Zypressen in Rom
»Zypressen in Rom« ist ein Werk von Cäsar Metz aus dem Jahr 1853, ausgeführt als Weiß gehöhte Kreide auf Papier (blau).
Denkt man an italienische Zypressen in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts, so fallen einem zuerst die berühmten Exemplare der Villa d'Este in Tivoli ein. Ernst Fries, August Lucas, Johann Wilhelm Schirmer oder Oswald Achenbach haben s… weiterlesen ›
Denkt man an italienische Zypressen in der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts, so fallen einem zuerst die berühmten Exemplare der Villa d'Este in Tivoli ein. Ernst Fries, August Lucas, Johann Wilhelm Schirmer oder Oswald Achenbach haben sich alle der charakteristischen Baumformation in diesem Park angenommen und in der Verdichtung des Blattwerks bei gleichzeitigem Auseinanderstreben der einzelnen Stämme ein mustergültiges Studienobjekt gefunden, das durch filigrane Komplexität und voluminöse Massenanordnung gleichermaßen fordert. Cäsar Metz zeigt in dieser Zeichnung allerdings nicht die Tivoli-Zypressen, sondern jene im Klosterhof der Kirche Santa Maria degli Angeli in Rom. Sie wurde in die Überreste der Diokletiansthermen eingebaut und entstand nach Plänen Michelangelos. Die mittlere Zypresse im Gartenhof des Karthäuserklosters soll gar vom Meister selbst gepflanzt worden sein, was im Renaissance-begeisterten 19. Jahrhundert den Ort per se interessant machte.1 Um so verwunderlicher ist es, wie selten diese heute zerstörten Zypressen im Vergleich mit jenen aus Tivoli dargestellt wurden. Das prominenteste Beispiel stammt von dem dänischen Künstler Martinus Rørbye (1803-1848), der 1841 die Zypressen in einer elaborierten Ölskizze festhielt (Vgl.-Abb. 6).2 Doch Metz gewichtet seine ungewöhnlich großformatige Zeichnung gänzlich anders als der Kollege zwölf Jahre vorher. Die Bäume erscheinen nicht etwa eingebettet in den narrativen Kontext der Klostermauern, wo sie zwar bildbestimmendes Motiv, aber nicht autonom sind. Vielmehr erreicht Metz durch den gänzlichen Verzicht auf eine einbettende Umgebung in der Vereinzelung einen starken Abstraktionsgrad, der sich ganz auf das Zusammenspiel von Linien und Volumen in den Bäumen konzentriert. Der im Vordergrund angedeutete Brunnen trägt wenig zur Klärung der Szenerie bei, denn er ist nur als solcher zu erkennen, wenn man um seine Funktion bereits weiß. Für sich ist auch dieses Liniengebilde zu abstrakt. Dieses Separieren verleiht den Bäumen einen monumentalen Charakter, der keiner Umgebung mehr bedarf. Die Zypresse bot sich als Baum mit charakteristisch hoher und geschlossener Form für diesen Aspekt der Bildpräsentation besonders gut an. Gleichzeitig verkörperte er durch die radikale Vertikale und den unregelmäßigen, gebrochenen Wuchs eine deutliche Abkehr von dem Ideal eines Landschaftsbaumes, wie ihn die Malerei seit Poussin favorisierte. Weder bietet er Schutz noch rahmt er ein. Im Ideal des querformatigen, ausgewogen sich in die Tiefe staffelnden Landschaftsraumes ist die Zypresse ein Fremdkörper. So verwundert es auch nicht, dass Carl Blechen in ihren langgliedrigen Ästen und ausgefranst wolkigen Blättern eher gespensterhafte Wesen als eigentliche Bäume erkennt. Zwar tendiert Cäsar Metz in dieser Arbeit nicht in solch eine mystisch aufgeladene Richtung, doch auch bei ihm bestimmt die individuelle Besonderheit der Zypressenbäume die Art der Darstellung. Die einzigartige Präsenz der Charakterbäume verlangt nach einer fokussierenden Präsentation. |af| 1 Burckhardt 1941, S. 314. 2 Öl auf Papier, signiert und datiert: \"M. R. Roma 1841.\", 55 x 37 cm, Kopenhagen, Ny Carlsberg Glyptotek, Inv. Nr. 3106. | Wasserzeichen: \"Fabriano\"
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
Maße
- Rahmen
- 78,0 cm x 64,0 cm
Zustand
Sehr guter Zustand. Altersgemäßer Zustand
Cäsar Metz
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