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Louise Marie Thérèse steht auf einem kleinen Stuhl und hält die Hand ihres Bruders Henri d'Artois, Herzog von Bordeaux. Das Bild erhält seine politische Bedeutung als Herrscherbild durch die Abwesenheit des eigentlichen Regenten. Der Vater der beiden Kinder, Charles-Ferdinand d'Artois, Herzog von Berry, wurde sieben Monate vor der Geburt Henris von Pierre Louis Louvel, einem Sattler in den königlichen Ställen, am 13. Februar 1820 vor der Pariser Oper ermordet. Louvel wollte mit diesem Mordanschlag die Herrschaft der Bourbonen in Frankreich beenden, erschuf aber einen Märtyrer, der nun als Symbol für die Restauration in Frankreich fungierte. Der posthum geborene Nachfolger Henri d'Artois, das enfant du miracle, wurde nach der in Folge der Julirevolution erfolgten Abdankung Karls X. zu dessen Nachfolger, ohne allerdings in Frankreich bleiben zu können. Nach dem Tode Karls X. wurde Henri von den Bourbonen-Treuen wieder als rechtmäßiger König Frankreichs ausgerufen und sowohl nach 1848 als auch nach 1870 sollte er als Heinrich V. wieder den Thron besteigen, was allerdings scheiterte. Die hier gezeigte, graphisch meisterhaft ausgeführte Darstellung es Infanten ist daher besonders interessant, weil sie das Fortbestehen der Herrschaft nach der Ermordung des Herzogs von Berry zelebriert. Der Vergleich mit dem Christuskind im Stall drängt sich auf und der fixierende Blick präfiguriert einen einzulösenden Herrschaftsanspruch.
Der Maler Louise Hersent (1777 Paris – 1860 ebd.) studierte bei Jean-Baptiste Regnault und wurde ein gefeierter Portrait- und Historienmaler. Er war Mitglied des Institut de France und folgte dem Ruf zum Professor an der École des Beaux-Arts.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Ausführung
Lithographie auf aufgewalztem Chinapapier
Jahr
1822
Signatur
unten bezeichnet, signiert und datiert: "'Hersent pinx. - Bonnemaison direxit - Aubry-Lecomte delineavit 1822" unten bezeichnet: "S. A. R. Mgr le Duc de Bordeaux - S. A. R. Mademoiselle - Imp. lith. de Villain"

Maße

Werk
32,8 x 26,7 cm (Darstellung)
Angabe
Weitere Größen: Papier: 43,1 x 31,7 cm

Zustand

Sehr guter Zustand.

Hyacinthe-Louis-Victor-Jean-Baptiste Aubry-Lecomte

1787 – 1858·Frankreich·18. Jahrhundert

Französischer Maler, Zeichner und Lithograph, geboren in Nizza, gestorben in Paris. Zunächst im Dienst der königlichen Finanzbehörden, ab 1816 in Paris. Studium an der École Royale des Beaux-Arts und im Atelier des Klassizisten Anne Louis Girodet-Trioson, auf dessen Anregung er sich dem damals neuen Verfahren der Lithographie zuwandte; seine ersten Lithographien entstanden nach Werken Girodets. 1849 Kreuz der Ehrenlegion.

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