Rastende Hirtenfamilie
»Rastende Hirtenfamilie« ist ein Werk von Albert Venus aus dem Jahr um 1860, ausgeführt als Pinselzeichnung über Bleistift auf Papier und misst 20,6 cm x 31,1 cm.
Eine junge Hirtenfamilie hat sich im Schatten einer antiken Ruine zur Rast niedergelassen; freudig hebt die Mutter ihr Baby hoch und herzt es, während der Vater sich ausruht. Ziegen und Schafe grasen friedlich vor ihnen; hinter ihnen öffnet… weiterlesen ›
Eine junge Hirtenfamilie hat sich im Schatten einer antiken Ruine zur Rast niedergelassen; freudig hebt die Mutter ihr Baby hoch und herzt es, während der Vater sich ausruht. Ziegen und Schafe grasen friedlich vor ihnen; hinter ihnen öffnet sich der Blick auf eine weite Ebene, in der die Silhouette einer Stadt angedeutet ist. Es ist das idyllische Bild einer armen Hirtenfamilie in einer unberührten, arkadischen Landschaft, das nicht von ungefähr an das christliche Motiv der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten erinnert (Abb. unten).
Das Blatt stammt von dem Dresdner Franz Albert Venus, dem neben Viktor Paul Mohn treuesten, früh verstorbenen Schüler Ludwig Richters. Mit großer zeichnerischer Sicherheit erfasst Venus die Szenerie: Die flüchtige Vorzeichnung in Kreide, die die Komposition in ihren Grundzügen festlegt, hat Venus teilweise mit dem Pinsel nachgezogen, doch das Hauptaugenmerk liegt auf der Sepialavierung, die der Komposition Tiefe verleiht, zwischen nah und fern unterscheidet, und das Geschehen aus dem malerischen Nebeneinander von Licht und Schatten aufbaut.
Das Blatt mit der Hirtenfamilie, die im Schutz der Ruine Geborgenheit sucht, schließt sich durch das Motiv der vorderen Steinmauer und den seitlichen Bäumen in einer ausholenden, kreisenden Bewegung zu einem bergenden Oval um die Familie. Das Bildthema der Hirtenfamilie knüpft zwar an ähnliche Darstellungen seines Lehrers Richter an, doch die offene, auf dem Spiel von Licht und Schatten beruhende Zeichenweise erzählt davon, wie sich Venus von der Auffassung seines Lehrers emanzipiert. Venus war zusammen mit Viktor Paul Mohn im Juni 1866 nach Rom aufgebrochen, wo sie am 20. Juni von Carl Wilhelm Müller – ebenfalls Schüler Richters und in Dresden ihr Ateliergenosse – empfangen wurden. Müller begleitete sie in den ersten sechs Monaten ihres Aufenthalts auf ihren Ausflügen in die Umgebung von Rom. Auf einer dieser Wanderungen in die Campagna, vielleicht in der Nähe des mythischen Hains der Egeria, wird unser Blatt entstanden sein; wie viele Künstler vor ihnen waren auch Venus und Mohn der Faszination dieses einzigartigen Landstrichs erlegen:
„[Sie] ist ein eigenes Stück Natur, das in seiner Schönheit der Linien ungemein studiert sein will. Das Sinnen und Träumen, das in ihr liegt, hat etwas märchenhaftes. Der Anblick, verbunden von Leben schöner Staffagen, die so ruhig leidenschaftliches in ihr hineinziehen, der Garten ein Leben von jungen Lämmern, die lustig in den Tag hineinhüpfen.“
Dies schrieb Mohn 1867 an seinen Lehrer in Dresden. Die gleiche Leichtigkeit des Seins teilt sich auch auf unserem Blatt mit, auf dem die mittägliche Sonne die Grenzen zwischen nah und fern verwischt, Antike und Gegenwart sich miteinander verbinden. Das Licht des Südens befähigte Venus, die Dominanz der Linie im Sinne Richters hinter sich zu lassen und stattdessen Atmosphäre und Stimmung, Licht und später auch Farbe in seine Bildwelt einziehen zu lassen. (Text: Peter Prange)
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Künstler
- Albert Venus
- Technik
- Bleistift
- Ausführung
- Pinselzeichnung über Bleistift auf Papier
- Jahr
- um 1860
- Epoche
- Romantik
- Darstellung
- Landschaft
- Signatur
- Unten rechts signiert: "AVenus". Unten links nummeriert: "No 24".
Maße
- Werk
- 20,6 cm x 31,1 cm
Zustand
Guter Zustand. Mittig leichter Abrieb von blauer Farbe.
Albert Venus
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