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Hoch überragt der Torre del Fiscale –, im 13. Jahrhundert errichtet und so genannt, seitdem er im 17. Jahrhundert in den Besitz des Schatzmeisters des Kirchenstaates, Filippo Foppi, übergegangen war,– einen antiken Aquädukt, dessen gewaltige Bogenstellungen in dunklem Schatten liegen. Heute in Tuscolano im Süden Roms in einem archäologischen Park gelegen, kreuzten sich hier einstmals die antiken Aquae Claudia und Marcia sowie die Kanäle der Aquae Tepula und Julia; zur Zeit Viktor Paul Mohns ragte er gleichsam als Mahnmal vergangener Größe weithin sichtbar aus der öden Campagna heraus. Mohn war im Sommer 1866 zusammen mit Albert Venus und Carl Wilhelm Müller zum ersten Mal nach Rom gekommen, wo auch er dem kargen Reiz der umgebenden Campagna erlag. Nach seiner Rückkehr nach Dresden im Frühling 1867 war er Anfang 1868 noch einmal nach Rom aufgebrochen und blieb dort bis in den Spätsommer des folgenden Jahres. Kurz bevor er Rom am 17. September wieder verließ, ist unsere kleine Ölstudie am 26. August entstanden. Nachdem während des ersten Aufenthaltes in Rom Mohn nur ­Zeichnungen und Aquarelle angefertigt hatte, sind später in Rom einige „Oelstudien vor der Hand“, wie sie sein Lehrer Ludwig Richter nannte, entstanden. Ungewöhnlich für Mohn ist, dass er im Gegensatz zu seinen Aquarellen, in denen er meist in zarten Liniengefügen den Schichtungen der weiten Landschaft nachgeht, ein Bauwerk und dazu den selten dargestellten Torre del Fiscale so bildfüllend in karger Vegetation in Szene setzt – die heiße Mittagssonne wirft tiefe Schatten, in dem der Aquädukt mit seinen dunklen, höhlenartigen Bögen liegt. Er fluchtet schräg ins Bild hinein – eine Dynamik, die an dem von verschiedenen Substruktionen gestützten Turm zu zerbrechen scheint. Es mag sein, dass Mohn diese verschiedenen, gegenläufigen Bewegungsimpulse von diagonalen, vertikalen und sich kreuzenden Richtungen gereizt haben, doch am meisten mag ihn interessiert haben, den dunklen Turm kontrastreich gegen den hellen, wolkenverhangenen Himmel, an dem es nur an manchen Stellen blau durchscheint, zu setzen. Kein erzählerisches, anekdotisches Detail stört die Stille, die ewige Ruhe der Jahrhunderte, die der Turm bereits überdauert – es ist dieser Gegensatz zwischen hell und dunkel, zwischen Nähe und der unbestimmten Ferne des Himmels, der die Zeitlosigkeit der ­Campagna symbolisiert. Die Wiese ist braun, von der glühenden Sonne verbrannt, und nur auf dem Bogen rechts hat ein zartes Bäumchen einen Platz gefunden, an dem es sich den unwirtlichen Bedingungen zu widersetzen versucht. Mit den breiten, skizzenhaften Pinselstrichen, deren Spuren erkennbar sind, widersetzt sich Mohn in solchen kleinen Malstücken dem Primat der Linie, das sein Lehrer Richter so vehement vertrat und dem sich Mohn nach seiner Rückkehr nach Dresden durch die Aufnahme altväterlicher Themen und Motive wieder anschließen sollte – es scheint, als habe er nur in Italien einen so unmittelbaren, auch eigenwilligen Zugriff auf die Natur gefunden, in dem die Farbe die Linie besiegte.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Papier, aufgezogen auf Pappe
Jahr
1869
Epoche
Realismus
Darstellung
Architektur
Land
Italien
Signatur
Unten links datiert: "Appia 26 Aug. '69.". Verso von fremder Hand bezeichnet: "Prof V Paul Mohn / Via appia nuova. Campagna Aug 1869 (vgl. die Zeichnung v. 31. Aug 69)".
Stempel
Verso Nachlassstempel, Lugt Nr. 1817a. Victor Paul Mohn. Berlin. 19. Jahrhundert

Maße

Rahmen
34,5 cm x 27,4 cm

Weitere Angaben

Stempel
Verso Nachlassstempel, Lugt Nr.: 1817a. Victor Paul Mohn. Berlin. 19. Jahrhundert

Zustand

Guter Zustand. Etwas verschmutzt und vergilbt, rechts oben in der Ecke leicht bestoßen mit minimalen Abplatzungen, mittig kleine Abplatzung oder Bereibung, oben links minimale Abplatzungen, unten links kleiner weißer Fleck, in allen vier Ecken kleine

Viktor Paul Mohn

1842 – 1911·Deutschland·19. Jahrhundert
Aus dem illustren und umfangreichen Schülerkreis Ludwig Richters sticht Viktor Paul Mohn besonders hervor. Er und Albert Venus hatten sowohl künstlerisch als auch menschlich die engste Bindung an den Lehrer und Mohn übernahm 1869 stellvertretend dessen Amt an der Dresdner Kunstschule. Den enormen Einfluss, den Richter als Künstler auf Mohn hatte, kann man an vielen seiner Aquarelle und Illustrationen ablesen. Die erste Italien-Reise, die er 1866 zusammen mit Albert Venus unternahm, stand ganz im Zeichen des Lehrers: Die Künstler besuchtet nicht nur dieselben Orte, die diesen Jahrzehnte zuvor so beeindruckt hatten. Sie orientierten sich auch in ihrer Arbeitsweise an Richter. Dessen graphische Präzision, gepaart mit einem sensiblen Gespür für atmosphärische Stimmungen, wurde auch für Mohn und Venus in Italien bestimmend, auch wenn ihre Interpretation durch vielfältige Übersteigerungen dieser Grundelemente einen ganz eigenen, häufig schon über-idealisierten Charakter bekam. Als Mohn 1868 erneut in Italien weilte und dort wieder auf seinen Freund Albert Venus traf, zeigte er sich enttäuscht von dessen Abkehr von den Richterschen Idealen der klaren Linie. „Der Teufel reitet ihn, sein zweites Wort ist – Achenbach.“ Malerische Freiheit, Dominanz der Farbe, impressionistische Verwirbelungen: all dies entsprach nicht Mohns Kunstweg. Doch dass auch er auf Seitenpfaden wandelte, die sich von seinem großen Vorbild entfernten, wird auch heute noch zu wenig beachtet. Zwar hat er nie den malerischen Effekt über die Klarheit der zeichnerischen Aussage gestellt, doch manche Aquarelle zeigen in der Komposition eine ganz eigene Tendenz der Bilderfindung, die nicht aus dem Œuvre des Lehrers heraus zu erklären ist. Die enge Bindung an Richter blieb aber bestehen. So heiratete Mohn 1873 die Enkelin des Meisters und übernahm 1875 die stellvertretende Leitung des Richterschen Ateliers. 1880 wurde Viktor Paul Mohn zum Professor der Dresdner Kunstakademie ernannt. Nur drei Jahre später kehrte er Dresden den Rücken, um in Berlin in preußische Dienste zu treten. Auch dort erhielt er einen Professorentitel und unterrichtete ab 1895 an der Königlichen Kunsthochschule, deren Direktor er 1905 wurde. Viktor Paul Mohn verstarb im Februar 1911 in Berlin.
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