Baum nach dem Sturm
»Baum nach dem Sturm« ist ein Werk von Johann Friedrich Bolt aus dem Jahr 1797, ausgeführt als Bleistift und Buntstift auf Papier.
In den Sommermonaten des Jahres 1797 durchstreifte Johann Friedrich Bolt mit seinem engen Freund Carl Wilhelm Kolbe die Wälder von Treptow, einem damaligen Randbezirk von Berlin. Auf einem wenige Wochen vor unserer Zeichnung entstandenem Bl… weiterlesen ›
In den Sommermonaten des Jahres 1797 durchstreifte Johann Friedrich Bolt mit seinem engen Freund Carl Wilhelm Kolbe die Wälder von Treptow, einem damaligen Randbezirk von Berlin. Auf einem wenige Wochen vor unserer Zeichnung entstandenem Blatt hat Bolt sich und Kolbe festgehalten, wie sie mit Stock und Zeichenmappe unterwegs zu künstlerischen Entdeckungen sind. Bei einer dieser Gelegenheiten entdeckte Bolt die hier gezeichnete Eiche. Porträtähnlich rückt er sie ins Zentrum des Bildes, konzentriert sich ganz auf die diffuse Struktur der Rinde und das wolkenähnliche Blätterwerk, das sich um die fingergliedrig verzweigten Äste gruppiert. Doch neben dieser strukturellen Ästhetik interessierte sich Bolt bei diesem Baum für ein besonderes Phänomen. Eine dünne rote Linie schlängelt sich von der Spitze bis zur Erde um den Baumstamm herum. Die beigegebene Aufschrift entschlüsselt dieses Farbband: Es handelt sich um die Spur eines Blitzes, der sich in die Rinde des Baumes eingegraben hat, entstanden bei einem Gewitter am 31. Juli 1797. Das Interesse für Bäume teilte Bolt mit seinem Wandergefährten Kolbe, auch wenn dessen teils phantastische Überhöhung der Natur in dieser Realitätsskizze nicht zum Tragen kommt. Doch auch hier, in dieser scheinbar wissenschaftlichen Studie, offenbart sich eine über die Ästhetik hinausgehende Bildvorstellung, die die Grundlage für das Interesse an gerade solchen Naturstücken bei Kolbe und Bolt ist. Für Kolbe wurde die Eiche zu einem zentralen Protagonisten in seiner Bildwelt. Über die patriotischen Implikationen hinaus bot ihm das wilde Wachstum eine treffende Metapher für die Urwüchsigkeit der Natur. In Konfrontation mit dem Menschen eröffnete Kolbe so ein Zwiegespräch zwischen Mensch und Natur, das nicht nur als Ausdruck eines irdischen Arkadiens, sondern auch als Positionsbestimmung verstanden werden kann. Der Mensch im Angesicht der stetig fortwachsenden Natur, die nach einem unergründlichen Muster tief verzweigte Wege einschlägt und auch ihre Wunden nicht verbirgt, sondern zu einem Teil ihrer Existenz macht: all dies kann Orientierung, aber auch Mahnung für den Menschen sein. Bolt verzichtet zwar in diesem Blatt auf Figuren oder andere Erzählmomente, vernachlässigt aber doch in dieser Konzentration auf den Baum das über den bloß wissenschaftlichen Aspekt Hinausgehende nicht. In gewisser Weise wird der Betrachter zum Gesprächspartner des Baumes. Die Macht der Natur wird durch die rote Ader, die sich durch den Stamm zieht, anschaulich und so schwingt im nüchtern notierenden Blick auch der Aspekt einer Gegenüberstellung von Mensch und Natur mit. Die Natur als ein Reich, auf das wir keinen Einfluss haben, das wir registrieren können, dem wir aber auch ausgeliefert sind, das uns Schutz geben und gleichzeitig zur Gefahr werden kann.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Bleistift
- Ausführung
- Bleistift und Buntstift auf Papier
- Jahr
- 1797
- Epoche
- Klassizismus
- Darstellung
- Natur
- Land
- Deutschland
- Signatur
- Unten links signiert: "F. Bolt f.". Unten datiert: "Gewitter - d - 31 - July - 97 - / Treptow d 18. August 97".
Zustand
Guter Zustand. Altersgemäßer Zustand
Johann Friedrich Bolt
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