Der Maler Adolf Fischer-Gurig
»Der Maler Adolf Fischer-Gurig« ist ein Werk von Albert Ernst Mühlig aus dem Jahr 1900, ausgeführt als Öl auf Papier.
Ein Maler malt einen Maler beim Malen – das Thema des gegenseitigen Künstlerbildnisses als Beleg besonderer Verbundenheit war spätestens seit der Romantik kanonisch geworden, doch blieb die Darstellung des Malers bei der Arbeit auch im 19. … weiterlesen ›
Ein Maler malt einen Maler beim Malen – das Thema des gegenseitigen Künstlerbildnisses als Beleg besonderer Verbundenheit war spätestens seit der Romantik kanonisch geworden, doch blieb die Darstellung des Malers bei der Arbeit auch im 19. Jahrhundert eher die Ausnahme – vor allem, wenn es sich wie in unserem Falle um einen in der freien Natur tätigen Maler handelt. Er sitzt ganz an das Ufer eines Sees gerückt vor seiner dreibeinigen, zusammenklappbaren Staffelei mit der Malpappe und ist in seine Arbeit vertieft, bei der er von seinem Kollegen beobachtet wird. Seinen Malkoffer mit Farben, Pinseln, usw. neben sich in Reichweite, ist er konzentriert beim Malen und nimmt die landschaftlich reizvolle Umgebung nicht wahr, die für den Maler des Bildnisses wiederum eine besondere Rolle spielt. Er hat seinen Kollegen eingebettet in eine stimmungsvolle Seenlandschaft, die sich vom Vorder- bis in den Hintergrund erstreckt, wo ein heiterer Abendhimmel über einem Uferstreifen aufsteigt. Auf dem Wasser spiegeln sich die letzten Sonnenstrahlen und bezeugen damit einen Augenblick, der bereits wenig später am Vergehen ist. Der Maler erfasst den Moment schnell in einer offenen, skizzenhaften Malweise, die charakteristisch für die Freilichtmalerei im 19. Jahrhundert geworden ist – mit breiten, sich teilweise überlagernden und widersetzenden Pinselstrichen gibt er den Vordergrund an, aus dem grüne Gräser und der sandige Untergrund herausleuchten. Diese offene, auf das nötigste beschränkte Malweise wird im Bildnis des Malers konkreter, weniger skizzenhaft, doch verliert sie sich bereits wieder über dem Wasser im Sinne einer koloristischen, stimmungshaften Auffassung, die die Kenntnis des Impressionismus nicht verleugnet. Doch wer sind Maler und Dargestellter? Das Gemälde selbst gibt bis auf das Datum „21. April 1900“ darüber keine Auskunft, doch befindet sich auf der Rückseite eine aufgeklebte handschriftliche Notiz, die das Rätsel des Malers löst. „Studie von Albert Mühlig“ steht dort, „während ich Studie mit Mühle male.“ Und wer ist nun „ich“? Darunter wird in einer weiteren Notiz das Gemälde als „Bildnis des Malers Adolf Fischer-Gurig am Bärnsdorfer Teich bei Moritzburg“ bezeichnet, der wie Mühlig zu Beginn der 1880er Jahre an der Dresdner Kunstakademie Schüler des künstlerisch in Antwerpen sozialisierten Leon Pohle war und in der Landschaftsklasse des Richter-Schülers Viktor Paul Mohn arbeitete. Die beiden etwa gleichaltrigen Maler – Fischer-Gurig ist zwei Jahre älter – waren seit Akademiezeiten freundschaftlich verbunden, doch trennten sich danach ihre Wege: Während sich der aus einer Künstlerfamilie stammende Mühlig – sein Vater Bernhard, sein Onkel Meno und sein Vetter Hugo waren ebenfalls Maler – als Landschafts- und Tiermaler in Dresden niederließ, ging Fischer-Gurig zunächst nach Berlin und arbeitete in den 1890er Jahren in München. Erst 1898 wieder nach Dresden zurückgekehrt, unternahmen die Freunde gemeinsame Wanderungen in die Umgebung Dresdens, um dort in der Natur zu malen. Auf einem dieser Ausflüge an den Bärnsdorfer Teich in der Nähe von Moritzburg, den Mühlig wiederholt aufsuchte, entstand das Bildnis seines Freundes, während dieser seine „Studie mit Mühle“ malte, und machte es ihm zum Geschenk.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Öl
- Ausführung
- Öl auf Papier
- Jahr
- 1900
- Epoche
- Realismus
- Darstellung
- Porträt
- Land
- Deutschland
- Signatur
- Unten rechts datiert: "21 / 4 1900". Verso bezeichnet: "Studie von Albert Mühlig. (am Großteich bei Bärnsdorf.) während ich [Adolf Fischer-Gurig] Studie mit Mühle male. d. 21. April 1900". Allgemeine Informationen: auf der Rückseite bezeichnet: „
Maße
- Rahmen
- 47,0 cm x 37,2 cm
Zustand
Guter Zustand. Altersgerecht, in den Ecken und rechts und links mittig am Rand Einstichlöchlein, restauriert, einige wenige, kleine Retuschen.
Albert Ernst Mühlig
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