. Jene positive Natürlichkeit zeichnet sich dabei durch eine größtmögliche Ökonomie aus. Nichts ist übertrieben oder von außen an die Person herangetragen, alles kommt als wahre Emotion aus dem Inneren. So liegt in der Reduktion die Möglichkeit, den wahren Kern des Menschen zu erkennen. Zwar bezieht sich diese Idee auf die Gebärdensprache, doch man kann in ihr auch Korrespondenzen zur bildenden Kunst erkennen. Wollte Lavater seine physiognomischen Porträts am liebsten gänzlich ohne Binnenzeichnung haben, so entsprach diese radikale Reduktion den meisten Auftraggebern nicht und so füllte Chodowiecki die meisten seiner lebensgroßen Profilporträts mit dichten Schraffuren. In Verbindung mit dem meist verwendeten Rötelstift ergibt sich so ein bildmäßiger Charakter der Zeichnungen. Unser seltenes Blatt hingegen konzentriert sich noch ganz auf jene ausdrucksstarke Reinheit der Linie und ermöglicht so einen Blick auf Chodowieckis grundierendes Porträtverständnis. Gleichzeitig bewahrt es eine dem Gegenüber abgeschaute Lebendigkeit und Unmittelbarkeit, die bei den durchgearbeiteten Bildnissen selten anzutreffen ist. Der Dargestellte auf unserer Zeichnung wird rückseitig als Georg Friedrich von Wurmb (1770-1799) identifiziert. Die Hamburger Kunsthalle bewahrt das Pendant zu unserer Zeichnung auf. Auf diesem Blatt hat Chodowiecki das Profilbild des Bruders Wolf Heinrich von Wurmb von Zinck (1765-1838) verewigt.3 Der Vater der beiden Kinder war Friedrich Ludwig von Wurmb (1723-1801), ein kurfürstlich sächsischer Kabinettsminister. --- 1 Vgl. zur Beziehung von Chodowiecki und Lavater: Thomas Kirchner, Chodowiecki, Lavater und die Physiognomiedebatte in Berlin, in: Hinrichs/Zernack 1997, S. 101-142. 2 1779 und 1780 in zwei Folgen im Goettinger Taschen-Calender erschienen. Vgl. Engelmann 1857, Nr. 256 und 319. 3 Schwarze Kreide auf Papier mit Wasserzeichenfragment (Waffe oder Werkzeug im Kreis), 33,9 x 21,0 cm, Inv. Nr. 1963-153, Hamburger Kunsthalle. | Wasserzeichen: \"M\"
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Bleistift
- Ausführung
- Bleistift auf Papier
- Jahr
- 1777
- Epoche
- Klassizismus
- Darstellung
- Porträt
- Land
- Deutschland
- Signatur
- Verso von fremder Hand bezeichnet: "Georg Friedrich v. Wurmb 1777.".
Maße
- Gesamt
- Papier: 26.4 cm x 16.5 cm, Darstellung: 23.2 cm x 15.2 cm
Weitere Angaben
- Stempel
- Sammlerstempel, Lugt Nr.: 123. Adolf Glüenstein (geb. 1849). Hamburg. 20. Jahrhundert, 19. Jahrhundert
Zustand
Sehr guter Zustand. Das Blatt ist altersbedingt geringfügig verfärbt. Ganz minimal fleckig. Vereinzelt sind blasse Stockflecken erkennbar. Schwach lichtrandig. Entlang der oberen Blattkante minimale Reste einer alten Montierung durch Klebestreifen.
Schlagworte
Daniel Nikolaus Chodowiecki
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