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Unserem anderen Gemälde von Theodor Her in seiner Komposition nicht völlig fremd – Figuren auf einem geschwungenen Weg bewegen sich unter einem nach links geneigten Baum mit fülliger Krone – muss doch auf die beinahe gegenpoligen Details in beiden Bildern verwiesen werden. Statt eines geradezu herbstlichen Szenarios gibt Her hier eine winterlich verschneite Promenade wieder. Statt eines bäuerlichen settings mit einer arbeitsamen Figur zeigt er flanierende Gestalten an einem See nahe fast städtischer Architektur. In ihrer Ausdehnung und Größe zwar eher an kleinstädtische Bauten oder Teile einer Kuranlage erinnernd, legt sich durch diese doch ein schweres statisches Band um die Landschaft und verweist auf die künstliche Ordnung der Natur.

 


Trotz seiner Herkunft aus einer ländlichen Region Württembergs sowie seiner Bevorzugung von Naturlandschaften mit lediglich sanften Anzeichen menschlichen Kulturschaffens, hatte Her durch seinen zweijährigen Studienaufenthalt in Paris und seine lange Wohnzeit in München auch das urbane Leben kennengelernt. In Paris dürfte Her zudem die französischen Impressionisten studiert haben, die sich in den 1860er Jahren vermehrt von der Konturlinie als Gestaltungsmittel losgesagt hatten und mit Licht- und Farbwirkungen experimentierten. Auch die bei Her nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1870 entstandenen Stimmungslandschaften folgten diesem Prinzip. Der für sein sensibles Gefühl für Wetterstimmungen bekannte Maler widmete sich hier etwa der Jahreszeit des Winters und formte diese insbesondere durch das kaum klar zu konturierende Element des Schnees. Diesen bildete er durch die dichte Verwendung von grauen Farbtönen, die kaum etwas gemein haben mit der strahlenden Reinheit frisch gefallener Flocken. Den wohl im Erstarren begriffenen See malte Her mit betont zähen, langgezogenen Strichen – von keinem Windhauch mehr in Aufruhr zu versetzen und doch noch nicht fest genug um auch eine Schneedecke zu tragen. Im Betrachten fühlt man demnach kaum die klirrende Kälte eines romantischen Winterspazierganges, sondern muss unweigerlich an feuchtkaltes Wetter bei gedämpfter Stimmung denken. Am Himmel leuchtet durch die schweren grauen Wolken ein kräftiges Abendrot hindurch, löst die insgesamt winterlich-triste Stimmung der Darstellung und verleiht ihr einen ruhigen, verheißungsvollen Glanz.

 

|bo

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Theodor Her
Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Leinwand auf Karton
Epoche
Realismus
Darstellung
Landschaft
Signatur
verso bezeichnet und signiert: "Her"

Maße

Werk
17,9 x 13 cm (Darstellung)
Angabe
25,5 x 20,5 cm (Rahmengröße)

Zustand

Sehr guter restaurierter Zustand.

Zu sehen in Finderglück 15

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